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Renault-Pilot Nico Hülkenberg spricht in seiner SPORT1-Kolumne über das Regen-Chaos von Monza und verrät, ob er Hamilton oder Vettel in Singapur im Vorteil sieht.

Liebe Formel-1-Fans,

das Rennen in Monza war ein Kampf - mehr zwischen mir und meinem Auto, als zwischen mir und meinen Gegnern. Es war von vorneherein klar, dass es nicht unsere Paradestrecke ist - das hat sich auch bestätigt.

Beim Freien Training am Freitag ging es noch ganz gut, besser als ich gedacht hätte. Über Nacht haben wir noch ein paar Dinge probiert. Diese konnten wir aber wegen des Regenchaos' am Samstag kaum testen. Von daher war es eine Wundertüte.

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Ehrlich gesagt eine echt nervige Situation für uns Fahrer. Man hat ständig gewartet, geguckt und unzählige Male den Helm an- und ausgezogen und genauso oft ist man in den Wagen ein- und ausgestiegen. Als klar war, dass es länger dauert dachte ich mir, dass ich auch etwas Besseres tun kann als ewig zu warten. Schlafen zum Beispiel. Gesagt, getan: Mittagsschlaf in Monza.

Der Regen war an sich gar nicht so stark und es gab auch nicht so viel stehendes Wasser. Das Problem war jedoch, dass die Reifen nur für eine bestimmte Literanzahl Wasser gemacht sind, die sie verdrängen können. Andernfalls entsteht schnell Aquaplaning, was natürlich unbequem und nicht im Sinne des Fahrers ist. Charlie Whiting (Rennleiter, Anm. d. Red.) hatte daher wenige Möglichkeiten.

In Zukunft können wir meiner Meinung nach an diesem Punkt noch weiter mit Pirelli zusammenarbeiten, um das zu verbessern. Denn in der Vergangenheit konnte man mit anderen Herstellern bei solchen Bedingungen noch fahren. Das Ding ist nur: Während des Jahres gibt es keine Tests mehr, und Tests auf nasser Strecke schon gar nicht. So ist es schwierig für Pirelli, dies zu verbessern. 

Jetzt aber zum Rennsonntag: Ich bin von Position 14 gestartet und irgendwo im Verkehr stecken geblieben. Der "Dirty-Air-Effekt" war so gigantisch am Sonntag, dass ich einfach nicht überholen konnte.

Monza war insgesamt prädestiniert für Mercedes. Das passt wie die Faust aufs Auge, Auto und Strecke, das ganze Paket. In Singapur kann das alles wieder ganz anders aussehen. Vom Gefühl her glaube ich, dass Ferrari in Singapur stark aufgestellt ist und in der Lage ist, dort zu gewinnen.

Auch für uns bin ich zuversichtlich, dass wir dort wieder zu alter Stärke zurückkehren werden. Für Singapur gilt: Das Auto und die Charakteristik der Strecke passen gut zusammen. Auch in Malaysia und Japan fühle ich mich mit dem Auto gerüstet.

Bei den nächsten drei Strecken braucht man eine filigrane, gute und stabile Aerodynamik. Unser Ziel und Anspruch muss sein, dass wir vierte Kraft hinter den drei Topteams sind und ich glaube, das ist auch realistisch.

Ich jedenfalls bin gespannt auf die Asien-Tour. Es kommen zwar einige Langstreckenflüge auf uns zu, aber wir waren jetzt lange genug in Europa und ich freue mich, in andere Länder zu reisen.

In diesem Teil der Saison sieht man viel und kommt gut rum. Vor allem aber fahren wir auf einigen tollen Strecken: Singapur und Suzuka sind immer ein Highlight, auch Austin gefällt mir sehr gut und natürlich Mexiko mit der guten Stimmung. Wir können uns auf einige gute Events freuen.

Auf bald!
Euer Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg fährt seit dieser Saison für das französische Werksteam Renault. In seiner SPORT1-Kolumne berichtet er seit Jahresbeginn nach jedem Rennen von der Königsklasse.

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