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München - Bei der Leichtathletik-WM in Doha schreibt Niklas Kaul Geschichte und kürt sich zum jüngsten Zehnkampf-Weltmeister. SPORT1 stellt König Kaul vor.

Als er die Ziellinie überquerte, schüttelte Niklas Kaul ungläubig mit dem Kopf.

Gerade hatte der 21-Jährige die letzte Disziplin über die 1.500 Meter mit weitem Vorsprung gewonnen und sich somit zum jüngsten Zehnkampf-Weltmeister aller Zeiten aufgeschwungen.

"So ganz habe ich das noch nicht verstanden. Das dauert noch ein bisschen. Wie das passiert ist – ich weiß es einfach nicht", erklärte er anschließend mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und purer Freude am Mikrofon der ARD.

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Doch wer ist dieser junge Mann, der nach dem ersten Tag noch auf einem bescheidenen elften Platz lag und schließlich das Feld mit persönlichen Bestleistungen in den letzten vier Disziplinen von hinten förmlich überflügelte?

Eltern formen ihren Sohn zum Weltklasse-Athleten

Dass dem gebürtigen Mainzer einmal eine große Zukunft bevorstehen würde, darin waren sich die Experten schon weit vor seinem historischen Abend im Khalifa International Studium von Doha sicher.

Bereits 2017 hatte er bei der U20-EM in Italien den 35 Jahren alten Uraltrekord von DDR-Zehnkämpfer Torsten Voss um satte 98 Punkte überboten, im Juli sicherte er sich zudem den U23-EM-Titel im schwedischen Gävle und auch bei der U18- und U20-WM in den Jahren 2015 und 2016 war er nicht zu schlagen.

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Bei jedem seiner Triumphe immer mit an seiner Seite: Vater Michael und Mutter Stefanie, die ihren Sohn gemeinsam beim USC Mainz trainieren und selbst auf erfolgreiche Leichtathletik-Karrieren über die 400 Meter Hürden und 800 Meter zurückblicken können.

"Der Niki ist in dem Moment schon mehr Athlet und weniger Sohn. Natürlich kennt man sich besonders gut und bespricht auch besonders viel, das funktioniert eigentlich ganz gut", beschrieb die mehrfache österreichische Landesmeisterin die Konstellation mit ihrem Sohn einmal in einer Reportage des ZDF.

Lehramtsstudium als Ausgleich zum Profisport

Sieben Tage wird in der Regel pro Woche trainiert, daneben studiert Kaul Lehramt an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Zuerst nur Physik mit wenigen Wochenstunden, später nahm er Sport als zweites Studienfach hinzu.

Auch wenn der Terminkalender entsprechend voll ist, empfindet er das Studium nicht als zusätzliche Belastung. Im SPORT1-Interview erklärte er, dass ihm das Studium neben dem Training sogar helfen würde.

"In Mainz haben wir den Vorteil, dass der Trainingsplatz auf dem Uni-Gelände ist. Ich bin in drei Minuten vom Vorlesungssaal auf dem Platz und umgekehrt. Das ist nur an ein bis zwei anderen Standorten in Deutschland vergleichbar. Mit dem Studium muss man Zeit verbringen und darüber nachdenken. Gerade in einer schlechten Phase im Sport hilft es, dass man nicht im Kopf zu müde ist, weil man die ganze Zeit über den Sport nachdenkt", sagte er.

Daher kommt für ihn ein Modell wie bei Konstanze Klosterhalfen, die in ihrem Nike Oregon Projekt alles dem Sport unterordnet, nicht in Frage. "Wenn ich den ganzen Tag nichts zu tun habe außer Training, dann bin ich auch im Training nicht so fit. Außerdem möchte ich eine Sicherheit haben neben dem Sport", erklärte er - und plant bereits jetzt für die Zeit nach der Karriere.

Kaul kein Freund von strikter Ernährung

Bleibt nach dem Training und Studium doch mal etwas freie Zeit übrig, verbringt der leidenschaftliche Kaffeetrinker diese am liebsten auf dem heimischen Sofa, hört Musik, schaut Serien oder trifft sich mit Freunden zum Kochen.

Penibel auf jede Kalorie wird dabei nicht geachtet. "Ich habe keinen festen Ernährungsplan, passe aber auf, dass ich mich halbwegs gut ernähre. Klar dürfen wir Zehnkämpfer nicht zu schwer sein, darunter leiden dann Sprung- und Sprintzeiten, aber ich gönne mir schon mal was. Gerade im Winter hat man auch mal Lust auf etwas Ungesundes", verriet er SPORT1.

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Ein ganz strikter Ernährungsplan sei seiner Meinung nach auch gar nicht leistungsfördernd, zum Frühstück isst er beispielsweise gerne einmal Pancakes, Speck und Eier. Auch in Doha fiel er durch eine Essgewohnheit auf: Zur schnellen Stärkung löffelte er zwischen den Disziplinen ein Gläschen Babynahrung.

Olympische Spiele 2020 als großes Ziel

Bereits jetzt blickt Kaul voller Vorfreude auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio voraus, auch wenn die Qualifikation dafür noch nicht in trockenen Tüchern ist.

"Dafür muss man nächstes Jahr noch einmal eine neue Norm erfüllen. Drei Zehnkämpfer dürfen für Deutschland ran. Wenn ich fit bin, sollte das gehen", zeigte er sich aber zuversichtlich und hob die Bedeutung von Olympia heraus: "Olympische Spiele ist die größte und wichtigste Veranstaltung in der Karriere eines Sportlers."

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