Was wurde aus den Helden von 2017?

Was wurde aus den Helden von 2017?

Die deutsche U21-Nationalmannschaft ist Europameister. Das gleiche Kunststück gelang bereits im Jahr 2017. Was wurde aus den Helden des damaligen Turniers?
Europameister-Party bei der deutschen U21: So wild feiern Baku, Nmecha und Co. den EM-Titel.
Europameister-Party! So wild eskaliert die U21
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Lukas von Hoyer
von L. von Hoyer
am 8. Juni

Stefan Kuntz hat es schon wieder geschafft - die deutsche U21-Nationalmannschaft ist Europameister. (Bericht: Das Geheimnis der Hyänen-Bande)

Ein großartiger Triumph, durch den der Coach seinen zweiten EM-Titel mit der U21 einfuhr. Im Jahr 2019 war er mit seinem Team im Finale gescheitert, 2017 hatte es zum bis dato letzten Mal funktioniert. 

Deutsche Fußball-Fans fragen sich nun, welche Namen sie sich merken sollten: Wer macht sich nach dem Titel zu einer großen Karriere auf? In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick zurück. Was wurde aus den EM-Siegern aus dem Jahr 2017? (Kommentar: Ein Titel, der viele Probleme überdeckt)

SPORT1 hat die Karrierewege der Helden von 2017 nachgezeichnet. 

Torhüter bei der U21-EM 2017

Julian Pollersbeck: Im EM-Finale gegen die spanische U21 hielt er beim 1:0-Erfolg seinen Kasten sauber. Nur einen Tag nach dem Triumph in Polen wechselte der Keeper vom 1. FC Kaiserslautern zum Hamburger SV. In der Hansestadt erlebte Pollersbeck keine gute Zeit, stieg mit dem Dino in die 2. Bundesliga ab.

Nach 51 Spielen in drei Saisons verließ er im September 2020 den HSV und suchte bei Olympique Lyon eine neue Chance. Dort ist der 26-Jährige allerdings nur Ersatzmann und kam bislang auf drei Einsätze. Nach dem EM-Triumph ging es für ihn bergab, was er selbst mit Humor darstellte: "Ei, da lief noch bei mir. N' Tag später war ich dann HSV-Spieler", kommentierte Pollersbeck unter einer Grafik des Final-Triumphs 2017. 

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Marvin Schwäbe: Bei der U21-EM bekam er hinter Pollersbeck keine Einsatzzeit, hatte allerdings in der Qualifikation zu dem Turnier zwischen den Pfosten gestanden. Rund um das Turnier war er bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag, wurde aber an Dynamo Dresden und den VfL Osnabrück ausgeliehen.

Im Sommer 2018 dann der ungewöhnliche Wechsel nach Dänemark zu Bröndby IF. In dieser Spielzeit wurde er als Stammkeeper dänischer Meister. Das Arbeitspapier von Schwäbe läuft diesen Sommer ab, er wird sich wohl ablösefrei dem 1. FC Köln anschließen. Vielleicht sieht man ihn bald in der Bundesliga. 

Odisseas Vlachodimos: Der damalige Torwart der deutsche U21 ist mittlerweile Nationalspieler - allerdings nicht im DFB-Team. Der griechisch-deutsche Keeper hat sich für Griechenland entschieden und mittlerweile 14 Länderspiele absolviert. Als gebürtiger Stuttgarter begann er seine Karriere beim VfB Stuttgart, dort konnte er sich allerdings nicht durchsetzen.

Es folgte 2016 ein Wechsel zu Panathinaikos Athen. 2018 ging es weiter zu Benfica Lissabon, dort hat der 27-Jährige in dieser Spielzeit seinen Stammplatz verloren. Bei den Griechen ist er derzeit zwar Stammtorhüter, die anstehende EM findet aber ohne den Sensationssieger von 2004 statt.

Abwehrspieler bei der U21-EM 2017

Waldemar Anton: Bei der U21-EM 2017 blieb er ohne Einsatz - gleiches galt für das Turnier im Jahr 2019, als er auch noch spielberechtigt war. Nach seinem Wechsel von Hannover 96 zum VfB Stuttgart hat sich der 24-Jährige nun aber zu einem gestandenen Bundesligaspieler entwickelt. Der Innenverteidiger spielte eine starke Saison für die Schwaben. 

Yannick Gerhardt: Heute einer der bekanntesten Namen des 2017-Jahrgangs der U21. Der damalige Linksverteidiger, der mittlerweile vor allem im Mittelfeld spielt, durfte im Jahr 2016 sogar ein A-Länderspiel für Deutschland machen. Bei diesem einen blieb es allerdings bislang. Dafür war Gerhardt in diesem Jahr Stammspieler in einer starken Mannschaft des VfL Wolfsburg. 

