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"Die Stadt ist wegen ihm in Aufruhr"

„Die Stadt ist wegen ihm in Aufruhr“

Mitchell Lawrie ist das nächste Wunderkind in der Darts-Szene. Über einen Jungen, der noch nicht bei den Profis mitspielen darf – doch schon jetzt Rekorde bricht und unweigerlich Vergleiche mit Luke Littler hervorruft.
Mitchell Lawrie führte seine Junioren-WM-Trophäe auch schon im Stadion der Glasgow Rangers vor
Mitchell Lawrie führte seine Junioren-WM-Trophäe auch schon im Stadion der Glasgow Rangers vor
© IMAGO / Shutterstock
Mitchell Lawrie ist das nächste Wunderkind in der Darts-Szene. Über einen Jungen, der noch nicht bei den Profis mitspielen darf – doch schon jetzt Rekorde bricht und unweigerlich Vergleiche mit Luke Littler hervorruft.

Die Sehenswürdigkeiten in der schottischen Kleinstadt Renfrew sind wahrlich rar gesät. Eine neogotische Kirche, eine Schwingbrücke und das Rathaus, das war’s schon. Seit geraumer Zeit gesellt sich aber ein 15-Jähriger in die Riege der bestimmenden Themen des Vorortes der Hauptstadt Glasgow: Mitchell Lawrie.

Stadtrat John Shaw sprach bereits davon, die rund 20.000 Einwohner starke Stadt sei „wegen ihm in Aufruhr. Er hat die Stadt auf eine Weise zusammengebracht, die selten und besonders ist.“ Ein Gemeinderatsbeschluss, ihm einen Empfang zu bereiten, wurde mit reichlich Applaus quittiert.

Aber was macht diesen Teenager aus dem Jahrgang 2010 so besonders, dass ihm diese Ehre in so jungen Jahren bereits zuteil wird? Nun, er spielt Darts – und das ziemlich gut. Sehr gut sogar. Denn „Wee Sox“ – ins Deutsche frei übersetzt mit „kleine Socken“, so Lawries Spitzname – ist seit dem Wochenende Weltranglistenerster der World Darts Federation. Mit 15 Jahren und 110 Tagen, als Jüngster jemals. So früh hat das nicht einmal Luke Littler geschafft.

Darts: Lawrie auf den Spuren von Luke Littler

Insbesondere aber so früh, dass Lawrie gemäß Reglement noch nicht einmal bei den Profis – und somit der PDC – mitspielen darf. Selbst deren „Development Tour“, die jungen Talenten als Entwicklungshilfe dienen soll, ist auf ein Spieleralter zwischen 16 und 23 Jahren begrenzt. Dabei wäre Lawrie längst gut genug, selbst auf der Pro Tour mitzuspielen.

„Er muss einfach den Kopf unten halten und weiterarbeiten. Als ich 14 oder 15 war, dachte ich auch ständig: ‚Nur noch ein Jahr, dann darf ich auf die Development Tour.‘ Er wird dasselbe denken. Aber wenn er so weiterspielt wie jetzt, wird er es schaffen“, riet Littler schon im vergangenen Jahr seinem potenziell künftigen Gegner.

Über Lawries Weg zum Darts ranken sich diverse Geschichten. Lawrie selbst schilderte einst, dass sein betrunkener Opa im Urlaub das Board von der Wand nahm und seinen Enkel am Boden werfen ließ. Mama Lynn wiederum erklärte, dass jener Opa ihn schon früh aus dem Kinderwagen hob und hochhielt, damit er am Dartboard spielen konnte. Was blieb: Auf kaum einen anderen würde die Phrase „Die Liebe zum Darts ist ihm in die Wiege gelegt worden“ besser passen.

Gary Anderson: „Er hat all das Talent dieser Welt“

Lawrie war noch nicht in der Schule, da wurde sein großes schottisches Idol Gary Anderson Back-to-back-Weltmeister. Doch erst während der Corona-Zeit schwang sich Lawrie auf, sein Training zu intensivieren. Sechs bis sieben Stunden am Tag, im Normalbetrieb steht er nun immerhin noch gut zwei Stunden täglich am Board. Das reicht, auch wenn es nach seinem Vorbild Anderson geht. „Ich habe ihn schon bei einer Exhibition getroffen. Ein netter Junge – und er ist gut. Er hat all das Talent dieser Welt“, erzählte der Schotte jüngst im Podcast „Tops and Tales“ von Caller Huw Ware.

Denn Lawrie gewinnt schon jetzt in den Wettbewerben, an denen er teilnahmeberechtigt ist – und unter anderem auch gegen Gary Andersons Sohn Tai spielt - nahezu alles. Ein kleiner Abriss: Sieg im JDC World Cup mit Schottland – mit nur 13 Jahren. WDF-Jugendweltmeister im Alter von 14 Jahren – und selbst in der Erwachsenenkategorie bei seinem Debüt erst im Finale an Jimmy van Schie gescheitert. JDC-Weltmeister mit 15. Ein Neundarter am vergangenen Wochenende auf ebenjener Tour kommt da nahezu beiläufig mit dazu.

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SPORT1-Experte Marijanovic lobt Lawrie

„Was mir imponiert bei ihm: In der Darts-Bubble herrscht ein großer Hype um ihn, aber er steckt das gut weg und spielt weiterhin gute Darts“, konstatierte auch jüngst SPORT1-Experte Robert Marijanovic in der Übertragung der Darts Premier League auf SPORT1.

Darüber hinaus ist Lawrie der jüngste Spieler, der drei WDF-Turniersiege im Erwachsenenbereich erringen konnte. Den Rekord hatte zuvor ein gewisser Luke Littler inne. Die Vergleiche sind unausweichlich, die Parallelen nahezu erschreckend.

Beide geben am liebsten ihre Preisgelder für FIFA-Points aus, beide haben Spaß am Spiel – und beide sind im jungen Alter im hochprofessionellen Umfeld angekommen. Lawrie wird schon jetzt von Dartshersteller „Target“ gesponsert. Der in der Szene als „Mr. Target“ bekannte Gary Plummer ist der persönliche Manager von...Luke Littler.

Ein erstes Duell der beiden Wunderkinder könnte übrigens im Januar 2027 anstehen, sollte sich Lawrie bei der Q-School im Januar sofort seine Tourcard sichern. Es würde eine Partie werden, auf die sich die Darts-Welt freuen darf.

Dabei soll es aber nicht bleiben. „Hoffentlich bin ich eines Tages Weltmeister“, erzählte Lawrie schon vor Jahren: „Das ist der Traum.“