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George Russell springt beim zweiten Rennen in Bahrain für den erkrankten Lewis Hamilton bei Mercedes ein
George Russell springt beim zweiten Rennen in Bahrain für den erkrankten Lewis Hamilton bei Mercedes ein © Imago
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München und Sakhir - Eine unglaubliche Serie von George Russell reißt im Sakhir-Qualifying. Dennoch erhält der Hamilton-Ersatz Lob von allen Seiten. Seine Größe wird zum Handicap.

Das Qualifying für den Sakhir-GP war gleich aus zweierlei Gründen historisch. (Formel 1: Großer Preis von Sakhir am Sonntag ab 18.10 Uhr im SPORT1-Liveticker)

Denn die schnellste Runde der Formel-1-Geschichte von Mercedes-Pilot Valtteri Bottas hatte automatisch auch zur Folge, dass die historische Qualifying-Serie von George Russell, seinem Teamkollegen in Bahrain, reißt.

Der eigentliche Williams-Pilot, der an diesem Wochenende den an Corona erkrankten Weltmeister Lewis Hamilton ersetzt, war damit nach 36 siegreichen Qualifying-Teamduellen in Folge erstmals langsamer als sein Stallgefährte. (SERVICE: Fahrerwertung)

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Doch obwohl Startplatz zwei die erste Niederlage für ihn im Qualifying bedeutete, war Russell dennoch der heimliche Gewinner des Qualifyings. Seine nur minimal langsamere Zeit als Bottas trotz schwieriger Umstände könnte ihm in der Zukunft einige Türen öffnen.

Russell kämpft mit zu kleinem Cockpit

Das machte auch eine Aussage von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nach dem Qualifying deutlich. "Sehr gut. Er steigt in das Auto, passt nicht ins Cockpit und knallt so eine Zeit raus. Fest steht: Die Zukunft gehört ihm", sagte Wolff zur Leistung des jungen Briten bei Sky.

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Wolffs lapidar dahingesagtes "passt nicht ins Cockpit" hat einen ernsten Hintergrund. Russell gehört mit 1,85 Meter zu den größten Fahrern der Formel 1, was es in den engen Cockpits schon generell schwieriger macht. In diesem Fall saß der Brite aber dazu noch im Cockpit des nur 1,74 Meter großen Landsmanns Hamilton.

"Das Rennen kann lustig werden, weil ich am ganzen Körper Prellungen habe, ich sitze halt ein wenig zusammengestaucht im Auto. Die Nacht auf Samstag habe ich mit Eis auf der Schulter verbracht", sagte Russell zu den Problemen, die ihm das auf Hamilton zugeschnittene Cockpit bereitet." (Die Stimmen zum F1-Qualifying)

Doch der 22-Jährige will im Rennen ebenfalls auf die Zähne beißen: "Wenn du ein so schnelles Auto hast, dann vergisst du den Schmerz. Der kommt dann zurück, wenn du aussteigst."

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Unterschied zwischen Williams und Mercedes

Das zu kleine Cockpit war aber nicht die einzige Schwierigkeit, mit der Russell zu kämpfen hatte und seinen Mini-Rückstand von 26 Tausendstelsekunden auf Bottas noch bemerkenswerter machen. Der Mercedes verhält sich komplett anders als sein gewohnter Williams. (SERVICE: Konstrukteurswertung)

"Es gab viel umzusetzen, das ich in den drei Trainings gelernt hatte. Am Anfang fühlte sich alles sehr fremd an. Ich musste auch meinen Fahrstil leicht ändern, um aus einem ganz anderen Fahrzeug das Beste zu holen", erklärte Russell.

Dass es das Mitglied im Mercedes-Förderprogramm trotzdem "wurmt", dass er nur Zweiter wurde, zeigt seinen Ehrgeiz. Russell haderte damit, dass er etwas zu viel Abstand gelassen hatte, um noch etwas Windschatten und damit "ein bisschen Rundenzeit geschenkt zu bekommen".

Für einen Vergleich mit Bottas war dies allerdings nur fair, da der Finne auch keinen hatten.

Lob von Williams und Red Bull

Lob gab es nach dem Qualifying trotz Startplatz zwei von allen Seiten. "Wir würden ja gerne sagen, dass wir von dieser Leistung von George Russell überrascht sind, aber wir sind es definitiv nicht. Hervorragende Leistung, Kumpel", twitterte der Williams-Rennstall.

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Von Hamilton wird es nach dem Qualifying ebenfalls positive Worte gegeben haben, nachdem Russell die vom Rekordweltmeister an ihn verschickte Forderung "Pass gut auf mein Auto auf!" einwandfrei umgesetzt hatte.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner schweifte bei seiner Antwort zur mäßigen Leistung seines Schützlings Alexander Albon sogar extra ab, um auf "den guten Job von George Russell" hinzuweisen. Bezogen darauf, dass dieser sich einfach ins Auto setzt und abliefert, war dies auch als Kritik am Thailänder zu verstehen.

Ob Albon im nächsten Jahr noch für Red Bull fährt oder nicht, kann Russell jedoch egal sein. Für seine Zukunft ist das direkte Duell mit Bottas entscheidend. Der Finne steht enorm unter Druck und dürfte sich ärgern, dass er laut eigener Aussage nicht seine "beste Qualifikation" hingelegt hat. (SERVICE: Der Rennkalender)

Bottas unter Siegzwang in Sakhir

Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen Russell bei seinem Mercedes-Einstieg zu kämpfen hat, sollte Bottas ihn deutlicher hinter sich lassen. Im Rennen wird der 31-Jährige souverän siegen müssen, damit die Stimmen, die Russell als Hamilton-Teamkollege fordern, nicht noch lauter werden.

Zwar läuft der Bottas-Vertrag bis 2021, doch für Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher heißt so etwas nicht viel, falls Mercedes doch Russell im Cockpit sehen will. "Ich bin sicher, dass Toto Wolff einen Vertrag gemacht hat, der auch gewisse Schlupflöcher für den Fall der Fälle beinhaltet", sagte Schumacher bei SPORT1.

Wolff widerspricht dem: "Es gibt keinen Shootout. Wir haben volles Vertrauen in Valtteri und sind so loyal wie eh und je. Das ist unsere Position." Das gilt aber nur 2021: "Wir kriegen an diesem Wochenende und vielleicht nächstes Wochenende weitere Daten, die uns dabei helfen, die Leistungen von George noch besser einzuschätzen."

Und ob 2021 oder nicht - es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis Hamiltons vermeintlicher Kronprinz einen Mercedes-Boliden sein Eigen nennt, der ihm nicht am ganzen Körper Prellungen beschert.

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