„Wir sind verletzlich“: Schindler zeigt seine emotionale Seite
Hier bricht alles aus Schindler heraus
Auf der Bühne ist er als "The Wall" bekannt. Nach seinem Auftaktsieg bei der Darts-EM zeigt Martin Schindler eine ungewohnt emotionale Seite.
„Jetzt wird es wirklich deep“, kündigte Martin Schindler auf der Pressekonferenz nach seinem dramatischen Sieg über Wessel Nijman (6:5) an. Der deutsche Hoffnungsträger trägt den Spitznamen „The Wall“ – doch nach seinem Sieg zum Auftakt der Darts-Europameisterschaft in Dortmund lässt der 29-Jährige einen Blick hinter die Fassade zu.
Heraus kam dabei ein bemerkenswert offenes Gespräch über die Schattenseiten des Leistungssports. „Es ist so, dass ich in diesem Jahr auch an dem Punkt war, wo ich dachte: Mann, wenn es jetzt nicht funktioniert, was mache ich?“, erzählte der Deutsche. Gedanken, die sich immer weiter ins Negative gedreht hätten. „Diese ganze Schwarzmalerei, dass wirklich gar nichts funktioniert.“
„Es tut gut, über Schlechtes zu reden“
Dass Schindler heute so offen darüber spricht, ist auch das Ergebnis seiner Arbeit an der eigenen mentalen Stärke. Der 29-Jährige arbeitete zunächst mit Mentalcoach Martin Koch zusammen, zuletzt half ihm Johannes Lipsius bei seinen Selbstzweifeln.
Bei seinem Mentaltraining ging es nicht nur darum, auf der Bühne konzentriert die nächsten 160 Punkte anzuvisieren – sondern auch darum, unangenehme Gedanken zuzulassen, statt sie zu verdrängen: „Es tut gut, über schlechte Erfahrungen, über schlechte Gefühle, über schlechte Erlebnisse zu reden“, betonte Schindler.
Schindler sprach auch darüber, wie schnell sich negative Gedanken verselbstständigen können. „Man steigert sich auch mal gerne rein“, räumte er ein. Umso wichtiger sei es für ihn gewesen, solche Gedanken offen anzusprechen. „Das hat mir geholfen: Auch mal über das schlechtmöglichste Szenario zu reden und von da an drauf aufzubauen.“
Seine Botschaft reichte dabei auch über den Dartsport hinaus: „Wir sind verletzlich, es kann uns mal schlecht gehen.“
Aus Selbstzweifeln wächst neue Zuversicht
Wie viel mentale Stärke tatsächlich in „The Wall“ steckt, kann Schindler bereits am Samstagabend erneut unter Beweis stellen. Nach seinem nervenaufreibenden 6:5-Auftaktsieg gegen Wessel Nijman wartet im Achtelfinale der Darts-EM mit Jermaine Wattimena der nächste Niederländer.
Ab etwa 20.15 Uhr kämpft Deutschlands letzte verbliebene Hoffnung in der Dortmunder Westfalenhalle um den Einzug ins Viertelfinale. SPORT1 überträgt die Partie live im Free-TV. Sollte Schindler erneut triumphieren, geht seine Titeljagd bereits am Sonntag weiter.