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Sebastian Vettel startet nur von Platz 14 aus in den Belgien-GP
Sebastian Vettel startet nur von Platz 14 aus in den Belgien-GP © Imago
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München - Statt um die Pole zu kämpfen, ist man bei Ferrari in Spa schon froh, die erste Quali-Runde zu überstehen. Aussagen des Teamchefs deuten schon auf eine Aufgabe hin.

Der 29. August hat in den Annalen der ruhmreichen Scuderia Ferrari einen besonderen Platz.

Just an diesem Tag vor 16 Jahren machte Michael Schumacher seinen siebten und letzten WM-Titel perfekt. 

Die langjährige Erfolgsstory des deutschen Ausnahmefahrers und der italienischen Motorsport-Institution fand in diesen Spätsommertagen 2004 ihren krönenden Abschluss. In Spa reichte Schumacher ein zweiter Platz, um sich vier Rennen vor Saisonende den Titel zu sichern.

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Es gehört zur Tragik dieser Saison bei den Roten, dass ausgerechnet an diesem Jahrestag, am selben Ort in den belgischen Ardennen der Niedergang des ruhmreichen Formel-1-Teams einen neuen Tiefpunkt erfährt. (Rennen, So. ab 15.10 Uhr im LIVETICKER)

Vettel: "Wir haben es in Q2 geschafft"

Wie tief die Traditionsmarke mittlerweile gesunken ist, offenbarte Sebastian Vettels Analyse des Samstags. "Wir haben es mit beiden Autos geschafft", sagte der viermalige Weltmeister bei Sky - und meinte damit den Einzug in den zweiten Qualifikationsabschnitt, an dem nur die fünf langsamsten Fahrer nicht teilnehmen dürfen.

Dass Ferrari diese Runde übersteht, ist eigentlich noch nie eine Erwähnung wert gewesen. Jahrelang nutzte man das Q1 nur zum Einfahren - mit der Gewissheit, dass da sowieso nichts schief gehen konnte. An diesem Samstag in Spa war aber genau das zu befürchten. Ein Ausscheiden schon in der ersten Session.

"Am Vormittag hatte es noch so ausgesehen, als würden wir es nicht in Q2 schaffen", sagte Vettel mit Blick auf seinen letzten Platz im dritten freien Training. "Das ist natürlich kein Erfolg", stellte der bemitleidenswerte Heppenheimer klar, "aber alles, was heute drin war". Am Ende stand für ihn Startplatz 14, eine Position vor ihm wird Teamkollege Charles Leclerc stehen.

Schon am Freitag hatte sich abgezeichnet, dass das Grand-Prix-Wochenende in Spa zu einem Debakel für die Roten werden würde.

Alles zur Formel 1 und zum Motorsport-Wochenende im AvD Motorsport Magazin mit Sophia Flörsch und Monisha Kaltenborn am Montag ab 21.45 Uhr und wöchentlich im TV auf SPORT1 und LIVESTREAM

Sieg von Leclerc ist erst ein Jahr her

Dort wo im vergangenen Jahr Leclerc noch seinen ersten Sieg in der Formel 1 gefeiert hatte, ist die Motorleistung des Ferrari einfach zu schwach. 

Um das Defizit auszugleichen, fuhren Vettel und Leclerc mit sehr flachen Flügeln. Die Folge: Auf den Geraden konnten die Schwächen des Motors damit zwar kaschiert werden. Im kurvenreichen Mittelsektor aber verlor das Duo dafür umso mehr Zeit gegenüber den führenden Mercedes. Vettel beispielsweise war in diesem einen Sektor etwa 1,8 Sekunden langsamer als Lewis Hamilton. Das sind in der Formel 1 Welten!

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Dass der aktuelle Ferrari lahmt wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr, ist offensichtlich. Allein bei der Suche nach den Ursachen tun sich die Protagonisten schwer. "Die Zeit haben wir nicht. Das sprengt die Sendung", sagte Vettel bei RTL auf die Frage wo es bei der Scuderia am meisten hakt. "Wir haben gestern Nacht lange getüftelt. Aber im Moment ist einfach nicht mehr drin."

Diese Auskunft mag zwar stimmen, wirklich erklärbar ist sie aber nicht. Als "erschreckend" bezeichnete Sky-Experte Nick Heidfeld die Situation um Ferrari: "Es kann nicht sein, dass ein Team mit dieser Historie und diesen finanziellen Mitteln so deutlich hinterher fährt." Ralf Schumacher sprach von einer "Katastrophe".

Wolff: "Über diese Entwicklung nicht glücklich"

Selbst Toto Wolff, Motorsportchef des Rivalen Mercedes, macht sich wegen der anhaltenden Krise Sorgen. "Über diese Entwicklung kann natürlich die Formel 1 und wir alle nicht glücklich sein. Ferrari ist ein ikonisches Team", sagte der Österreicher bei Sky.

Einen Hinweis auf die möglichen Gründe der roten Schwäche lieferte Teamchef Mattia Binotto. "Wir investieren in die Zukunft. Wir investieren zuhause im Werk in einen neuen Simulator. Wir investieren auch in das Team. Wir haben alle Ressourcen, um es zu verbessern", sagte der Italiener bei Sky und deutete damit an, dass Ferrari die aktuelle Saison möglicherweise schon abschenkt.

Ob Binotto selbst in diesem Fall aber noch Teil dieser Zukunft sei wird, darf bezweifelt werden.

Der ehemalige Formel-1-Pilot Christian Danner jedenfalls sagt bei RTL schon das große Stühlerücken bei den Roten voraus: "Bei Ferrari wird es das große Köpferollen geben. Denn irgendwann ist Schluss mit lustig. Dann muss was passieren."

So weit ist es aber noch nicht. Erst einmal steht für Vettel und Co. Schadensbegrenzung in Belgien an. Die aber dürfte schwer werden. Vettel will die Hoffnung noch nicht aufgeben und setzt auf den Wettergott: "Wer weiß, ob es regnet."

Immerhin: Die Regenwahrscheinlichkeit für Beginn des Rennens um 15.10 Uhr wird auf 30 bis 50 Prozent beziffert.

  

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