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Spa-Francorchamps und München - Die Wege von Sebastian Vettel und Ferrari trennen sich am Ende der Saison. Für den viermaligen Weltmeister wird die Trennung von der Scuderia eine Erlösung.

Sebastian Vettel war erstaunlich entspannt nach Platz 13 beim Großen Preis von Belgien in Spa. In der Video-Pressekonferenz von Ferrari spielte er erst mit seinem Handy, dann spielte er den Teamleader. "Wir müssen jetzt ruhig bleiben und hart arbeiten. Frustration bringt uns nirgendwo hin", sagte der 33-Jährige.

Die Abschiedstournee mit Ferrari ist eine Qual für Vettel. Dabei kann es dem Deutschen eigentlich sein, wie gut oder schlecht die Scuderia die Saison beendet. Er ist Ende des Jahres ohnehin weg und schon jetzt nicht mehr in die Weiterentwicklung des Autos eingebunden. Vielleicht sitzt er mit überschlagenen Beinen und grauer Jeans auch deshalb so lässig da nach der größten Ferrari-Blamage seit Silverstone 2010. (Fahrerwertung der Formel 1)

Sky-Experte Nick Heidfeld bringt die Situation des Vierfach-Weltmeisters auf den Punkt: "An Sebastians Stelle wäre ich froh, dass ich 2021 nicht mehr Ferrari fahren muss", sagt er zu SPORT1. "Das ist ja nur noch eine Qual."

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Ferrari-Aus für Vettel positiv

Heidfeld ist nicht der Einzige, der Vettels Ferrari-Aus positiv sieht – und zwar für den Heppenheimer. Die erschreckenden Leistungen der Scuderia sorgen auch im Internet für Spott und Häme. Da wird ein neues Ferrari-Emblem designt, das eine kriechende Schnecke zeigt statt des springenden Pferds.

Da werden zwei Mülltonnen gefilmt, die in strömendem Regen hintereinander her rutschen – mit dem Begleittext: Vettel und Leclerc in Spa. Oder ein Ferrari-Teamchef mit bunter Perücke und Clownsnase.

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Vor dem Großen Preis von Italien nächste Woche in Monza empfinden selbst die italienischen Fans nur noch eine Mischung aus Mitleid und Missmut für das Team, das bis vor kurzem noch für den Nationalstolz eines ganzen Landes stand.

Die nüchternen Ergebnis-Zahlen vom GP in Belgien bringen das Dilemma der Scuderia auf den Punkt. Ferrari hat die Platzierungen aus dem Qualifying gehalten. Allerdings ist das alles andere als positiv. Denn auch da belegte Ferrari nur die Plätze 13 und 14. 

Selbst Alfa Romeo schneller

Allein: Im Rennen tauschten die Fahrer die Positionen. Vettel kam vor Charles Leclerc ins Ziel. Und das nur, weil der Monegasse einmal mehr stoppte und die Zeit am Ende nicht mehr aufholen konnte. "Es ist extrem frustrierend", sagte Leclerc. "Wir hatten Probleme bei beiden Boxenstopps. Es ist schwierig für uns zu überholen, selbst mit DRS."

Peinlich: Beide Ferrari wurden auf den Geraden regelrecht aufgeschnupft. Vettel musste sich sogar von Kimi Räikkönen im Alfa Romeo-Ferrari überholen lassen. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost schüttelte den Kopf. "Das sind keine Leistungen, die man von Ferrari erwartet – und Sebastian leidet da natürlich drunter."

Insider wissen, dass Ferrari nach wie vor unter den Konsequenzen des geheimen Deals mit der FIA leidet. 2019 hat die Scuderia den Antrieb über dem Limit betrieben. Eine offizielle Strafe dafür gab es nie. Aber das ist jetzt die Quittung. Zuletzt war Ferrari 2010 so schlecht wie am Sonntag in Spa, belegte beim GP in Großbritannien die Plätze 14 und 15 durch Fernando Alonso und Felipe Massa. Nach Problemen und Strafen wohlgemerkt. 

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Nächstes Jahr wird für Ferrari nicht besser

Doch es wird nicht besser werden. Schon in der kommenden Woche steht Ferraris Heimrennen an. Auf DER Hochgeschwindigkeitsstrecke im Kalender – in Monza. "Das wird eine schwere Aufgabe. Den Stein der Weisen gibt es nicht zu finden. Wir müssen das Paket optimieren, mehr bleibt uns nicht übrig", so Vettel. In der WM liegt Ferrari weiter auf Platz fünf – zwei Punkte vor Renault. Nach Monza wird das kaum so bleiben. 

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Doch es kommt noch schlimmer. Erst 2022 soll es für die Italiener wieder aufwärts gehen. Darauf hat Teamchef Mattia Binotto die Fans schon mal vorbereitet. Denn erst dann dürfen die Autos wieder drastisch umgebaut werden. Im nächsten Jahr muss Ferrari noch mit dem leben, was sie haben.

Dann muss Noch-McLaren-Pilot Carlos Sainz damit klar kommen, nicht mehr Sebastian Vettel. Der Deutsche hat sich immer noch nicht entschieden, was er 2021 machen wird. Ein Rücktritt oder ein Jahr Auszeit sind nicht ausgeschlossen. Einige Insider behaupten aber: "Das ist immer noch besser, als sich noch ein weiteres Jahr mit Ferrari zu quälen.“

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