2. Bundesliga>

Hertha BSC: Das große Fragezeichen der 2. Bundesliga

Aufbruch in eine neue Ära?

Der Start in die neue Zweitliga-Saison wird für Hertha BSC zur Bewährungsprobe. Kurz vor dem Auftakt gibt es weiterhin einige offene Baustellen.
Die Sorgen bei Hertha BSC wachsen. Im Sommer verlor der Klub mehrere wichtige Leistungsträger, ohne den Kader nennenswert zu verstärken. Die Alte Dame steht daher vor einer schwierigen Saison in der 2. Bundesliga.
Alina Heidenreich
Der Start in die neue Zweitliga-Saison wird für Hertha BSC zur Bewährungsprobe. Kurz vor dem Auftakt gibt es weiterhin einige offene Baustellen.

Hertha BSC und Bundesliga-Anspruch. Eine Verbindung, die zu dem Traditionsverein aus der Hauptstadt so gut passen könnte – aber eben nur könnte. Vergangene Saison wurde der Aufstieg in die Bundesliga als klares Ziel ausgerufen. Am Ende stand der siebte Tabellenplatz – Ziel mehr als verfehlt.

Enttäuschung machte sich breit, auch bei Maik Franz, der von 2011 bis 2014 selbst für Hertha BSC spielte. „Ich war letztes Jahr sehr optimistisch. Am Ende der Saison war ich sehr enttäuscht, weil sie nie in den Aufstiegsrängen eine Rolle gespielt haben“, sagt der Ex-Profi im Gespräch mit SPORT1.

Es war aber keine völlig verkorkste Saison. Franz erinnert an einige ordentliche Spiele, aber „wenn man dann den nächsten Schritt hätte machen können, haben sie versagt“.

Hertha BSC: Kommt jetzt der große Umbruch?

In Berlin stehen nun alle Zeichen auf Umbruch. Trainer Stefan Leitl startet mit einem „sehr guten“ Gefühl in die neue Saison. Dennoch bleiben einige Sorgenfalten, auf die der Hauptstadtklub bisher nur kaum Antworten gefunden hat.

13 Spieler haben den Klub verlassen, darunter echte Leistungsträger wie Fabian Reese, Hertha-Juwel Kennet Eichhorn, Michael Cuisance oder Tjark Ernst.  

Vor allem der Wechsel von Reese wurde scharf kritisiert. Hatte er im Sommer 2025 noch seinen Vertrag bei der Hertha verlängert, wechselte er nun zum Liga-Konkurrenten und Aufstiegs-Favoriten VfL Wolfsburg.

Alles Abgänge, die nur schwer zu kompensieren sind. Vor allem, weil auf der Seite der Neuverpflichtungen bisher nur ein Name steht: Oluwaseun Adewumi.

Der 21-Jährige kommt auf Leihbasis vom englischen Zweitligisten FC Burnley. Ob er die Sofortverstärkung werden kann, die der Klub so dringend benötigt, bleibt fraglich. Vor allem, weil er vorerst „eine Option von der Bank“ sein soll, wie Leitl vor dem Saisonauftakt gegen den VfL Bochum (20.30 Uhr im LIVETICKER) erklärt.

Offene Baustellen kurz vor Saisonstart

Im Vergleich zur letzten Saison ist der Kader dünn; auf der Stürmer- und Linksverteidiger-Position dominieren noch große Fragezeichen. Deyovaisio Zeefuik könnte die Rolle als Linksverteidiger zwar einnehmen, seine favorisierte Position liegt jedoch auf der rechten Seite.

Eine mögliche Lösung, zumindest für dieses Problem, könnte aus den eigenen Reihen kommen. Nachwuchstalent Mayson Grothe hat seinen Vertrag bei der Alten Dame verlängert und konnte in der Saisonvorbereitung überzeugen. Der 17-Jährige kam in einigen Testspielen zum Einsatz und hinterließ dabei einen vielversprechenden Eindruck.

Immerhin in der Kapitänsfrage herrscht kurz vor dem Saisonstart Klarheit. Mit Josip Brekalo wird ein Erfahrener das Amt übernehmen. Die Verantwortlichen rund um Leitl trauen ihm den „nächsten Schritt“ zu.

Wann startet die Transferoffensive?

Aus sportlicher Sicht ist es riskant, Leistungsträger wie Reese, Eichhorn, Cuisance oder Ernst ziehen zu lassen. Unter wirtschaftlichen Aspekten war es ein nachvollziehbarer Schritt, der unterstreicht, wie schlecht es wirklich um den Klub steht.

Durch die Transfers kamen rund 25 Millionen Euro in die Vereinskasse. Wichtiges Geld, das nun für Neuverpflichtungen genutzt werden soll. „Wir haben die sportlichen Rahmenbedingungen geschaffen und jetzt liegt es an den Verantwortlichen, Spieler zu verpflichten“, sagt Leitl.

Der frühere Hertha-Profi Franz nimmt dabei insbesondere Sportdirektor Benjamin Weber in den Fokus: „Er muss jetzt liefern. Es ist seine Aufgabe, noch den einen oder anderen zu präsentieren.“

Gleichzeitig glaubt Franz an die Strahlkraft der Alten Dame, die noch den einen oder anderen Spieler anziehen wird. Vor allem für die Spieler, deren Wunschvorstellung bei einem Erstligisten nicht eintreten wird, ist „Hertha immer noch eine supergeile Adresse in der zweiten Liga“.

Wie lange hält die Rückendeckung für Leitl?

Wie handlungsfähig Hertha BSC in die neue Saison starten kann, wird sich zeigen. Nach dem mehr als gewagten Ziel der vergangenen Saison, backt man in Berlin nun kleinere Brötchen.

Geschäftsführer Dr. Peter Görlich hat einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel ausgerufen. „Ich glaube, das ist sicherlich erstmal eine gute Herangehensweise“, unterstützt Franz das Ziel der kommenden Saison und unterstreicht: „Mit dem einstelligen Tabellenplatz ist trotzdem alles möglich.“

Doch auch mit dem defensiven Ansatz für die neue Saison wartet auf Leitl eine große Aufgabe. Er muss aus einem qualitativ schwächeren Kader einiges herausholen, um das Saisonziel zu erreichen. Falls der sportliche Erfolg ausbleiben sollte, könnte auch für Trainer Leitl persönlich eine Saison der Fragezeichen drohen.