vergrößernverkleinern
Bruiser Brody ist bis heute Vorbild zahlreicher WWE-Stars
Bruiser Brody ist bis heute Vorbild zahlreicher WWE-Stars © WWE Network
teilenE-MailKommentare

München - Vor 30 Jahren wurde Wrestling-Legende Bruiser Brody von einem Kämpfer-Kollegen erstochen. Obwohl er nur kurz bei WWE war, ist sein Mythos bis heute prägend.

Nicht jeder Fan, der heute bei WWE einschaltet, kennt noch seinen Namen. Aber jeder spürt seinen Einfluss.

Frank Goodish - besser bekannt als Bruiser Brody - war einer der besten Wrestler sein Zeit, ein stilbildender, optisch unverwechselbarer Big Man, athletisch, charismatisch, packend.

Kaum einer verstand es wie er, in einem Showkampf die Illusion eines echten, wilden Fights zu erzeugen. Nicht umsonst raten die WWE-Verantwortlichen bis heute jedem ihrer Riesen, die alten Tapes von Brody zu studieren. Ihr aufstrebender Star Braun Strowman ist das beste Beispiel für einen, der das offensichtlich getan hat.

Zu Lebzeiten war Bruiser Brody selbst ein Superstar - bis dieses Leben aus bis heute ungeklärten Gründen beendet wurde. Brody wurde in Puerto Rico von einem Wrestler-Kollegen erstochen. Eine Tragödie, die nicht nur die Wrestling-Welt erschütterte und sich diese Woche zum 30. Mal jährt.

Wrestler-Kollege stach Bruiser Brody nieder

Es war der 16. Juli 1988, Brody sollte in Bayamon bei einer Show der Liga WWC gegen Danny Spivey antreten, später bei WWE Darsteller des kurzlebigen Kultcharakters Waylon Mercy. Vor der Show bat ihn Jose Huertas Gonzalez, Wrestler und Booker (verantwortlicher Autor) bei WWC, in den Badbereich, um geschäftliche Details zu besprechen.

Kurz darauf schreckten Schreie die Kämpferkollegen in der Umkleidekabine auf: Sie fanden Brody mit blutendem Bauch am Boden vor und Gonzalez mit einem Messer in der Hand daneben.

---

Lesen Sie auch:

- SPORT1 erklärt: So funktioniert die Showkampf-Liga WWE
- Video enthüllt Fan-Frust bei Ziggler und Rollins

---

Tragisch: Der 42 Jahre alte Brody hätte die Messer-Attacke wohl überlebt, wären ihm nicht zwei Details zum Verhängnis geworden. Zum einen traf der Rettungswagen spät ein, angeblich war der Notruf der Wrestler zunächst nicht ernst genommen worden - wäre ja vielleicht auch nur Show.

Zum anderen hatte Brody diverse Aspirin-Tabletten geschluckt. Er wollte gegen Spivey - wie in vielen seiner Matches - das so genannte "Blading" vollführen, sich die Haut aufritzen, um bewusst zu bluten. Die Verdünnungswirkung des Medikaments sollte die Show effektvoller machen. Stattdessen trug sie entscheidend dazu bei, dass Brody in der Nacht qualvoll verblutete.

Bruiser Brody fügte sich oft absichtlich blutende Wunden zu, um seine Matches dramatischer zu machen
Bruiser Brody fügte sich oft absichtlich blutende Wunden zu, um seine Matches dramatischer zu machen © WWE Network

Der Invader kämpfte weiter, als wäre nichts gewesen

Warum Gonzalez - Kampfname: Invader #1 - Brody tötete? Bis heute ein Rätsel. Gonzalez sprach von Notwehr, Brody wäre ausgeflippt, als er von ihm verlangt hätte gegen Spivey zu verlieren. Er wurde im Jahr darauf vor Gericht freigesprochen, in einem Prozess, den alle, die mit der Situation vertraut waren, als Farce bezeichnen.

Die puertoricanische Szene wird bis heute von vielen Stars gemieden, auch weil der Fall Brody für Gonzalez dort letztlich folgenlos blieb: Er stieg sofort nach seinem Freispruch wieder in den Ring, wurde auch wieder Booker - und schrieb später sogar geschmacklose Storys um Messer-Attacken, die auf den Tod Brodys anspielten.

Ob auch nur ein Körnchen Wahrheit in den Aussagen des heute 72-Jährigen lagen? Völlig unklar.

Jose Gonzalez war in den siebziger und achtziger Jahren eine Weile bei WWE aktiv
Jose Gonzalez war in den siebziger und achtziger Jahren eine Weile bei WWE aktiv © WWE Network

Ein Albtraum für die Wrestling-Promoter

Gewiss ist, dass Brody tatsächlich ein schwieriger Charakter war. Immer wieder lag er im Clinch mit Promotern, denen er seine Forderungen kompromisslos zu diktieren pflegte. Fühlte Brody sich trotzdem übers Ohr gehauen, rächte er sich: Mehrfach tauchte er absichtlich bei großen Shows nicht auf, die mit seinem Namen beworben wurden. Legendär auch ein Match mit Lex Luger in Florida, bei dem Brody seinen Arbeitgeber blamierte, indem er mitten im Kampf die Arbeit einstellte und nur noch böse guckend in der Gegend stand.

Der Freigeist Brody passte so gar nicht in das Konzept von WWE-Boss Vince McMahon, der zu Brodys Hochzeiten in den Achtzigern gerade dabei war, das traditionelle Territorialsystem des Wrestlings zu zerschlagen und seine World Wrestling Federation zum landesweit veranstaltenden Marktführer auszubauen.

Brody war nur in den Siebzigern kurz für McMahons Vater Vince Sr. aktiv, später pendelte er zwischen den verbliebenen regionalen US-Ligen und Japan.

Dort war er ein Superstar, dessen Ruhm weit über die Wrestling-Welt hinausreichte. Seine Ermordung war dort über Monate hinweg Top-Thema in den Boulevardmedien.

WWE-Intermezzo mit Hulk Hogan war in Planung

Weil Brody ein ähnlich cleverer Geschäftsmann wie McMahon war, soll er zwischenzeitlich neben Megastar Hulk Hogan der bestbezahlte Wrestler der Welt gewesen sein.

Angeblich plante Brody, irgendwann doch noch für eine Weile zurück zur WWF zu gehen und dort das Traumduell mit Hogan zu bestreiten.

Es hätte Hogans größtes Match aller Zeiten werden können, wäre es dazu gekommen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image