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Boxenstopp Formel 1: SPORT1 erklärt alles Wichtige zum Boxenstopp in der F1!
Boxenstopp Formel 1: SPORT1 erklärt alles Wichtige zum Boxenstopp in der F1! © Imago
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Formel 1 Boxenstopp: Wie läuft er ab? Wie lange dauert ein Boxenstopp? Was gilt es zu beachten? SPORT1 erklärt alles zum Boxenstopp in der F1!

Ein Formel 1 Boxenstopp dauert heutzutage selten länger als zwei Sekunden. In dieser kurzen Zeit wechselt die Crew alle Reifen des Boliden. Fehler beim Boxenstopp können über Sieg und Niederlage, zumindest aber über Platzierungen im Rennen entscheiden.

Wie sieht bei einem Formel 1 Boxenstopp der Ablauf aus?

Bei einem Formel 1 Boxenstopp wechselt die Crew des Rennstalls üblicherweise die Reifen des Fahrzeugs. Es kann aber auch vorkommen, dass kleinere Reparaturen am Boliden vorgenommen werden. Die Crew besteht aus mehreren Mechanikern, die verschiedene Aufgaben übernehmen. So gibt es acht Reifenträger. Vier bringen die frischen Reifen zum Fahrzeug, vier tragen die benutzten Reifen vom Boliden weg. Zwei Crew-Mitglieder heben das Fahrzeug mit Wagenhebern an, um den Reifenwechsel vorzubereiten. Die neuen Reifen werden dann von vier Reifenwechslern am Fahrzeug angebracht. Dazu benutzen sie pneumatische Werkzeuge, um die Radmuttern zu lösen und anschließend wieder festzumachen. Der Crew gehören zudem zwei Stabilisatoren an, die das Fahrzeug nach dem Halten in eine stabile Position bringen. Eventuell kommt auch ein Mechaniker zum Einsatz, der den Frontflügel justiert oder, wenn nötig, komplett austauscht.

Formel 1 Boxenstopp: Die Boxencrew tauscht den Frontflügel.
Formel 1 Boxenstopp: Die Boxencrew tauscht den Frontflügel. © Imago

Darüber hinaus muss es zwingend eine Person in der Crew geben, die während des Boxenstopps mit einem Feuerlöscher bereitsteht. Sollte der Bolide mit einem Problem an die Box kommen, das mit Hitze- und/oder Feuerentwicklung zu tun hat, können aus Sicherheitsgründen auch mehrere Crew-Mitglieder mit einem Feuerlöscher ausgerüstet sein.

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Wie lange dauert ein Formel 1 Boxenstopp?

Obwohl die Crew bei einem Formel 1 Boxenstopp eine Reihe von Aufgaben zu erledigen hat, dauert er nur wenige Sekunden. Im besten Fall steht ein Bolide gerade einmal zwei Sekunden an der Box, bis er wieder auf die Strecke fahren kann. Den Rekord für den schnellsten Formel 1 Boxenstopp hält Red Bull mit 1,82 Sekunden Standzeit. Gelungen ist der Crew dieses Kunststück in der Saison 2019 beim Rennen in São Paulo.

Übrigens wurde 2015 der Fastest Pit Stop Award eingeführt. Mit ihm wird jede Saison die Boxen-Crew ausgezeichnet, die in der Formel 1 die Boxenstopps besonders schnell durchführt. Bei jedem Rennen wird eine Liste der schnellsten Boxenstopps angefertigt. Analog zur Fahrerwertung erhält dann die schnellste Crew 25 Punkte, die zweitschnellste 18 Punkte und so weiter. Das Team mit den meisten Punkten erhält am Ende der Saison den Preis. Alles zur Punktevergabe in der F1 gibt es hier.

Woher weiß der Fahrer, wann er nach einem Formel 1 Boxenstopp losfahren kann?

Bis Ende der 2000er-Jahre gehörte jeder Boxen-Crew eine Person an, der eine besonders wichtige Aufgabe zukam. Sie signalisierte dem Fahrer unter anderem, wann dieser nach dem Boxenstopp den ersten Gang einlegen und losfahren konnte. Aufgrund ihres Arbeitswerkzeugs – einer Stange mit einem runden Schild am Ende – wurde sie als Lollipop Man bezeichnet.

Ab 2007 setzten jedoch immer mehr Formel-1-Teams auf Ampeln, die heute zum Standard gehören. Sie zeigen dem Fahrer mit Lichtern an, wann er starten kann. Die Ampeln sind über Sensoren mit den Schlagschraubern der Reifenwechsler verbunden. Sobald alle frischen Reifen aufgezogen sind, springt die Ampel um, und der Fahrer kann sich wieder auf die Strecke begeben.

Formel 1 Boxenstopp: Die Ampel signalisiert dem Fahrer wann er weiterfahren kann.
Formel 1 Boxenstopp: Die Ampel signalisiert dem Fahrer wann er weiterfahren kann. © Imago

Was ist die Boxengasse?

