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Shanice Craft (l.) und Nadine Müller räumten bei der Leichtathletik-EM für Deutschland im Diskuswurf ab
Shanice Craft (l.) und Nadine Müller räumten bei der Leichtathletik-EM für Deutschland im Diskuswurf ab © Getty Images
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Nadine Müller gewinnt bei der Leichtathletik-EM in Berlin Silber im Diskuswurf vor ihrer Landsfrau Shanice Craft. Erneut nicht zu schlagen ist Sandra Perkovic.

Nadine Müller lief jubelnd über die blaue Laufbahn und konnte ihr Glück kaum fassen: Mit 63,00 m hatte sich die Hallenserin bei der EM in Berlin nach einem packenden Diskus-Finale Silber gesichert. Die deutsche Meisterin Shanice Craft (Mannheim/62,46) holte Bronze, Claudine Vita (Neubrandenburg) machte als Vierte (61,25) den starken Auftritt des deutschen Trios perfekt.

"Ich habe gezeigt, was ich kann. Jetzt fahre ich mit Silber nach Hause, ich bin super-happy. Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach, deshalb ist das eine spezielle Silbermedaille", sagte Müller (32).

Craft (25), die bereits 2014 und 2016 EM-Dritte war, meinte: "Das ist die wertvollste Bronzemedaille von den dreien. Seit diesem Jahr wohne und trainiere ich in Berlin, das hat sich wie zuhause angefühlt." (Zeitplan der Leichtathletik-EM)

Perkovic dominiert und gewinnt Gold

Gold sicherte sich erwartungsgemäß Sandra Perkovic mit 67,62 m. Die Kroatin setzte ihre beeindruckende Siegesserie fort. Die zweimalige Olympiasiegern und Weltmeisterin holte sich zum fünften Mal in Folge EM-Gold. Noch nie konnte eine Athletin oder ein Athlet zuvor fünf EM-Titel bei Europameisterschaften gewinnen.

Müller präsentierte sich von Beginn an bärenstark und jagte den Diskurs in den ersten beiden Versuchen auf starke 62,00 und 63,00 m. Top-Favoritin Perkovic wirkte irritiert, fand zunächst überhaupt nicht zu ihrer Form und übernahm erst im vierten Versuch die Führung, die sie nicht mehr abgeben sollte.

Craft war bei internationalen Meisterschaften mal wieder in Top-Form und holte sich bereits ihre dritte EM-Medaille in Folge. Die erst 21 Jahre alte Vita hatte Anlaufprobleme und kam erst im letzten Wurf auf ihre Topweite. Vita war enorm stark in die laufenden Saison gestartet, konnte in den letzten Wochen vor der EM die Weiten aber nicht mehr bestätigen. 

Bundestrainer Sack: "Deutschland kann Diskus"

Für Bundestrainer Rene Sack war an der Kroatin kein Vorbeikommen: "Perkovic ist seit Jahren nicht zu schlagen. Für uns war wichtig zu zeigen, dass Deutschland immer noch Diskus werfen kann. Das haben wir geschafft." Wichtig sei ihm dabei nicht wer oder in welcher Reihenfolge die Medaillen hole, sondern der Erfolg an sich.

Am Ende war Müller völlig aus dem Häuschen, obwohl sie nicht zum ersten Mal bei internationalen Meisterschaften auf dem Podium stand. Bei der EM 2012 in Helsinki und der WM 2015 in Peking hatte sie Bronze gewonnen, bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea sogar Silber. Bei deutschen Meisterschaften konnte sich die 1,93 m große Müller bereits sechsmal den Titel sichern.

(Medaillenspiegel der European Championships)

Doch 2018 war für Müller ein ganz besonderes Jahr. Es lief nicht gut für die Altmeisterin, die im Frühsommer zudem an einer schmerzhaften Rückenverletzung laborierte. Der EM-Start hing am seidenen Faden, erst mit dem zweiten Platz Ende Juli bei den deutschen Meisterschaften löste sie das Ticket für die Heim-EM in Berlin.

Craft hatte sich intensiv auf die Heim-EM vorbereitet, war im vergangenen Jahr von Mannheim nach Berlin gezogen, um noch intensiver mit der Trainingsgruppe von Diskus-König Robert Harting und dessen Frau Julia zu arbeiten. Das zahlte sich aus. Bei den deutschen Meisterschaften Ende Juli in Nürnberg gewann sie den Titel und setzte ihren guten Trend bei der EM nun fort.

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