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München - In der Formel 1 laufen heiße Gerüchte um die Zukunft von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Steigen nun Sebastian Vettels Chancen für einen Wechsel zu den Silberpfeilen?

Die Gemengelage rund um Mercedes und die weitere Ausrichtung des Weltkonzerns in der Formel 1 ist derzeit sehr undurchsichtig. Daher wird auch Sebastian Vettel das Geschehen ganz genau verfolgen, könnte seine persönliche Formel-1-Zukunft doch davon abhängen.

Von Konzernseite wird bestätigt, dass an einen Ausstieg aus der Formel 1 nicht gedacht wird. Wie der Verbleib in der Königsklasse aber in naher Zukunft aussehen wird, darüber gibt es derzeit nur viele Spekulationen. Ob als Mehrheitsanteilseigner von Aston Martin, das die Rolle des Mercedes-Werksteams übernehmen könnte? Oder in der jetzigen Form als hauseigenes Werksteam? Wer weiß.

Die Coronakrise hat auch den Stern voll erwischt. Der Aktienwert ist in den Keller gerauscht, die Absatzzahlen ebenso. Drohen Massenentlassungen, macht sich ein sündhaft teures Engagement im Motorsport nicht gut und würde hausintern für gewaltigen Zündstoff sorgen.

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Als Techniklieferant und Anteilseigner einen Fuß drin zu behalten, ergibt da durchaus Sinn. Will Toto Wolff dann unter diesen Rahmenbedingungen seine Rolle behalten?

Fakt ist: Er konnte in den vergangenen Jahren aus dem Vollen schöpfen, die Sieges- und Titelserien haben einen Standard-Erfolgsanspruch kreiert, der unter veränderten Rahmenbedingungen wohl nicht mehr in dieser Form zu halten sein wird.

Wolff prägte das Mercedes-Überteam

Die aktuelle Aussage eines Unternehmenssprechers laut dpa, dass Wolff über das Ende der Saison 2020 hinaus Teamchef bleiben wird, ist überraschend. Wolffs Vertrag läuft Ende der Saison aus. Er macht den Job schon etliche Jahre - was hat er zu gewinnen?

Er ist der Mastermind der Mercedes-Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre in der Formel 1. Ein Verlust der Dominanz, das Backen kleinerer Brötchen, kann nicht sein Ziel sein. Unter veränderten Voraussetzungen etwas Neues zu schaffen, kann aber durchaus auch einen eigenen Reiz und Charme haben.

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Toto Wolff ist ein klar strukturiert denkender, sehr intelligenter Manager mit der Fähigkeit, Entwicklungen vorherzusehen und die entsprechenden Entscheidungen dafür zu treffen. Sieht er auch für die Zukunft eine erfolgversprechende Basis für ein wie auch immer geartetes Team, das er führen soll, ist ein Verbleib vorstellbar.

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Nach SPORT1-Informationen ist eine Rolle als eine Art Supervisor angedacht. Aktuell gehören Wolff 30 Prozent des Werksteams. Gemeinsam mit seinem Freund, dem kanadischen Millionär Lawrence Stroll, könnte der Österreicher noch mehr Anteile vom Daimler-Konzern übernehmen und damit faktisch der Eigentümer des Formel-1-Teams werden. An diesem Punkt wird es für Sebastian Vettel interessant.

Vettel und Wolff mit Sympathien

Für Vettels Ambitionen, bei Mercedes unterzukommen, ist die momentane Lage sicher nicht förderlich. Erst wenn die Entscheidung über die Zukunft von Mercedes in der Formel 1 vom Vorstand abgesegnet wird, ist absehbar, wohin das Schiff segelt.

Ob es dann an Bord eine Verwendung für den viermaligen Weltmeister gibt, bleibt abzuwarten. Dass Wolff Sympathien für Vettel hegt, ist kein Geheimnis. Immerhin äußerte er sich in den vergangenen Wochen immer wieder positiv über den viermaligen Weltmeister.

"Beim Blick in die Zukunft sind wir natürlich zunächst einmal unseren derzeitigen Fahrern gegenüber zu Loyalität verpflichtet. Aber kein gutes Team wird es einfach ignorieren, wenn ein viermaliger Weltmeister plötzlich auf dem Transfermarkt auftaucht", sagte Wolff der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

So könnte Vettel im Mercedes landen

Im ORF legte der 48-Jährige noch mal nach: "Für uns stellt sich die Frage, was wir mit George Russell machen. Das ist eine Option. Dann kommt auch eine Sebastian-Vettel-Variante dazu." Dazu wäre Vettels Gehalt mit Aston Martin und den Stroll-Millionen im Rücken zu stemmen. Auch für Mercedes wäre ein solcher Deal in Coronazeiten dann kein Imageverlust.

Der Bedeutung eines deutschen Topfahrers in einem deutschen Cockpit ist sich der Österreicher bewusst. "Aus deutscher Sicht wäre das eine tolle Sache", ließ er sich bereits kurz nach Vettels Ankündigung, Ferrari nach dieser Saison verlassen zu wollen, entlocken. Als Boss könnte Wolff den Deal durchsetzen.

Dennoch ist bisher nur eines sicher: Vettel hat das nicht selbst im Griff.

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