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WWE-Legende Triple H ließ sich vom todkranken Connor The Crusher symbolisch besiegen
WWE-Legende Triple H ließ sich vom todkranken Connor The Crusher symbolisch besiegen © WWE
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München - Vor fünf Jahren starb der acht Jahre alte Connor Michalek, den WWE kurz zuvor mit einer rührenden Aktion weltberühmt machte. Es folgten auch kritische Töne.

Ein kleiner WWE-Fan, als Ringheld in Szene gesetzt, umjubelt von seinen großen Idolen: Es waren Szenen, die Millionen Menschen bewegten, weit über das Wrestling-Publikum hinaus.

Kurz vor ihrer größten Show des Jahres hatte die Showkampf-Liga den achtjährigen Connor Michalek eingeladen, einen besonderen Moment zu erleben: Er durfte in den Ring einziehen, der Legende Triple H einen symbolischen Fausthieb verpassen, ein "Match" gegen ihn gewinnen und sich von den versammelten Stars feiern lassen - allen voran Daniel Bryan, seinem Lieblingswrestler.

Das Video der liebevollen Aktion wurde millionenfach angeklickt, die bittersüße Geschichte von "Connor The Crusher" ging um die Welt: Der Junge war todkrank, starb wenige Wochen später, am 25. April 2014, heute vor fünf Jahren.

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WWE pflegt das Vermächtnis Michaleks bis heute - auf eine Art und Weise, die ihr nicht nur Lob einbrachte.

Daniel Bryan erfüllte "Connor The Crusher" einen Traum

Die Promotion war im Jahr 2012 auf das Schicksal Michaleks aufmerksam geworden, der an einem bösartigen Tumor an Kopf und Wirbelsäule litt, der trotz vieler Operationen und Chemotherapien letztlich unheilbar war. In einem YouTube-Video hatte der kleine Fan aus der Nähe von Pittsburgh sich ein Treffen mit Bryan gewünscht.

Es dauerte nicht lange, bis WWE-Fans eine virale Kampagne daraus machten, die Promotion ging darauf ein und organisierte die Begegnung. Mehrere weitere Treffen Michaleks mit Bryan und anderen Stars folgten, im Frühjahr 2014 schließlich folgte der groß inszenierte Moment, der weltweit auch in vielen Medien Erwähnung fand, die sich sonst nicht mit Wrestling beschäftigen.

Michalek durfte auch bei WrestleMania XXX in der ersten Reihe sitzen, wo sein Lieblingswrestler Bryan erstmals den Hauptkampf bestritt und gewann. Danach umarmte dieser seinen todkranken Bewunderer und dankte ihm für die Inspiration, die er ihm gegeben hätte. Bryans Aufstieg zum Champ war damals eine von den WWE-Fans umjubelte Underdog-Story.

Nachdem Michalek starb, vollzog WWE mehrere Charity-Aktionen um ihn: Sie verlieh ihm 2015 im Rahmen ihrer Hall-of-Fame-Zeremonie den neu eingeführten (und wegen ihres Namensgebers nicht unumstrittenen) "Warrior Award", hob auch die Stiftung "Connor's Cure" aus der Taufe, die Geld für die Kinderkrebsforschung sammelt.

WWE-Insider fand Darstellung verzerrt

Der Umgang von WWE mit dem Schicksal des kleinen Connor stieß nicht nur auf Zustimmung: Im April 2015 sorgte ein kritischer Blog ihres früheren Ringsprechers Justin Roberts für Wirbel. Roberts, der erwiesenermaßen viel dazu beitrug, Connor mit seinen Stars bekannt zu machen, warf WWE unter anderem vor, Connors Geschichte verzerrt wiedergegeben zu haben. Unter anderem hätte sie Bryans Verhältnis zu Connor als enger dargestellt, als es wirklich gewesen sei (ohne dass Roberts deshalb Bryans menschliche Qualitäten in Frage stellte).

Wissenswertes zum Thema Wrestling

Roberts schrieb, dass er sich wünschen würde, dass die posthumen WWE-Aktionen für Connor "von Aufrichtigkeit, nicht von Strategie angetrieben wären". Er verwies dabei auf einen von vielen als zynisch empfundenen Kommentar von WWE-Vorstand Stephanie McMahon, dass "Philanthropie die Zukunft des Marketings" sei.

WWE verwahrte sich gegen diesen Vorwurf und antwortete, es wäre "beleidigend" zu behaupten, dass wir mit den Aktionen "irgendeine Absicht verfolgen, die nicht selbstlos ist". Dass Fremd- und Eigennutz bei öffentlichen Wohltätigkeitsaktionen zwangsläufig zwei Seiten derselben Medaille sind, verloren dabei beide Seiten aus dem Blick.

Connors Familie war der Streit merklich unangenehm, Vater Steve würdigte öffentlich sowohl Roberts für das, was er für seinen Sohn getan hatte als auch WWE für ihre Aktionen, die dafür sorgen würden, "dass Connors Vermächtnis weiterlebt".

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