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München - Beim Team Haas geht es drunter und drüber. Zu sportlichen Misserfolgen kommen eine Sponsoren-Posse, ein Teilbesitzer mit Porno-Vergangenheit und ein fluchender Teamchef.

So schlecht war das Haas F1 Team noch nie, seit es 2016 in de Formel 1 gekommen ist. 

Um dies zu belegen, genügt ein Blick in die Statistik. Nach zehn Saisonrennen haben die beiden Fahrer Kevin Magnussen (14) und Romain Grosjean (2) gerade einmal 16 Punkte für ihr Team aus den USA eingefahren.

Und das nach einem Jahr, das Hoffnung auf mehr aufkommen ließ. 2018 beendete Haas auf Platz fünf der Teamwertung, Magnussen wurde mit 56 Punkten Neunter in der Fahrerwertung und Grosjean erreichte mit dem vierten Platz in Österreich das bis dahin beste Ergebnis des Haas-Teams (DATENCENTER: Die Fahrerwertung).

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In dieser Saison ist Platz sechs von Magnussen beim Saisonstart in Australien das bislang beste Ergebnis, der erfahrene Franzose Grosjean kam gar nur bei fünf Rennen ins Ziel. Noch schlimmer: Haas entwickelt sich mit vielen Eskapaden auf und abseits der Rennstrecken mehr und mehr zur größten Chaos-Truppe der Formel 1.

Crash zwischen Magnussen und Grosjean 

Das jüngste Debakel erlebte Haas am vergangenen Wochenende beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone. Magnussen und Grosjean beförderten sich nach einem Zusammenstoß in der erst fünften Kurve gegenseitig in den verfrühten Feierabend. Mit Reifenschäden fuhren die beiden Piloten zwar noch einmal an die Box und setzten das Rennen fort, später aber war das Rennen für beide beendet.

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Es war nicht nicht das erste Mal in dieser Saison, dass sich Magnussen und Grosjean in die Haare gerieten. Beim Großen Preis von Spanien musste Grosjean nach dem Re-Start zwei Mal eine drohende Kollision mit Magnussen in einer Kurve verhindern und wich jeweils in die Ausweichzone aus.

Steiner nimmt Piloten in die Pflicht

Dadurch verlor sein Reifen Temperatur und er dadurch zwei Plätze. Statt zehn Punkten standen am Ende nur deren sieben für Haas auf der Habenseite - besonders bitter wenn man bedenkt, dass in der Formel 1 jeder Punkt auch ein stattliches Preisgeld bedeutet.

Teamchef Günther Steiner nahm beide Piloten nach dem Rennen 15 Minuten lang in die Pflicht und forderte sie auf, solche Scharmützel in Zukunft zu unterlassen - mit scheinbar wenig Erfolg.

Teamchef kündigt Konsequenzen an

Nach dem Crash in Silverstone platzte dem Südtiroler dann endgültig der Kragen. "Jetzt sind beide in Schwierigkeiten. Das ist inakzeptabel, was hier passiert ist. Ich bin ihnen gegenüber nach Barcelona sehr deutlich gewesen. Jeder arbeitet wie verrückt und dann fahren sie sich in Kurve 5 ins Auto. Inakzeptabel", ärgerte sich Steiner.

Neben den sportlichen Misserfolgen kam vor dem Rennen in Silverstone auch noch eine veritable Sponsoren-Posse dazu. Haupt-Geldgeber Rich Energy kündigte nach dem blamablen Abschneiden in Österreich (Plätze 16 und 19) den laufenden Vertrag. Dies geschah pikanterweise nicht nach einem Gespräch, sondern via Twitter in Öffentlichkeit.

Ebenfalls via Twitter machte sich der Sponsor über den Startcrash in Silverstone lustig, der Formel-1-Bolide wurde kurzerhand in einen Milchtruck mit Haas-Logo umgestaltet.

Storey macht sich über Haas lustig

Die Tweets stammen offenbar von Rich-Energy-CEO William Storey, der den Account zu kontrollieren scheint.

In der Vorstandsetage des Energydrink-Herstellers geht es offenbar drunter und drüber, die Investoren versuchen Storey die Kontrolle über die Firma zu entziehen. "Das Team, das übernehmen möchte, will (mit Haas, Anm. d. Red.) weitermachen", sagte Steiner. Es werde sich "in den nächsten Wochen" klären, "wie und ob wir mit ihnen weitermachen." Zunächst müsse Storey allerdings als CEO abgesetzt werden, der Rechtsstreit läuft.

Sollte die Kündigung Bestand haben, will Haas den Sponsor auf 35 Millionen Euro Schadenersatz verklagen. "Das erstmögliche Datum, an dem Rich Energy den Sponsorenvertrag rechtlich beenden darf, ist der 1. Dezember 2022", schrieb Haas in einem Statement der Aktiengesellschaft.

In einer Unternehmensmitteilung gab Rich Energy anschließend bekannt, dass die Kündigung per Twitter eine "außer Kontrolle geratene Aktion eines Einzelnen" gewesen sei - aller Voraussicht nach von Geschäftsführer Storey, einem der schrägsten Vögel der Formel 1.

William Storey ist Geschäftsführer des Haas-Sponsors Rich Energy
William Storey ist Geschäftsführer des Haas-Sponsors Rich Energy © Getty Images

Der Mann mit der Zottelmähne und dem mächtigen Rauschebart ist zusammen mit David Sullivan Besitzer des britischen Energy-Drink-Herstellers. Sie sorgen seit ihrem finanziellen Einstieg bei Haas immer wieder für Aufsehen. 

Teilbesitzer wurde mit Pornos reich

Sullivan ist zwar Sportunternehmer, hat seinen Erfolg jedoch dem Pornogeschäft zu verdanken. 

In den 70er Jahren kontrollierte er nahezu die Hälfte des Marktes für Erotik-Magazine, im Alter von 25 Jahren war er Besitzer von 150 Erotik-Shops und durfte sich bereits Millionär nennen. Sein geschätztes Vermögen liegt heute bei 1,2 Milliarden Euro.

Lange gab es in der Formel 1 Gerüchte, dass Rich Energy den insolventen Rennstall Force India übernehmen werde. Der Deal platzte jedoch in letzter Sekunde, weil der Konkursverwalter das Angebot ablehnte und "Rich Energy" als "nicht seriös genug" ansah.

Fluchender Teamchef

Zu allem Überfluss machte zuletzt auch noch Teamchef Steiner selbst mit seinen Auftritten in der Netflix-Dokuserie "Formula One: Drive to Survive" Schlagzeilen. Die Serie gab einen Einblick hinter die Kulissen der Formel 1. Einer ihrer Protagonisten war eben Steiner.

Dieser fiel darin immer wieder durch Flüche und Kraftausdrücke am Kommandostand, am Funk oder auch bei einem Telefonat mit Teambesitzer Gene Haas auf. 

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Bei vielen Fans wurde Steiner dadurch zwar zu einem Publikumsliebling der Serie, Fahrer und Mitarbeiter des Teams dürften da wohl etwas anderer Meinung sein. Mittlerweile gibt es bei Twitter sogar Parodie-Accounts, der bekannteste namens "BanterSteiner" (deutsch: Frotzelnder Schneider) hat bereits fast 30.000 Follower.

Steiner rechtfertigte seine Ausbrüche damit, dass diese natürlichen Reaktionen und emotionalen Ausbrüche die wahre Seite der Formel 1 zeigen würden. Sie passen derzeit aber auch perfekt zum chaotischen Image, das das Team in dieser Saison abgibt.

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