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München - Eine Fünf-Sekunden-Strafe bringt Sebastian Vettel um den Sieg in Montreal - und löst heftige Reaktionen aus. SPORT1 hat die Fragen und Antworten dazu.

Es ist die am heißesten diskutierte Szene dieser Formel-1-Saison.

Sebastian Vettel soll in Montreal Lewis Hamilton regelwidrig abgedrängt haben, nachdem er nach einem Fahrfehler wieder auf die Strecke zurückkehrte.

SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen rund um dieses Manöver, das den Deutschen den ersten Grand-Prix-Sieg in dieser Saison gekostet hat. (Service: WM-Stand der Formel 1 im SPORT1-Datencenter)

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Was ist passiert?

In Runde 48 kommt Sebastian Vettel nach einem Fahrfehler von der Strecke ab, rutscht mit 150 km/h über das Gras und fährt dann wieder auf die Strecke zurück, nimmt dabei aber die gesamte Fahrbahn in Anspruch.

Da der hinter ihm fahrende Lewis Hamilton wegen dieser Aktion abbremsen und auf den rechten Streckenrand ausweichen muss, wird Vettel mit einer Fünf-Sekunden-Strafe belegt. Er fährt zwar als Erster über die Ziellinie, hat dabei aber weniger als fünf Sekunden Vorsprung auf Hamilton und verliert damit Platz eins an den Briten.

Nach dem Rennen kündigte Ferrari Protest gegen die Wertung des Endergebnisses an.

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Hat der Einspruch von Ferrari Aussichten auf Erfolg?

Wahrscheinlich nicht. In den Formel-1-Statuten ist die Anfechtung einer Fünf-Sekunden-Strafe nicht einmal vorgesehen.

Vollkommen aussichtslos ist das Unterfangen der Scuderia allerdings nicht. Denn nach Artikel 38.1. des Sportlichen Reglements ist es zumindest erlaubt, den Zwischenfall an sich anzufechten. Ferrari muss also beweisen, dass Vettel die Strecke nicht auf unsichere Weise wieder befahren und Hamilton abgedrängt hätte.

Die Scuderia hat 96 Stunden Zeit, ihre Ankündigung wahr zu machen und offiziell Protest einzureichen. In dieser Zeit muss sie genügend Beweismaterial sammeln, das Vettel entlasten könnte.

Hätte Vettel sich anders verhalten können?

Das ist die schwierigste Frage des ganzen Komplexes.

Theoretisch hätte es für ihn die Möglichkeit gegeben, bei der Rückkehr auf die Strecke darauf zu achten, auf der linken Seite zu fahren. So wäre er sicher auf den Kurs zurückgekehrt und hätte Hamilton auch nicht behindert.

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Er und Ferrari argumentieren jedoch, dass er durch seinen Ausrutscher ins Gras gar keine Möglichkeit gehabt habe, kontrolliert auf die Strecke zurückzufahren.

Er habe in diesem Moment nicht sehen können, was hinter ihm passiert, beteuert Vettel. Er dürfte allerdings darauf geachtet haben, vor Hamilton zu bleiben. Alles andere würde gegen seine Natur als Rennfahrer sprechen.

Was sagen die Beteiligten?

Vettel war noch im Cockpit während des Rennens stinksauer über die Entscheidung. Man habe ihnen das Rennen gestohlen, fluchte er. "Wo zur Hölle soll ich hin?" (Die Stimmen zum Grand-Prix von Kanada)

Auch nach dem Rennen war er nur schwer zu beruhigen: "Zeigt mir mal den Fahrer, der vielleicht nur mit einer Hand durchs Gras fahren kann, gleichzeitig in den Spiegel schaut und noch dazu am Funk spricht. Ich kriege das nicht hin, sorry."

Hamilton sagte zwar, er hätte lieber auf der Strecke gewonnen, verteidigte aber die Entscheidung der Stewards: "Die Regel ist, dass du Platz lassen musst, wenn du auf die Strecke zurückfährst. Er hat die Tür zugemacht und ich musste einen Unfall vermeiden."

Nachdem er sich die Zeitlupe noch einmal angeschaut hatte, gab er jedoch zu: "Wenn ich in Führung gelegen hätte, hätte ich womöglich genauso gehandelt wie Vettel. Es passierte so schnell, du willst einfach nur deine Position halten."

Was sagen die Experten?

Vor allem die ehemaligen britischen Rennfahrer stützen Vettels Sicht der Dinge. "Ihm ist das Heck ausgebrochen und er ist zurück auf die Strecke gekommen. Meines Erachtens verdient das keine Strafe", sagte Jenson Button.

Deutlicher wurde Nigel Mansell. "Das ist eine lächerliche 5-Sekunden-Strafe. Seb hat gute Arbeit geleistet, nicht in die Mauer einzuschlagen. KEIN GRIP AUF DEM GRAS!", twitterte der Weltmeister von 1992. Selbst Vettels alter Rivale Mark Webber schlug sich auf die Seite des Deutschen und attackierte die Rennleitung, indem er fragte: "Hat irgendeiner von den Stewards jemals ein Rennen in der Formel 1 angeführt?"

Der deutsche Ex-Rennfahrer Christian Danner sieht es ein wenig anders. "Die Entscheidung der Stewards ist natürlich umstritten. Aber: Wenn man einen Grand-Prix gewinnen will, muss man ohne Fehler durchfahren", sagte der RTL-Experte. "Seb hätte sich das alles ersparen können, wenn er den Fehler nicht gemacht hätte."

Die SPORT1-User sind übrigens klar der Meinung, dass die Strafe ungerechtfertigt ist. 82 Prozent waren bis Montagmittag der Meinung, dass er sich korrekt verhalten habe.

Drohen Vettel weitere Konsequenzen?

Das ist durchaus möglich. Denn auch nach Rennende sorgte er für Aufsehen. Zunächst parkte er sein Auto nicht - wie vorgeschrieben - im Parc fermé. Dort nahm er dann auch noch das Schild mit der Nummer eins von Hamiltons Auto weg und stellte es an die Stelle, wo eigentlich sein Ferrari hätte stehen sollen.

Beides ist mit seinen Emotionen zwar erklärbar, aber eben auch strafbar. Dennoch ist nicht mit einer harten Sanktion zu rechnen. Wenn er überhaupt bestraft wird, sollte er mit einer symbolischen Strafe wie gemeinnütziger Arbeit davonkommen.

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