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Formel 1: Sebastian Vettel und Ferrari im WM-Kampf mit Mercedes unter Druck
Sebastian Vettel (l.) und Lewis Hamilton (r.) haben je vier WM-Titel in der Formel 1 gewonnen © Getty Images
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München - Der Ferrari ist zwar das schnellste Auto - doch um den WM-Titel vor Hamilton im Mercedes zu holen, müssen Sebastian Vettel und Ferrari einige Baustellen beheben.

Seit elf Jahren wartet Ferrari jetzt schon auf den nächsten WM-Titel in der Fahrerwertung. Für Ansprüche und Möglichkeiten der Scuderia viel zu lange. In diesem Jahr soll Sebastian Vettel endlich die Durststrecke beenden - und die Voraussetzungen dafür sind so gut wie lange nicht mehr.

Zwar hat Ferrari auch in den letzten Jahren Mercedes lange Zeit Paroli bieten können - doch am Ende ging ihnen stets die Puste aus. Dieses Jahr gehen die Italiener aber erstmals mit dem klar schnelleren Wagen in die Sommerpause. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Dennoch beträgt der Rückstand von Vettel auf WM-Leader Lewis Hamilton 24 Punkte. Das zeigt, dass der Deutsche und Ferrari noch die eine oder andere Baustelle bearbeiten müssen, um am Ende über den Titel jubeln zu können.

Vettel muss seine Fehler abstellen 

Eine Baustelle ist Vettel selbst: An seinem Speed gibt es wenig auszusetzen - doch immer wieder patzt der viermalige Weltmeister in dieser Saison. Die italienischen Gazzetten kreiden ihm sogar vier folgenschwere Fehler an.

Besonders schmerzhaft war jener in Hockenheim, als Vettel auf nasser Fahrbahn den Sieg wegwarf. Es war nicht das erste Mal, dass sein Übermut ihm zum Verhängnis wurde. Auch in Baku verlor er durch ein unnötig riskantes Manöver wertvolle Punkte.

Sein Ex-Teamchef bei Red Bull, Christian Horner, vermutet, dass der Erfolgsdruck bei Ferrari daran schuld ist: "Vielleicht ist der Druck ein anderer (im Vergleich zu Red Bull, Anm. d. Red.). Man kann sehen, dass er den Druck mit sich herumträgt. Er ist ein Fels in dem Team."

Sein Rivale Hamilton lässt es zwar gerne abseits der Strecke krachen, behält während der Rennen aber stets einen kühlen Kopf - von ein paar wütenden Funksprüchen abgesehen. In der zweiten Hälfte muss das auch Vettel tun und Risiko und Ertrag vor Attacken besser abwägen.

Team leistet sich zu viele Taktik-Patzer 

Doch nicht nur Vettel, auch sein Team muss die Fehler auf ein Minimum reduzieren. Zweimal verzockte sich Ferrari mit der Strategie, zweimal kostete Vettel ein Boxenstopp entscheidende Zeit und Plätze. (DATENCENTER: Die Teamwertung der Formel 1)

Zweifelsohne agierte auch Mercedes in dem packenden WM-Kampf nicht immer fehlerfrei - doch stellt man die Fehler von Vettel und Ferrari denen von Hamilton und Mercedes gegenüber, wird klar, was der Hauptgrund für Vettels Rückstand ist.

Mit lediglich 24 Punkten ist dieser aber problemlos aufholbar, da man in dieser Saison nicht nur einen Weltklasse-Fahrer, sondern auch ein titelreifes Auto besitzt.

Ferrari muss Speed-Vorsprung verteidigen

Der größte Trumpf ist dabei die Ferrari-Power auf den Geraden. Jahrelang eine Mercedes-Domäne drehte Ferrari 2018 den Spieß um. Schockiert stellten die Silberpfeile fest, dass sie selbst auf der kurzen Geraden in Budapest vier Zehntel auf die roten Flitzer verloren. 

Während die Scuderia in den letzten Jahren stets mit Bangen auf die Post-Sommerpause-Rennen blickte, freuen sich Vettel und das Team diesmal auf die Power-Strecken in Spa und Monza. (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1)

"Letztes Jahr sind wir in der zweiten Saisonhälfte ein bisschen zurückgefallen und hatten nicht den Speed. Es haben mehrere Zehntel gefehlt. Jetzt wissen wir, dass das Auto noch Ausbaupotential hat und noch schneller werden kann. Deswegen mache ich mir keine Sorgen", sagte Vettel.

Doch Mercedes hat bereits angekündigt, in Kürze Motoren-Updates an den Start zu bringen. Für Ferrari wird es daher wichtig sein, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen und den Vorsprung mit eigenen Updates zu verteidigen.

Harter Qualifying-Kampf mit Mercedes

Den Ausschlag im WM-Kampf könnten aber die Qualifyings geben. Auch dies war in den letzten Jahren Mercedes-Territorium und sorgte dafür, dass die Silberpfeile in der zweiten Saisonhälfte davonziehen konnten.

In diesem Jahr wechselte der Vorteil hin und her. Zuletzt sah es aber wieder so aus, als ob Ferrari auch auf einer Runde die Nase vorn hat. "Die letzten Rennen waren wir im Qualifying-Trimm etwas stärker. Es war wichtig, dass wir wieder zu der Stärke zurückzukommen, die wir Anfang des Jahres schon hatten", zeigte sich Vettel erleichtert. 

Behält Ferrari in diesem Kampf die Oberhand und reduzieren Vettel und sein Team die Fehler auf ein Minimum, könnte sich der WM-Traum von Vettel und Ferrari tatsächlich erfüllen.

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