Frieda Bühner zuckte nur lachend mit den Schultern, als sie zu Beginn des vierten Viertels einen Dreier mit Brett zur 61:39-Führung gegen Japan traf. Ihr Blick nach diesem getroffenen Wurf sagte deutlich: Heute scheint bei mir alles zu gehen.
Auf dem Weg zur absoluten Weltklasse
Deutschlands heimlicher Superstar
Und für die 22-Jährige ging beim 74:58-Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der Basketball-WM wirklich fast alles. Nach ihrem schwachen Spiel zum Auftakt (nur vier Punkte) überragte Bühner gegen Japan und traf eben auch die ganz kuriosen Würfe.
Als SPORT1 sie nach dem Spiel auf die Szene und ihre Reaktion ansprach, musste Bühner lachen. Ihr war aber auch die Erleichterung deutlich anzumerken: „Ich bin einfach mit einem anderen Mindset heute reingegangen und habe das Spiel mehr auf mich zukommen lassen. Ich war heute einfach nicht ganz so angespannt. Es ist natürlich schon schön, wenn solche Würfe dann auch reingehen.“
Mit 19 Punkten war die WNBA-Spielerin die deutsche Top-Scorerin. Zusätzlich steuerte sie aber auch vier Rebounds und drei Assists zum so wichtigen deutschen Sieg bei, der dem DBB-Team vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Mali am Montag (ab 17.50 Uhr im LIVETICKER) wieder alle Möglichkeiten eröffnet.
Basketball-WM: Bühner überragt für Deutschland
Einen großen Anteil daran, dass Deutschland bei der Heim-WM endlich im Turnier angekommen ist, hatte ganz klar Bühner. Im Vergleich zum Auftakt kam sie gegen Japan von der Bank und traf im ersten Viertel direkt ihre ersten beiden Dreier.
Insgesamt traf Bühner im Spiel drei ihrer vier Dreipunkt-Versuche und acht ihrer zwölf Würfe aus dem Feld (66,7 Prozent). Mit ihr auf dem Feld wirkte das deutsche Spiel aber insgesamt auch deutlich flüssiger und besser. Das zeigen auch die Zahlen: Mit Bühner erzielte Deutschland 22 Punkte mehr als Japan (Bestwert).
Zudem hatte sie mit 22 den mit Abstand höchsten Effektivitätswert bei Deutschland. „Jeder weiß, was Frieda kann. Sie ist eine so gute Spielerin und so gute Scorerin. Uns war eigentlich klar, dass es heute bei Frieda gut laufen wird, weil es gestern eben nicht so gut lief“, lobte Nyara Sabally ihre Teamkollegin auf SPORT1-Nachfrage.
Und auch Alexandra Wilke war voll des Lobes: „Frieda ist Frieda. Man wartet eigentlich nur darauf, wann sie kommt. Nach so einem schweren Spiel war mir klar, dass sie heute abliefern wird. Das hat sie toll gemacht. Das war die Frieda, die wir kennen.“
Bühner spielte gegen Spanien schwach
Dass die 22-Jährige so ein starkes Spiel zeigte, war nach ihrem schwachen Spiel zum Auftakt gegen Spanien alles andere als selbstverständlich. Bühner hatte früh mit Foulproblemen zu kämpfen und fand so nie wirklich ins Spiel.
„Sie hat ja auch in Spanien gespielt, die Spanierinnen kennen sie deshalb sehr gut und haben sie durchgängig attackiert. Wenn man in der Verteidigung in jedem Angriff attackiert wird, hat sie dadurch ein bisschen an Selbstbewusstsein verloren“, erklärte Bundestrainer Olaf Lange gegenüber SPORT1.
Gegen Spanien erzielte Bühner ihre ersten Punkte erst spät im vierten Viertel, als das Spiel schon entschieden war. Die junge WNBA-Spielerin wirkte teilweise sogar etwas überfordert. Vielleicht war auch der Erwartungsdruck für sie etwas zu hoch.
Das gab Bühner nach dem Japan-Spiel auch selbst zu: „Ich war gestern schon sehr frustriert. Da haben mir meine Teamkollegen sehr weitergeholfen, speziell Marie hat mit mir geredet. Das hat mir wirklich sehr viel weitergeholfen. Wir sind einfach ein richtiges Team und können uns allen sehr vertrauen und einander helfen.“
„Ich bin einfach richtig stolz auf Frieda“
Die Hilfe ihrer Teamkameradinnen zahlte Bühner gegen Japan dann eindrucksvoll zurück. Die starke Leistung nach dieser großen Enttäuschung zeigt aber auch die überragende Qualität der 22-Jährigen.
„Ich bin einfach richtig stolz auf Frieda. Gestern war ein schwerer Tag für sie. Dass sie da so zurückkommt, heute so am Start ist und selbstbewusst ist und die Würfe nimmt, zeigt ihre mentale Stärke“, stellte Kapitänin Marie Gülich im Gespräch mit SPORT1 heraus.
Diese mentale Stärke kommt bei Bühner nicht von ungefähr. Als großes Talent wechselte sie schon mit 20 Jahren nach Spanien zu CB Estudiantes und behauptete sich in der besten Liga Europas.
Die Belohnung: Im WNBA-Draft 2026 wurde sie an 17. Stelle von den Portland Fire ausgewählt. In ihrer Rookie-Saison in den USA etablierte sie sich gleich als absolute Stammkraft. Bühner kam in 35 Spielen zum Einsatz und überzeugte mit 6,3 Punkten.
Wird Bühner zum deutschen Aushängeschild?
Noch steht Bühner oft im Schatten der deutschen WNBA-Stars Satou Sabally (fehlt bei der WM verletzt), Nyara Sabally und Leonie Fiebich. Doch das könnte sich schon in den kommenden Jahren und vielleicht auch bereits bei dieser Weltmeisterschaft ändern.
Wie wichtig Bühner für Deutschland sein kann, zeigte sie schon bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr. Damals war sie als deutsche Top-Scorerin mit 15 Punkten und 5,2 Rebounds im Schnitt eine der Hauptgarantinnen für den Einzug ins Viertelfinale. Mit ihren gerade einmal 22 Jahren hat sie zudem noch extremes Entwicklungspotenzial.
Bühner könnte in den kommenden Jahren so zu einem der Aushängeschilder im deutschen Basketball werden. Jetzt soll sie aber erstmal zu einem der Aushängeschilder der Heim-WM werden. Mit Leistungen wie gegen Japan ist sie auf einem guten Weg dorthin.