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Lewis Hamilton bläst der Wind momentan heftig ins Gesicht
Lewis Hamilton bläst der Wind momentan heftig ins Gesicht © Getty Images
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München und Schanghai - Titelverteidiger Lewis Hamilton fährt bislang in der Formel 1 nur hinterher. Aber warum? Es scheint, als ob nicht mal er selbst genau weiß, woran es liegt.

Was ist bloß mit Lewis Hamilton los?

Die schillerndste Figur im Formel-1-Zirkus wirkt derzeit wie eine graue Maus.

Beim Großen Preis von China  erlebte der viermalige Weltmeister und aktuelle Champion den vorläufigen Tiefpunkt dieser Saison. 

Im Qualifying von Ferrari gedemütigt, im Rennen von seinem Teamkollegen Valtteri Bottas distanziert - am Ende stand nur Platz vier für den Mercedes-Piloten. Für den erfolgsverwöhnten Briten eine Katastrophe. Oder wie er es selbst ausdrückte, "ein desaströses Wochenende". (Die Stimmen zum China-GP)

Hamilton wird vorgeführt

Im entscheidenden Zeittraining von Schanghai verlor er mehr als eine halbe Sekunde auf Sebastian Vettel, im Rennen ließ er sich schon kurz nach dem Start von Max Verstappen im Red Bull abkochen. (Das Rennergebnis des China-GP)

Doch woran liegt es, dass Hamilton weder im Rennen noch in der Qualifikation, seiner einstigen Paradedisziplin, nicht mehr mit den Schnellsten mithalten kann? 

"Meine Performance war schockierend", sagte der 33-Jährige. Das liege aber nicht allein an ihm, sondern auch an seinem Silberpfeil: "Ich hatte Probleme mit dem Auto, von denen ich mich nicht mehr erholt habe." Während des Rennens habe er sich im "Niemandsland" gefühlt: "Ich hatte keine Pace."

Wolff kritisiert Hamilton

Aber auch er selbst musste sich einiges an Kritik gefallen lassen. Er rufe derzeit nicht sein komplettes Leistungsvermögen ab, behauptete beispielsweise Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Ungewöhnlich offen kritisierte der Österreicher seinen Star-Piloten. "Er war, wie das Auto, vielleicht nicht auf der Höhe", sagte Wolff und fügte hinzu: "Ich bin überzeugt, dass er der Beste ist, aber selbst die Besten haben Tage, an denen es nicht so gut läuft."

Dass Hamilton nicht auf der Höhe ist, könnte auch damit zu tun haben, dass er sich zunehmend Gedanken über seine Zukunft macht. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Ferrari und Red Bull, wurde ihm jüngst von Ex-Champion Damon Hill nahegelegt, sich eine langfristige Vertragsverlängerung bei Mercedes genau zu überlegen.

Auch in Schanghai war das Team nicht frei von Fehlern und hat dem Briten durch einen Strategiefehler möglicherweise einen Podestplatz geraubt. Während der Safety-Car-Phase hatte es ihn im Gegensatz zu Red Bull nicht an die Box geholt und ihn mit frischen Soft-Reifen wieder auf die Strecke geschickt.

Rosberg: "Ein komplett ratloser Hamilton"

Doch der allgemeine Eindruck bleibt, dass der so extrovertierte Engländer im Moment eher lustlos durch die Kurven fährt. Das ist auch seinem ehemaligen Rivalen Nico Rosberg aufgefallen, der ihn schon seit der gemeinsamen Kindheit kennt. (SERVICE: Die Fahrerwertung)

"Da ist ein komplett ratloser Lewis Hamilton, der dann auch in bisschen die Motivation verliert, wenn er spürt, dass es einfach nicht läuft", sagte Rosberg als TV-Experte bei RTL: "Er hat immer schon so Phasen gehabt."

So gesehen sei es für Vettel umso ärgerlicher gewesen, dass er aus der Schwäche des Konkurrenten keinen weiteren Nutzen ziehen konnte und sein Vorsprung auf Hamilton stattdessen wegen der Kollision mit Verstappen sogar noch geschmolzen ist.

Denn aus eigener leidvoller Erfahrung weiß Rosberg: "Lewis kommt zurück, das ist klar. Und wenn er zurückkommt, dann wird es schwer." (SERVICE: Die Teamwertung)

Allerdings hat Hamilton in den vergangenen vier Jahren nur einmal keines der ersten drei Saisonrennen für sich entscheiden können. 2016 feierte er erst im sechsten Anlauf in Monaco seinen ersten Sieg. Für eine erfolgreiche Aufholjagd war das zu spät. 

Am Ende der Saison triumphierte Rosberg.

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