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Skifahrerin Anna-Lena Forster könnte das "Sport-Stipendiat des Jahres 2019" bekommen. Sie erzählt im Sporthilfe-Interview, warum das Uni-Leben unter dem Sport leidet.

Ab sofort kann unter www.sportstipendiat.de der Sport-Stipendiat des Jahres 2019 gewählt werden. Mit der Auszeichnung ehren die Deutsche Sporthilfe und die Deutsche Bank in Kooperation mit SPORT1 auch in diesem Jahr wieder einen Athleten, dem die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Art und Weise gelingt. Fünf Top-Sportlerinnen und -Sportler stehen bis zum 18. August 2019 zur Wahl:

Im dritten Teil unserer Interviewserie stellt Ihnen SPORT1 Skifahrerin Anna-Lena Forster vor. Mit dem Weltmeistertitel im Slalom hat die Para-Ski-alpin-Fahrerin ihr Paralympics-Gold von 2018 bestätigt und sich endgültig in den Geschichtsbüchern verewigt. Um ihren Sport ausüben zu können und gleichzeitig in Freiburg Psychologie zu studieren, nimmt die Monoski-Fahrerin viele Kompromisse in Kauf.

Deutsche Sporthilfe: Frau Forster, zweifache Paralympics-Siegerin sind Sie bereits, seit diesem Winter dürfen Sie sich nun auch Weltmeisterin nennen. Ein schönes Gefühl?

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Anna-Lena Forster: Definitiv. Ich möchte fast sagen: endlich bin ich Weltmeisterin! Bei der WM vor zwei Jahren habe ich Gold noch aus der Hand gegeben, weil ich mich etwas zu sicher fühlte, das hat mich sehr geärgert. Aber den Titel habe ich nun eingefahren und außerdem meine beiden Goldmedaillen von den Paralympics im Jahr darauf bestätigt. Das war mein großes Ziel.

Deutsche Sporthilfe: Nach Ihrem Erfolgen in Pyeongchang gingen Sie bei der WM erstmals als Favoritin an den Start, standen nicht mehr im Schatten Ihrer Teamkollegin Anna Schaffelhuber. Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?

Forster: Es war ein neues Gefühl für mich. Als Favoritin am Start zu stehen, ist schon nochmal eine andere Herausforderung. Anna und ich pushen uns schon seit Jahren gegenseitig, jetzt wollte ich zeigen, dass auch ich keine Eintagsfliege bin. Aber der Druck war extrem hoch. Für viele war klar: Ich kann eigentlich nur Gold holen. Das Warten auf den Wettkampf war die Hölle, im Training am Tag davor ist mir überhaupt nichts gelungen. Aber ich konnte mich rechtzeitig wieder darauf besinnen, dass ich doch noch Ski fahren kann (lacht).

Deutsche Sporthilfe: Sie studieren Psychologie, hilft Ihnen das in solchen Drucksituationen?

Forster: Ab und zu kommt es einmal vor, dass ich Wissen aus Vorlesungen mit Situationen aus dem Sport und dem Leben allgemein verknüpfen kann – aber einen Wettbewerbsvorteil habe ich durch mein Studium jetzt nicht unbedingt.

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Deutsche Sporthilfe: Wie klappt generell das Zusammenspiel zwischen Studium und Sport bei Ihnen?

Forster: Man muss häufig Kompromisse eingehen und viel koordinieren. Im Winter sind wir über 120 Tage unterwegs – da verpasse ich viele Uni-Veranstaltungen und muss die meisten Klausuren im Sommer nachschreiben. Auch die Anwesenheit ist ein Thema: Wir Sportler dürfen pro Kurs zwar fünfmal statt zweimal fehlen, ich muss einige Seminare aber trotzdem auf zwei Wintersemester splitten. Das zieht das Studium enorm in die Länge.

Deutsche Sporthilfe: Bei Ihrem vollen Terminkalender bleibt keine Zeit für einen typischen Studenten-Job. Wie wichtig ist für Sie die Unterstützung durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium?

Forster: Es erleichtert vieles. Dank des Stipendiums muss ich zumindest meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen, das ist für mich enorm wichtig.

Deutsche Sporthilfe: Die kommende Saison 2019/2020 ist nun eine ohne sportliche Großereignisse. Wie halten Sie die Motivation hoch?

Forster: Das ist in der Tat eine Herausforderung. Auch nach der WM im Januar bin ich erst einmal in ein kleines Loch geraten, weil dort so viel von mir abfiel – man fragt sich, was soll eigentlich noch kommen, wie geht es weiter? Aber ich finde immer neue Ziele und Projekte. Ich möchte meine Sitzschale optimieren, auch den Monoski kann man noch verbessern, zudem habe ich noch Defizite in den Speed-Disziplinen. Und die Zeit bis zu den nächsten Großereignissen vergeht auch immer schneller, als man denkt.

Steckbrief

Anna-Lena Forster (* 15. Juni 1995 in Radolfzell)
Sportart: Ski alpin, paralympisch
Wohnort: Freiburg/Radolfzell
Verein: BRSV Radolfzell
Größte Erfolge: Paralympics-Siegerin im Slalom und in der Superkombination 2018, Paralympics-Zweite im Slalom und in der Superkombination 2014, Paralympics-Dritte im Riesenslalom 2014, Weltmeisterin im Slalom 2019, WM-Zweite in der Abfahrt 2019, im Slalom 2013 und 2017, WM-Dritte im Riesenslalom und in der Super-Kombination 2019, in der Super-Kombination 2017 und im Slalom 2015, Gesamtweltcupsiegerin 2016
Studium: Psychologie  
Universität: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 

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