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Silverstone und München - Beim Jubiläums-GP in Silverstone erreicht die Beziehung zwischen Sebastian Vettel und Ferrari einen neuen Tiefpunkt. Ergibt die Zusammenarbeit noch Sinn?

Wird das noch was mit Sebastian Vettel und Ferrari im letzten Jahr der Partnerschaft? 

Während der Deutsche am vergangenen Sonntag nach 17 Sekunden Funkstille noch auf den Ferrari-Boxenfunk reagierte, blieb das Radio aus dem Auto mit der Nummer fünf nach Platz zwölf beim Jubiläums-GP an diesem Sonntag in Silverstone gänzlich stumm. 

Ein zu früher und deshalb unerwünschter Boxenstopp hatte den Deutschen wütend gemacht.

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Vettel zu früh an der Box

Ferrari holte Vettel in Runde 23 zum Reifenwechsel, obwohl der Deutsche das zuvor abgelehnt hatte. Vettel lag zu dem Zeitpunkt bereits auf Rang neun - mit Tendenz nach vorne. Und seine harten Reifen waren noch gut. Die Chance, weitere Positionen gutzumachen. (DATENCENTER: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Das Problem: Hinter ihm drängelte Teamkollege Charles Leclerc auf einer anderen Strategie. Ferraris Taktik hinter dem Zwangs-Stopp war klar. Die Straßenblockade Vettel sollte mit dem Umweg über die Box aus dem Weg geschafft werden. Offener kann die Scuderia nicht zeigen, auf wen sie setzt - und auf wen nicht mehr.

Vettel fiel dadurch wieder aus den Punkterängen und war sauer. "Jetzt hänge ich genau da fest, wo wir nicht hinwollten", funkte er in aller Öffentlichkeit. "Ihr wisst, dass ihr es verbockt habt!"

Binotto gibt Leclerc-Bevorzugung zu

Später erklärte der Heppenheimer bei RTL: "Ich denke, ich hätte noch gut zehn oder mehr Runden fahren können. Aber wir hatten nicht den Mut, dass Charles mich auf der Strecke überholt. Deswegen hat man mich vorher reingerufen, von daher war es bisschen Quark. Danach war die Strategie im Eimer."

Klartext-Kritik von Sebastian Vettel an Ferrari! 

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Schlimmer noch, Teamchef Mattia Binotto gab die Taktik pro Leclerc sogar zu. "Wir haben Seb früher reingeholt, um Charles die Aufholjagd zu ermöglichen. Fürs Team war es die richtige Entscheidung. Mehr als Platz zwölf wäre für Seb nicht drin gewesen. Sein Rennen wurde schon am Start beeinträchtigt", meinte der 50-Jährige.

Macht Saison noch Sinn?

Der Ferrari-Rennleiter gab die Kritik also postwendend an den Hessen zurück. Und das nicht ohne Grund. Am Start fuhr Vettel zu weit über den Randstein, kam in den Sand, verlor den Grip und drehte sich. "Natürlich war das nicht gut, aber ich konnte schnell wieder den Anschluss herstellen", rechtfertigte sich der viermalige Weltmeister. 

Direkt nach dem Start drehte sich Sebastian Vettel
Direkt nach dem Start drehte sich Sebastian Vettel © Imago

Was Binotto zudem vergisst: Mit einem längeren ersten Stint wäre auch bei Vettel eine Einstopp-Strategie möglich gewesen - wie bei Leclerc. Wie SPORT1 erfuhr, war laut interner Hochrechnungen sogar Platz acht realistisch.

Bleibt nach dem verbalen Schlagabtausch via Radio und der anschließenden Funkstille die Frage: Macht es für die Paarung Vettel-Ferrari überhaupt noch Sinn, bis zum endgültigen Scheidungstermin gemeinsam weiterzufahren?

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Ex-Ferrari-Star Gerhard Berger hat da seine Zweifel. "Am besten wäre es für die Stimmung in den jeweiligen Teams, wenn man jetzt schon auf die Konstellation von 2021 wechselt." Das hieße: Carlos Sainz wechselt vorzeitig zu Ferrari, Daniel Ricciardo zu McLaren, Fernando Alonso zu Renault.

Rosberg ermutigt Vettel zu kämpfen

Das Problem: Stand jetzt ist für Vettel dann kein Platz mehr. Sein Wechsel zu Aston Martin hängt nach SPORT1-Informationen von der Sponsor-Mitgift von Sergio Pérez ab. Ein vorzeitiger Ferrari-Abschied könnte entsprechend auch ein vorzeitiges Karriereende bedeuten. 

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Deshalb sollte der Deutsche laut Ex-Weltmeister Nico Rosberg weiter kämpfen. "Sebs Funkspruch zeigt natürlich, wie angespannt die Situation bei Ferrari ist. Aber er sollte jetzt kämpfen - auch als Zeichen an mögliche zukünftige Teams. Er muss bei Ferrari auf den Tisch hauen und um neues Auto bitten", ist der Weltmeister von 2016 sicher. (Rennkalender 2020 der Formel 1)

Denn für Rosberg ist eines klar. Der fehlende Speed liegt nicht an Vettel, sondern an seinem bockenden SF1000. "Sebastian ist einer der besten Fahrer aller Zeiten, der fährt keine halbe Sekunde langsamer als ein Charles Leclerc. Da muss irgendwas grundlegend falsch sein am Auto. Sebastian muss sich jetzt einfach durchsetzen."

Und durchbeißen. Bis zum bitteren Ende.

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