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Andrea Dovizioso benötigte nach den ersten Runden Ekströms Ratschläge
Andrea Dovizioso benötigte nach den ersten Runden Ekströms Ratschläge © Audi AG
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Warum Andrea Dovizioso einige Runden benötigte, um sich beim Misano-Test im DTM-Audi zu überwinden, und wieso er sein Abenteuer nicht als Ablenkung sieht

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Es war kein leichter Umstieg für MotoGP-Ass Andrea Dovizioso von der MotoGP-Ducati auf den Audi RS 5: Der erste DTM-Gastfahrer der Saison testete vergangene Woche eineinhalb Tage lang auf dem Kurs in Misano, auf dem er in einer Woche sein erstes DTM-Rennen bestreiten wird - und war nach den ersten Kilometern komplett verunsichert.

"Es war seltsam", gibt er zu. "In den ersten sechs Runden hatte ich solche Angst davor, die schnelle Kurve voll zu nehmen, dabei ist die Geschwindigkeit geringer als auf dem Motorrad", gibt er zu.

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Was Dovizioso so große Probleme bereitete? Während bei einem Motorrad der mechanische Grip entscheidend ist, wird die Haftung bei einem DTM-Auto in schnellen Kurven vor allem über die Aerodynamik erzeugt. Diese funktioniert aber erst ab einem gewissen Tempo so richtig. Ein für den Kopf widersprüchliches Phänomen, denn der sagt einem, dass man vom Gas gehen muss, um einen Abflug zu vermeiden.

Wie die Aerodynamik Dovizioso verunsicherte

"Vom Motorrad bin ich es gewohnt, dass man erst etwas spüren muss, um darauf zu reagieren. Im Auto kann ich in dieser Situation das Limit nicht spüren, was auch daran liegt, dass mir die Erfahrung fehlt. Meine Augen haben mich jedes Mal dazu gebracht, zu zögern", beschreibt Dovizioso im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' seine Anpassungsschwierigkeiten. "Ich bin jedes Mal vom Gas gegangen."

Daraufhin holte sich Dovizioso Tipps von seinem Coach, DTM-Haudegen Mattias Ekström. "Wenn die Geschwindigkeit höher ist, dann verbessern sich auch der Abtrieb und die Stabilität", lautete die entscheidende Erkenntnis. Der Quereinsteiger probierte es erneut - und hatte Erfolg.

So bewältigte der MotoGP-Star die Mutprobe

"Es ging nur um das Vertrauen, denn das Auto hat sich nicht bewegt. Ich musste es also einfach versuchen - und dann war es tatsächlich sehr stabil, und es hat funktioniert", erklärt Dovizioso, wie er die Mutprobe bewältigte. "Nach zwei Stunden ist mir das so leicht gefallen."

Der Erlebnis-Faktor ist allerdings geblieben: "Wenn man den Abtrieb spürt, nachdem man im sechsten Gang ankommt, zwei Gänge runterschaltet und in die Kurve einfährt, dann ist das ein wirklich gutes Gefühl."

Dovizioso zeigt sich von Bremsen unbeeindruckt

Und wie hat Dovizioso die Wirkung der Bremsen erlebt? "Das hat mich nicht so beeindruckt, denn das ist auf dem Motorrad viel schwieriger", gibt er eine interessante Antwort. "Üblicherweise bremsen Motorradfahrer im Auto sehr spät und tief in die Kurve hinein. Das war also kein Problem."

Beobachtern ist beim Misano-Test aufgefallen, wie ehrgeizig Dovizioso an die Aufgabe herangeht. Selbst in den Abendstunden, als die Sonne längst untergegangen war, drehte der Lokalmatador noch immer seine Runden. Sein Ziel ist es, tatsächlich im Mittelfeld mitzumischen und nicht nur der Überrundung zu entgehen.

Ducati und DTM-Audi zwei "komplett verschiedene Welten"

"Ich bin nicht extrem schnell, aber auch nicht allzu weit weg, und habe am Ende eine gute Rundenzeit erzielt", lautet das Fazit des 33-Jährigen, der den Kurs unweit seiner Heimat, der außerdem im MotoGP-Kalender ein Fixpunkt ist, nicht wiedererkannte.

"Die Ideallinie ist im Auto ganz anders", sagt er. "Und noch etwas ist ganz anders: Im Auto muss man so viele Dinge im Griff haben, während man sich auf dem Motorrad ganz auf das Fahren konzentrieren kann", spielt er auf die Bremsbalance und Überholhilfen wie DRS und Push-to-pass an.

Daher sei es auch nicht möglich, die Erfahrungen im über 600 PS starken DTM-Audi auf die über 250 PS starke Ducati zu übertragen. "Es handelt sich um zwei komplett verschiedene Welten", sagt Dovizioso. "Es war aber ein richtiger Test mit vielen Ingenieuren. Und ich kann dadurch in kurzer Zeit viel lernen."

Warum sich Dovizioso das DTM-Abenteuer antut

Genau darum geht es dem MotoGP-Vizeweltmeister: "Ich will offen sein und in meinem Alter ganz neue Dinge machen, auch wenn ich sie dann nicht auf das Motorrad übertragen kann." Den Hintergrund erklärt Ducati-Crewchief Alberto Giribuola im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com': "Bei jeder Erfahrung mit einem Motor, ganz egal ob Auto oder Motorrad, wird man feinfühliger."

Dass er in einer Schlüsselphase der WM mit dem DTM-Abenteuer zwischen zwei MotoGP-Wochenenden den Fokus verliert, glaubt Dovizioso nicht: "Wenn ich zuhause bin, dann ist die MotoGP für mich ohnehin nicht die Hauptsache, dann fahre ich Motocross. Diesmal konzentriere ich mich halt auf ein Auto."

Der Italiener glaubt auch nicht, dass ihm der DTM-Ausflug zu viel Energie raubt: "Ich will natürlich das Maximum herausholen, aber ich habe keinen Druck, irgendein Ergebnis einzufahren. Der Druck besteht daran, mich achtbar aus der Affäre zu ziehen, und das ist etwas anderes. Ich freue mich darauf."

© Motorsport-Total.com

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