Es ist eine Geschichte, die niemand kommen sah. Es wirkt wie eine Übertreibung - in seinem Fall ist es aber wirklich keine. Mateusz Zukowski ist das Phänomen der Stunde in der 2. Bundesliga, über das die Fans des 1. FC Magdeburg ebenso staunen wie die Fußball-Szene in seiner polnischen Heimat.
Keiner hatte ihn auf der Rechnung - nun ist er eines der größten Phänomene in Fußball-Deutschland
Ein Fußball-Märchen aus dem Nichts
Ein Spieler, der dort in 105 Erstliga-Spielen nicht über fünf Tore hinausgekommen, hat seit seinem Wechsel nach Deutschland elf Treffer in elf Spielen erzielt. Der 24-Jährige, der noch vor kurzer Zeit so gut wie nie als Mittelstürmer gespielt hatte und obendrein schwer verletzt war, wird nun als potenzieller Sturmpartner Robert Lewandowskis mit Blick auf die WM gehandelt - und als begehrtes Transferziel im Sommer.
Mateusz Zukowski: Der Mann der Stunde in Liga 2
Mit zwei Toren und einer Vorlage beim 5:3-Sieg des FC Schalke 04 gegen Magdeburg unterstrich Zukowski am Wochenende einmal mehr seinen Wert. Zukowski konnte die Niederlage des Tabellen-16. aus Magdeburg zwar nicht verhindern. Dass sein Klub aber überhaupt noch einigermaßen aussichtsreich im Rennen um den Klassenerhalt liegt: Es ist ihm und seinem unglaublichen Lauf zu verdanken, den er seit seinem späten Debüt Ende November hingelegt hat.
Besonders denkwürdig war sein Dreierpack beim furiosen 5:4 gegen die SpVgg Greuther Fürth. „Ein Hattrick in nur 18 Minuten. Mateusz Zukowski, fast wie Robert Lewandowski“, titelte bereits damals das polnische Internetportal Dziennik.pl.
Den Saisonauftakt absolvierte Zukowski noch bei Slask Wroclaw in Polen und musste sich nach einem Mittelfußbruch einer Operation unterziehen. Der FCM sah sich in der Folge gezwungen, den Heilungsverlauf abzuwarten, entschied sich nach dem Abgang von Torjäger Martijn Kaars aber dennoch dafür, den Deal am Deadline Day perfekt zu machen.
Eine Entscheidung, die sich längst als goldrichtig herausgestellt hat.
Ein furioser Lauf mit historischer Note
Zwar verpasste Zukowski die gesamte Vorbereitung und feierte erst am 22. November sein Debüt, seither ist er jedoch der X-Faktor im Spiel des FCM - und der treffsicherste Spieler der 1. und 2. Bundesliga hinter Harry Kane in diesem Zeitraum.
In den ersten zwölf Spielen ohne Zukowski lag der FCM mit nur sieben Punkten und neun erzielten Toren auf dem letzten Tabellenplatz. Kein Team sorgte offensiv für weniger Gefahr. Ein Trend, der sich um 180 Grad drehen sollte. Seit seinem Debüt holten nur fünf Klubs mehr Punkte als Magdeburg.
Zudem wurde die Offensive mit 25 Toren in diesem Zeitraum zur treffsichersten der Liga. Darüber hinaus erreichten seit der Einführung der eingleisigen 2. Bundesliga 1981 nur zwei Spieler schneller die Marke von mindestens zehn erzielten Toren als Zukowski.
„Gesicht des Abstiegs“: Zweitliga-Star war in Polen längst abgeschrieben
„Alle hatten den Polen bereits abgeschrieben. Unglaublich, was er im Ausland leistet“, titelte die älteste polnische Sportzeitung Przegląd Sportowy schon vor der Partie am Samstagabend.
