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München - Bei Ferrari läuft auch beim zweiten Qualifying 2020 vieles schief. Sebastian Vettel hadert mit der Abstimmung, Charles Leclerc sieht eine Teilschuld bei sich.

Ist der Ferrari unfahrbar?

So weit wollte Charles Leclerc nach dem Qualifying im österreichischen Spielberg dann doch nicht gehen. (Formel 1: Großer Preis der Steiermark am Sonntag ab 15.10 Uhr im LIVETICKER)

"Uns war klar, dass wir uns hier in einer schwierigen Situation wiederfinden würden. Es wäre jedoch zu viel, wenn jemand behauptet, das Auto sei unfahrbar", verteidige der Monegasse sein Fahrzeug.

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Das ehrt Leclerc, doch bei der durch Starkregen enorm beeinträchtigten Zeitenjagd zum Großen Preis der Steiermark war der Ferrari nicht mehr allzu weit davon entfernt.

Bei nassen Bedingungen schwammen die Roten teilweise mehr über die Piste, als sie fuhren. (Das Qualifying zum Nachlesen im TICKER)

"Wir haben uns unheimlich schwer getan mit dem vielen Wasser auf der Strecke, wir hatten viel Aquaplaning und ich habe das Auto ein paar Mal verloren", sagte auch Sebastian Vettel, der in Q3 sogar einen Dreher hinlegte, dem ORF.

Vettel lässt Leclerc im Qualifying hinter sich

Mit Platz zehn konnte der viermalige Formel-1-Weltmeister in seinem Ferrari - im Vergleich zu seinem Scheitern in Q3 der Quali - zumindest etwas Wiedergutmachung betreiben. Dennoch: Sein Rückstand auf Pole-Setter Lewis Hamilton (Mercedes) betrug in Q3 erschreckende 2,378 Sekunden.

Immerhin konnte Vettel Teamkollege Leclerc hinter sich lassen, der zunächst nur auf Rang elf landete, nach einer Strafversetzung sogar noch auf Rang 14 zurückgestuft wurde, weil er Daniil Kvyat (Toro Rosso) auf einer schnellen Runde behindert hatte.

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Bemerkenswert: Damit geht ein Ferrari hinter einem Williams ins Rennen - und auch ohne die Strafe war Leclerc nur acht Tausendstelsekunden schneller als George Russell im Konkurrenz-Cockpit. Zur Einordnung: 2019 hatte Ferrari noch 503 Punkte mehr als Williams geholt.

"Ein sehr enttäuschender Tag. Wir müssen akzeptieren, dass die Stoppuhr nicht lügt", meinte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto ernüchtert.

Und ergänzte: "Wir waren in zwei Qualifying-Sessions nicht konkurrenzfähig - nicht nur gegen die, die in den vergangenen Jahren unsere größten Rivalen waren, sondern auch gegen andere, die bisher allgemein hinter uns waren."

Binotto: "Nicht genug für Team mit Namen Ferrari"

Dabei hatte Ferrari geplante Updates extra vorgezogen und bereits beim zweiten Rennwochenende in Spielberg im Auto untergebracht. (Rennkalender 2020 der Formel 1)

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Doch Binotto musste zugeben, dass diese bisher kaum Wirkung zeigen: "Wir haben hart daran gearbeitet, früher als geplant Updates mitzubringen - aber sie haben auf der Strecke nicht ihren Wert gezeigt. Wir müssen herausfinden, warum das so ist und den Zustand ändern, der einfach nicht genug für ein Team mit dem Namen Ferrari ist."

Vettels ursprüngliche Hoffnung, dass "wir (im Regen, Anm. d. Red.) einen Unterschied machen können" mutierte schnell in die Erkenntnis, dass "unser Auto nicht gut auf Regen abgestimmt war".

Das überraschte, hatten sich schließlich alle anderen Teams an den Wetterprognosen orientiert und auf einen verregneten Samstag eingestellt.

Doch Ferrari hatte sich offenbar wieder einmal vertan. Leclerc haderte zudem damit, dass der Regen ausgerechnet dann zurückkehrte, als er auf den zweiten Reifen-Satz gegangen war. Der Monegasse zeigte sich aber auch selbstkritisch: "Wenn ich mir den Abstand anschaue, waren wir einfach nicht schnell genug. Das überrascht mich schon. Wir haben zu tun. Ich hätte auch besser fahren können."

Leclerc setzt Hoffnung auf trockene Bedingungen

Ferrari bleibt nur die Hoffnung auf ein besser funktionierendes Auto auf trockenem Belag. Dann ist der Ferrari laut Leclerc "ganz angenehm zu fahren".

Doch selbst bei einer Steigerung im Rennen, räumt der 22-Jährige ein, dass der Bolide "auch dann nicht schnell genug ist". Vettel erwartet für das Rennen ebenfalls eine bessere Pace, auch wenn "wir immer noch nicht da sind, wo wir sein wollen."

Schadensbegrenzung heißt daher erneut das Ziel - und falls kein unverhofftes Safety Car zum richtigen Zeitpunkt wie am Auftakt-Wochenende einen der Ferraris nach vorne spült, liegt ein Top-5-Ergebnis kaum in Reichweite.

"Man kann nicht von innerhalb einer Woche einen Quantensprung erwarten. Wir versuchen uns von Rennen zu Renen zu steigern und morgen das Beste daraus machen", sagte Vettel.

Echte Hoffnung auf eine große Aufholjagd hört sich anders an.

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