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"Kompletter Blödsinn!": Posse stört deutsche WM-Vorbereitung

Posse stört deutsche Vorbereitung

Eine Woche vor dem Start der Basketball-WM ist Deutschland noch immer nicht in Bestbesetzung. Zu Top-Spielerin Nyara Sabally gab es zudem ein Kontaktverbot. Das sorgt für Unverständnis.
Der deutsche Basketball-Verband durfte in den letzten Tagen keinen Kontakt mit Star-Spielerin Nyara Sabally haben, da ihr sonst eine Sperre in der WNBA gedroht hätte.
Eine Woche vor dem Start der Basketball-WM ist Deutschland noch immer nicht in Bestbesetzung. Zu Top-Spielerin Nyara Sabally gab es zudem ein Kontaktverbot. Das sorgt für Unverständnis.

In der Halle in Köln war Nyara Sabally am Donnerstag schon, aktiv bei ihrem Team dabei sein durfte sie aber noch nicht. Während ihre WNBA-Kollegin Frieda Bühner bei der knappen Niederlage gegen die Türkei schon im DBB-Outfit auf der Bank Platz nahm, kam Sabally erst kurz vor dem Tip-off im weißen Oberteil und mit getönter Brille.

Zu ihrem Team ging die deutsche Top-Spielerin dann auch nicht, sondern nahm mit Sicherheitsabstand im Publikum hinter der Bank Platz. All das machte Sabally allerdings nicht, weil sie nicht zum Team will, sondern weil sie es vor der anstehenden Frauen-WM einfach noch nicht darf.

Eine absurde Regel der WNBA schreibt ein komplettes Kontaktverbot zwischen ihren Spielerinnen und dem Verband bis zu einem bestimmten Stichtag vor. Beim Nichteinhalten droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren.  

„Das war kompletter Blödsinn, dass man sich mit sowas überhaupt auseinandersetzen muss“, ärgerte sich Cheftrainer Olaf Lange nach der WM-Generalprobe im Gespräch mit SPORT1: „Die Sperre ist jetzt aber zum Glück fast vorbei. Deswegen ist sie heute jetzt auch hier. Viel mehr will ich mich dazu jetzt nicht mehr äußern. Vom Reglement macht es auf jeden Fall keinen Sinn, aber wir wollten uns absichern und keine unnötigen Probleme schaffen.“

Kontaktverbot zu Sabally? „War total verrückt“

Am Tag zuvor hatte Lange, der selbst als Trainer schon lange in der WNBA arbeitet, den Sachverhalt in einer Medienrunde erklärt: „Es gibt da gewisse Regeln, denen zufolge Spielerinnen, je nachdem, wie lange sie in der Liga gespielt haben, nur so und so viele Tage nicht bei ihren Teams sein dürfen. Da Nyara eine derjenigen ist, die am längsten in der WNBA gespielt haben, dürfte sie jetzt nicht frühzeitig abreisen, sonst wird sie gesperrt. Und da sie jetzt nach Deutschland abreist und jetzt die WM ist, könnte das von bestimmten Vereinen so interpretiert werden, dass sie da irgendeinen Wettbewerbsvorteil erhält. Und wenn das an die Liga herangetragen wird, hat die Handlungsbedarf. Dann müssen wir anfangen zu beweisen, dass sie nicht bei der Nationalmannschaft ist.“

Statt zum Team zu stoßen, verbrachte Sabally ihre Zeit zunächst in Düsseldorf, ließ sich dort behandeln. Direkter Kontakt zwischen ihr, ihren Mitspielerinnen oder dem DBB war zunächst streng verboten. „Das ist doch Wahnsinn. Das habe ich im Sport noch nie gehört, dass der Verband nicht mal mit dir eben telefonieren darf und nachfragen kann und Funkstille ist. Das sind wahnsinnige Voraussetzungen“, zeigte sich MagentaTV-Experte Per Günther vor dem Test gegen die Türkei schockiert.

Und auch für ihre Mitspielerinnen war die Situation extrem skurril, wie Alexandra Wilke SPORT1 verriet: „Das war total verrückt. Auf einmal stand sie heute dann doch da. Dadurch, dass ich mit der WNBA noch nie etwas zu tun hatte, konnte ich es erst gar nicht glauben, wie das alles ablaufen musste, als sie es erzählt haben. Die Situation war wirklich unglaublich verrückt. Aber umso mehr freue ich mich, dass wir sie jetzt endlich sehen können.“

Dass Sabally in Köln als Zuschauerin in der Halle war, war also selbst für ihre eigenen Teamkolleginnen eine Überraschung. Wie heikel das Thema ist, zeigt sich auch bei Luisa Geiselsöder, die selbst in der WNBA aufläuft und sich deshalb lieber passiv hält: „Dazu möchte ich ehrlich gesagt lieber gar nichts sagen, weil ich nichts Falsches sagen will.“

Deutschland erlebt komplizierte Vorbereitung

Das lange Kontaktverbot zur so wichtigen Sabally macht die eh schon komplizierte Vorbereitung der DBB-Frauen noch einmal schwieriger. Große Teile der Präparationsphase fanden ohnehin schon ohne die Topstars Leonie Fiebich, Frieda Bühner und eben Nyara Sabally statt.

Selbst Lange verpasste die anfängliche Vorbereitung und sogar die ersten Testspiele. Beklagen will er sich trotzdem nicht: „Für alle Leute mit WNBA-Erfahrung ist das kein Problem. Zudem haben alle Top-Teams ja das gleiche Problem, deswegen beschwere ich mich nicht.“

„Das ist natürlich schwer, aber wir kennen die Situation ja schon von 2024, als wir uns auf die Olympischen Spiele vorbereitet haben. Unsere WNBA-Spielerinnen sind zum Glück auf so einem hohen Niveau, dass es für sie relativ schnell geht, in ihren Flow zu kommen und im Team anzukommen“, sagte Wilke.

Auch ihre Teamkollegin Geiselsöder versucht, positiv zu bleiben: „Die Herausforderung, sich als Team zu finden, ist auf jeden Fall da, aber im Endeffekt hat fast jedes Team WNBA-Spielerinnen im Kader. Damit steht jedes Team vor derselben Herausforderung.“

Spielerinnen freuen sich auf WM: „Extrem überwältigt“

Zumindest das Kontaktverbot zu Sabally scheint jetzt auch vorbei zu sein. Während des WM-Qualifikationsspiels der Männer saß sie neben Bundestrainer Lange auf der Tribüne.

Für seine Spielerinnen überwiegt sowieso die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft. „Die Vorfreude ist natürlich extrem. Wir haben uns schon heute auf das Spiel sehr gefreut, weil es der erste Test war vor so vielen Leuten“, sagte Geiselsöder.

Als sie SPORT1 danach auf die bereits ausverkauften Spiele in Berlin ansprach, geriet sie strahlend so richtig ins Schwärmen: „Ich war extrem überwältigt, dass die Spiele so schnell ausverkauft waren. Ich habe natürlich gehofft, dass es so kommt, aber ich war mir nicht sicher, ob ich damit rechnen kann. Das dann so zu sehen, ist eine Bestätigung, dass es aktuell mit dem Frauen-Basketball sehr gut vorangeht und uns viele Leute unterstützen wollen.“

„Das wird ein großer Spaß“, freut sich auch Lange, der in den kommenden Tagen dann endlich den gesamten Kader um sich versammeln kann. Spätestens dann wird auch der Ärger über die absurde Kontaktsperre verflogen sein.