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München und Spielberg - Max Verstappen gewinnt den Österreich-GP dank eines riskanten Manövers gegen Leclerc. Selbst Ferrari kann damit leben und fordert von den Formel-1-Bossen mehr Racing.

Mercedes chancenlos, Ferrari das stärkste Team - und ein knallharter Fight bis zur letzten Runde um den Sieg.

Was noch vor einer Woche nach dem Langweiler-Grand-Prix in Frankreich unvorstellbar schien, ist nun urplötzlich Realität geworden.

Der Große Preis von Österreich war ein Spektakel, nach dem sich Fans und Fahrer gleichermaßen gesehnt haben. Und er hatte einen verdienten Sieger. (Das Ergebnis des Österreich-GP)

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Verstappen muss lange um Sieg bangen

Max Verstappen demonstrierte auf dem Red-Bull-Ring eindrucksvoll, warum er als zukünftiger Weltmeister gehandelt wird. Trotz oder gerade wegen seiner riskanten Fahrweise, die ihm schon den einen oder anderen Rüffel einbrachte - und ihn auch in Spielberg lange um den Sieg bangen ließ.

Denn erst nach dreieinhalb Stunden konnten sich die Rennkommissare zu der Entscheidung durchringen, keine Strafe gegen den 21 Jahre jungen Niederländer auszusprechen.

In einem beinharten Rad-an-Rad-Duell kurz vor dem Ziel hatte er seinen gleichaltrigen Rivalen Charles Leclerc nach außen gedrängt und sich so vor dem Ferrari-Piloten behauptet.

"Insgesamt kommen wir bei der Szene zu dem Schluss, dass kein Fahrer ganz oder mehrheitlich verantwortlich für den Zwischenfall war. Deshalb werten wir es als einen Rennzwischenfall", hieß es in der offiziellen Begründung.

Verstappen: "Das ist Racing"

Bei Verstappen hörte sich das schon kurz nach Rennende kurz und knapp so an: "Aus meiner Sicht ist das Racing, hartes Racing." Das sei doch besser als langweilig hintereinander herzufahren, fügte der Red-Bull-Pilot an, der beim Heimspiel seines Teams wieder einmal von einer ganzen Heerschar niederländischer Fans in Oranje gefeiert wurde. (Die Stimmen zum Österreich-GP)

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Bei Ferrari löste die Entscheidung gemischte Gefühle aus. Leclerc hatte sich schon per Funk bitter beschwert und hätte sich auch nach dem Rennen eine Strafe gegen Verstappen gewünscht. "Ich konnte gar nichts machen. Für mich ist die Sache klar", sagte der junge Monegasse, sprach aber auch von einem miesen Gefühl, "dass die Entscheidung am Grünen Tisch fällt".

Pikant: Erst vor drei Wochen war sein Teamkollege Sebastian Vettel noch der Verlierer am Grünen Tisch gewesen. In Montreal wurde er für sein Manöver gegen Lewis Hamilton mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt, die ihn den Sieg kostete.

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Ferrari verzichtet auf Protest

Einen Protest gegen die Entscheidung gegen Leclerc hat Ferrari aber schon kurz nach dem Urteil ausgeschlossen. Teamchef Mattia Binotto gratulierte Verstappen sogar zu einem "fantastischen Rennen". (Rennkalender)

Auch Vettel, der sich schon lange für härteres Racing einsetzt, kann mit der Entscheidung gut leben. "Es geht ja nicht um die Goldene Ananas, sondern da dürfen auch schon mal die Ellenbogen etwas ausgefahren werden. Das ist Racing", schlug sich Vettel auf die Seite von Verstappen: "Ich bin kein Freund davon, diese Dinge irgendwo auf einem Stuhl entscheiden zu lassen. Wir Fahrer können das selbst regeln, Das ist kein Kindergarten-Cup", ergänzte er im britischen TV.

Binotto fordert Änderungen

Binotto nahm die Entscheidung sogar zum Anlass, um einen grundsätzlichen Appell an die Regelhüter der Formel 1 zu richten.

"Es ist an der Zeit, etwas zu verändern und nach vorne zu schauen, was zukünftige Rennunfälle betrifft", forderte der Italiener. "Wir haben schon oft gesagt, dass wir die Fahrer kämpfen lassen sollten."

So waghalsig die Attacke von Verstappen auch war: Sie hat offensichtlich Fahrern und Teams die Augen dafür geöffnet, dass die Formel 1 nur dank solcher Aktionen eine Zukunft hat.

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