Bevor ein Bolide in der Formel 1 zum Boxenstopp kommt, muss er zunächst in die Boxengasse einfahren. Das ist der Bereich der Rennstrecke, in dem sich die Boxen aller Rennställe befinden. Es gehört also in der Formel 1 zum Boxenstopp Ablauf dazu, dass der Fahrer vorher zur Box fährt und sich danach durch die Boxengasse wieder auf die Strecke begibt.

Formel 1 Boxengasse: Zwei Formel 1 Boliden in der Boxengasse des Bahrain GP.
Formel 1 Boxengasse: Zwei Formel 1 Boliden in der Boxengasse des Bahrain GP. © Imago

In der Boxengasse herrscht ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern. Auf Rennstrecken, deren Boxengassen besonders eng sind, ist die erlaubte Maximalgeschwindigkeit üblicherweise noch geringer. Überschreitet ein Fahrer während des Rennens das Tempolimit in der Boxengasse, dann wird eine Durchfahrtsstrafe gegen ihn verhängt. Das bedeutet, dass er in einer späteren Runde die Boxengasse durchqueren muss. Dabei darf er jedoch nicht an seiner Box anhalten.

Die Box ist bei einem Formel-1-Rennen auch Teil einer so genannten Stop-and-Go-Strafe. Dabei muss der bestrafte Fahrer je nach Vergehen fünf oder zehn Sekunden an seiner Box stehen, ohne dass seine Crew Reifen wechselt oder anderweitig am Boliden tätig ist. Möglich ist auch eine Strafe, bei der der Fahrer erst fünf oder zehn Sekunden an der Box stehen muss, bevor seine Crew einen Boxenstopp durchführt.

Warum wird bei einem Formel 1 Boxenstopp nicht getankt?

Es stellte sich schon recht früh heraus, dass eine der größten Gefahrenquellen in der Formel 1 der Boxenstopp ist. Vor allem beim Tanken war trotz aller Vorsichtsmaßnahmen stets ein Brand möglich. Immer wieder lief Benzin aus dem Schlauch, verteilte sich auf dem Boden und konnte durch Funken entzündet werden. Bereits zur Saison 1984 wurde daher das Nachtanken während eines Formel-1-Rennens verboten. Ab 1994 war es wieder erlaubt, bis es 2010 erneut untersagt wurde.

Neben der Brand- und Explosionsgefahr gibt es aber noch weitere Gründe, weshalb bei einem Formel 1 Boxenstopp nicht mehr getankt wird. So sparen die Teams dadurch viel Geld, weil sie die Tankanlagen nicht mehr zu den Rennen transportieren lassen müssen. Auch will der Weltverband FIA die Hersteller mit dem Tankverbot dazu bringen, benzinsparende Motoren zu entwickeln. Und nicht zuletzt macht es die Rennen spannender, wenn kein Auto unterwegs nachtanken darf. So hat sich seit dem Tankverbot die Anzahl der erfolgreichen Überholvorgänge auf der Strecke verdoppelt.

Wie entwickelte sich in der Formel 1 der Boxenstopp?

Die Formel 1 gibt es seit 1950. Lange Zeit hatte der Boxenstopp eine recht simple Struktur: Die Fahrer hielten lediglich an der Box, wenn sie tanken mussten oder ihr Bolide einen Schaden erlitten hatte. Der Aufenthalt dauerte dann nicht selten mehrere Minuten. Das lag unter anderem daran, dass die Mechaniker selten auf den Boxenstopp vorbereiten waren und einem bestehenden Problem zeitraubend auf den Grund gehen mussten.

Erst in den 1980er-Jahren kamen die Formel-1-Teams auf die Idee, den Boxenstopp auch als taktisches Mittel einzusetzen. So ließen manche Teams ihre Boliden mit weniger Benzin starten, damit diese leichter waren und einen Vorsprung herausfahren konnten. Dadurch konnten sie es sich leisten, im Verlauf des Rennens einen längeren Boxenstopp einzulegen. Zudem trainierten die Crews zunehmend jeden Handgriff und machten sich Gedanken darüber, wie in der Formel 1 der Boxenstopp Ablauf schneller werden konnte. So wurden etwa neue Werkzeuge entwickelt, die das Tanken und den Reifenwechsel vereinfachten.

Zudem ließ der Rennstall Brabham Anfang der 1980er-Jahre ein Gerät bauen, mit dem noch ungenutzte Reifen erhitzt werden konnten. Dadurch entfiel das Warmfahren neuer Reifen, nachdem diese beim Boxenstopp aufgezogen wurden. Es war nicht zuletzt dieser revolutionären Idee zu verdanken, dass Nelson Piquet 1983 mit einem Brabham-BMW Weltmeister der Formel 1 wurde.

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