Kurios: Zukowski ist eigentlich gar kein gelernter Stürmer. Er begann seine Profikarriere als Rechtsverteidiger und blieb bis kurz vor seinem Deutschland-Wechsel ein etatmäßiger Außenspieler, der nie als Goalgetter aufgefallen war.
Der ehemalige U-Nationalspieler Polens begann seine Karriere in der pommerschen Heimat bei Lechia Gdansk (Danzig), wo er als Youngster auf sich aufmerksam machte und schließlich zu den Glasgow Rangers wechselte. Beim schottischen Serienmeister absolvierte Zukowski aber nur drei Pflichtspiele und fand auch nach seiner Rückkehr nach Polen nicht den erhofften Erfolg.
„Er scheiterte bei Lech Posen und wurde beim abgestiegenen Slask Wroclaw von vielen Fans kritisiert“, rekapitulierte Przegląd Sportowy. In Posen brachte es Zukowski auf nur 70 Spielminuten und überzeugte auch in der zweiten Mannschaft nicht. Besser wurde es in Breslau, dennoch kam der Wechsel nach Deutschland eher überraschend.
Auch Sport.pl schrieb mit Blick auf den Abstieg seines Breslauer Ex-Klubs in der vergangenen Saison: „Mit der Auslandskarriere von Mateusz Zukowski verband kaum jemand große Hoffnungen. In der vergangenen Saison war er eines der Gesichter des Abstiegs.“
Doch in Magdeburg erkannten die Verantwortlichen ein Talent, das vielen anderen verborgen blieb. Sportchef Otmar Schock bezeichnete den Transfercoup damals als „eine Verpflichtung für die Zukunft“. Auch das Zwischenfazit von Trainer Petrik Sander fiel nach dem Spiel gegen Fürth deutlich aus: „Er ist unheimlich wichtig für uns, weil er eine Wucht und Dynamik mitbringt, die uns komplett gefehlt hat.“
Zur WM und in die Bundesliga?
In seinem Heimatland geht die Berichterstattung ebenfalls längst über die pure Verwunderung hinsichtlich der krassen Tor-Explosion hinaus. Sogar mit einer möglichen Nominierung für die europäischen WM-Playoffs Ende März wird Zukowski bereits in Verbindung gebracht.
„Ohne Zweifel ist das sein Moment“, erklärte der ehemalige Bundesliga-Profi und Nationalstürmer Artur Wichniarek in einer Sendung bei Kanał Sportowy: „Es macht keinen großen Unterschied, ob man jemanden aus der 2. Bundesliga oder aus der PKO BP Ekstraklasa beruft. Das Niveau ist dasselbe. Er hat es verdient, beobachtet zu werden. Ob man ihn für die Playoffs nominieren sollte? Das ist zu überlegen.“
Das Portal Sport.pl legte sich bereits fest, Nationaltrainer Jan Urban werde den Magdeburger bald für die Nationalmannschaft berufen. Innerhalb von nur drei Monaten hat sich ein Spieler, der bis vor kurzem nicht mal als Stürmer gespielt hat, eine realistische Chance erspielt, bald einen Platz an der Seite von Weltstar Robert Lewandowski einzunehmen und mit Polen um die WM zu kämpfen.
In Polen gehen auch schon die Spekulationen los, dass Zukowski für Magdeburg nicht zu halten sei und schon in wenigen Monaten in der Bundesliga zu sehen sein werde.
Der renommierte Sportjournalist Mateusz Borek sagte in der Sendung „Moc Futbolu“ beim Kanal Sportowy bereits voraus: „Ein Sommertransfer? Zu hundert Prozent. Wenn man die Verhandlungserfahrung und Marktkenntnis von Bartek Bolek (dem Berater des Spielers, Anm. d. Red.) kennt, ist möglicherweise eine Klausel für einen Wechsel in die Bundesliga enthalten. Ich denke, er wird mehrere hochkarätige Angebote aus der deutschen Eliteklasse bekommen.“
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