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Sebastian Vettel erlebte einmal mehr eine enttäuschende Saison in der Formel 1
Sebastian Vettel erlebt 2018 einmal mehr eine enttäuschende Saison © Getty Images
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München - Sebastian Vettel blickt in eine ungewisse Zukunft. Die Risse in der einst perfekten Beziehung mit Ferrari werden größer - eine vorzeitige Trennung ist denkbar.

Das Urteil der italienischen Presse nach Sebastian Vettels enttäuschendem Saisonendspurt mit Ferrari war erbarmungslos: Er sei ein "schwächlicher Pilot, der aus seinen Fehlern nichts lernt", hieß es in der Gazzetta dello Sport. Nach dem vielversprechenden Saisonauftakt liege die Scuderia inzwischen "in Trümmern".

Tatsächlich: Bis zur Sommerpause hatte es so ausgesehen, als habe Ferrari Mercedes nach jahrelanger Unterlegenheit endlich überflügelt und wäre reif für den ersten Titel seit 2007.

Doch anschließend unterliefen Vettel und seinem Team Fehler um Fehler. Den Silberpfeilen um Lewis Hamilton wurde der WM-Titel quasi auf dem Silbertablett angeboten. Der Brite griff dankbar zu, feierte in Mexiko seinen fünften Titel und überholte damit nicht nur Vettel, sondern stieg auch endgültig in den Formel-1-Olymp auf.

Vettel will 2019 mit Ferrari angreifen

Hamilton im Himmel, Vettel am Boden. Wie soll es jetzt mit dem einstigen Wunderkind, das sich 2010 mit 23 Jahren zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte krönte, weiter gehen?

Vettel stellte schon nach dem USA-GP klar, dass er gewillt ist, die "Trümmer" der zu Ende gehenden Saison zusammenzukehren und 2019 einen neuen Anlauf auf die Krone zu starten.

"Ich bin Teil dieses Teams. Der Geist dieser Mannschaft ist ungebrochen", hielt der Deutsche zuletzt demonstrativ fest und beteuerte weiter: "Es ist ja kein fundamentales Problem. Am Ende sieht es deutlich schlechter aus, als es war. Ich denke, dass wir das Potenzial haben. Wir müssen weiter wachsen und lernen. Es gibt eine Menge Sachen, die wir alle und ich selbst im Winter überprüfen sollten."

Supertalent Leclerc fordert Vettel heraus

Am Ende dieser Überprüfungen könnten jede Menge Veränderungen stehen. Ein Personalwechsel ist für die kommende Saison schon fix: Im Cockpit neben Vettel wird Supertalent Charles Leclerc Kimi Räikkönen ersetzen.

Der Monegasse ist Ferraris Goldjunge, wurde seit Jahren über das Förderprogramm der Scuderia an diese Aufgabe herangeführt - und soll perspektivisch wohl auch einmal das Erbe des Heppenheimers antreten.

Aber auch schon in seiner Debüt-Saison will sich der 20-Jährige nicht nur mit der Helfer-Rolle begnügen: "Nein, nein, überhaupt nicht", antwortete Leclerc nach der Bekanntgabe seines Wechsels auf die Frage, ob sein Vertrag bei Ferrari eine entsprechende Klausel beinhalte.

Statt des "Iceman" Räikkönen wird Vettel ab der kommenden Saison also einen hungrigen Shootingstar zur Seite haben, der kaum ein Risiko scheuen dürfte. Das Konfliktpotenzial ist offensichtlich. Auch Vettel selbst erwartet einen jungen erfolgshungrigen Teamkollegen. "Ich bin mir sicher, dass er mich schlagen will, und ich will ihn auch schlagen", sagte der viermalige Weltmeister bei Motorsport-Total.com.

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Auch Zukunft von Arrivabene ungewiss

Die Personaldiskussion bei Ferrari wird sich nach der enttäuschenden Saison aber nicht nur auf das Fahrer-Duo beschränken. Auch Teamchef Maurizio Arrivabene wackelt. Der 61-Jährige, der bei seinem Amtsantritt vor vier Jahren noch vielversprechende Prozesse bei den Roten anstieß, reibt sich in dieser Saison zunehmend an Technikchef Mattia Binotto.

Dieser soll seinerseits Ambitionen in Sachen Teamchef angemeldet haben. Ein Machtkampf ist entbrannt und hemmt die Weiterentwicklung der Scuderia.

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Unklare Zukunft und undurchsichtige Vertragssituation

Und auch die Zukunft von Vettel ist - trotz Vertrages bis 2020 - unklar. Denn wie die Gazzetta dello Sport erst kürzlich berichtete, soll die Scuderia den Vertrag dank einer geheimen Ausstiegsklausel bereits nach der Saison 2019 auflösen können. Laut dem Bericht ist man bei den Italienern nicht zufrieden mit den jüngsten Leistungen des Deutschen. 

Dass Ferrari von der Option Gebrauch macht, gilt dennoch als äußerst unwahrscheinlich. Zudem soll diese laut der Bild beiderseitig sein - dann könnte auch Vettel den Vertrag kündigen. Möglich ist, dass er auf ein frei werdendes Cockpit bei Mercedes schielt. Auch eine Rückkehr zu Red Bull scheint denkbar.

Eine Situation, die bei der Vertragsverlängerung im vergangenen Jahr noch praktisch unmöglich war. "Ich liebe das Team, ich liebe diese große Marke. Ferrari ist einzigartig. Ferrari hat etwas, was andere Teams nicht haben", hatte Vettel geschwärmt. Dazu hatte Maurizio Arrivabene erst vor kurzem erklärt, dass er fest an einen Titel des Deutschen im Ferrari glaube.

Ferrari muss technische Probleme in den Griff bekommen

Doch die letzten Ergebnisse haben für tiefe Risse in der einst so perfekten Beziehung gesorgt. Neben den oftmals selbst verschuldeten Unfällen von Vettel baute auch dessen Bolide mit zunehmender Saisondauer immer weiter ab.

Zeitweise war der Motor des SF71H bereits der Beste, das Update-Paket nach der Sommerpause machte das Auto allerdings eher schlechter als besser und musste sogar wieder zurückgenommen werden.

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Um in der neuen Saison wieder ganz vorne angreifen zu können, müssen sie bei Ferrari ganze Arbeit leisten. "Wir müssen jetzt die richtigen Schlüsse ziehen. Wir sind ein sehr talentiertes und begabtes Team, haben viel Potenzial. Einiges davon muss noch freigesetzt werden, aber alle kämpfen hart dafür", sagte Vettel.

Eine weitere Saison wie die aktuelle können sich weder Ferrari noch Vettel leisten.

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