Leverkusens Florian Wirtz schoss die U21 in das EM-Finale. Ein Fingerzeig Richtung A-Nationalmannschaft? Bereits bei der Euro in diesem Jahr hatte er sich Chancen ausgerechnet.
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Überflieger Wirtz! Hätte Löw ihn mit zur EM nehmen sollen?

Gideon Jung: Der Innenverteidiger macht mit dem HSV seit 2014 so einiges durch. In dieser Spielzeit schaffte er es nicht, sich einen Stammplatz in der 2. Bundesliga zu erarbeiten, im Sommer 2022 läuft sein Vertrag aus - Jungs Karriere steht am Scheideweg. 

Thilo Kehrer: Einer der wenigen Helden von 2017, die danach Länderspiele für das DFB-Team absolvierten. Unter Joachim Löw kam der Innenverteidiger zu neun Einsätzen, im Aufgebot für die EM 2020 fehlt er allerdings. Nach seinem Wechsel 2018 vom FC Schalke zu Paris Saint-Germain erlebte der 24-Jährige Licht und Schatten. Zuletzt mehr Schatten, weswegen es auch nicht zu einer Nominierung reichte. 

Marc Oliver Kempf: Neben Anton spielt er in der Innenverteidigung der Stuttgarter eine überragende Rolle. Mit 26 Jahren führt er die Schwaben sogar regelmäßig als Kapitän aufs Feld. Sein Vertrag beim VfB läuft im Sommer 2022 aus, er könnte sich zeitnah eine neue Herausforderung suchen. Löw hat er zwar nicht beeindrucken können, wenn Kempf weiter solide Leistungen bringt ist, er aber vielleicht bald Thema beim neuen Bundestrainer Hansi Flick. 

Lukas Klünter: Vier Jahre nach dem Triumph in Polen hat es für den rechten Verteidiger zu 72 Bundesligaspielen für den 1. FC Köln und Hertha BSC gereicht. Der 25-Jährige hat allerdings eine schwierige Saison bei der Hertha hinter sich, in welcher er nur elf Pflichtspiele bestritt. 

Niklas Stark: Der Innenverteidiger ist Teamkollege von Klünter - und im Gegensatz zu seinem früheren U21-Kollegen unumstrittener Stammspieler. Seine über Jahre hinweg soliden Leistungen haben Stark sogar zwei Länderspiele unter Löw eingebracht. Das letzte im Oktober 2020. Zur EM darf er allerdings nicht mit. 

Jeremy Toljan: Der Rechtsverteidiger wechselte nach der EM 2017 für sieben Millionen Euro von der TSG Hoffenheim zu Borussia Dortmund. Dort sammelte er Erfahrung auch in der Champions League - dauerhaft durchsetzen konnte er sich aber nicht. In diesem Sommer greift eine Kaufpflicht des US Sassuolo, wo Toljan bereits die letzten beiden Jahre verbrachte. In der Bundesliga wird er also vorerst nicht mehr zu sehen sein. 

Mittelfeldspieler bei der U21-EM 2017

Nadiem Amiri: Einer der ambitioniertesten Spieler des Jahrgangs. Mittlerweile hat der offensive Mittelfeldspieler fünf Länderspiele für Deutschland absolviert, für eine EM-Nominierung reichte es aber nicht. Seine vergangene Spielzeit mit Bayer Leverkusen war durchwachsen, zwei Tore und sechs Vorlagen in 29 Bundesligaspielen sind für den 24-Jährigen mit Sicherheit verbesserungswürdig. Dann ist er wohl auch bald ein Thema für Flick. 

Maximilian Arnold: Auch er hat sich längst zu einem gestandenen Bundesligaspieler entwickelt. 2017 führte er die U21 als Kapitän an, diese Ehre hatte er auch im letzten Bundesligaspiel dieser Saison beim VfL Wolfsburg. Der 27-Jährige ist den Wölfen seit fast zehn Jahren treu und besitzt noch einen Vertrag bis 2026. Beeindruckend: Bereits im Alter von 19 Jahren absolvierte er sein erstes Länderspiel für die deutsche A-Nationalmannschaft. Bis heute ist es allerdings sein einziges geblieben. 

Mahmoud Dahoud: Dahoud war Thema für Löws EM-Kader, der scheidende Bundestrainer entschied sich aber gegen den Dortmunder, der allerdings Nachrückkandidat ist. In den nächsten Jahren wird der 25-Jährige noch die Chance auf ein großes Turnier und auf mehr als seine zwei Länderspiele haben. Beim BVB hatte der zentrale Mittelfeldspieler zuletzt aufsteigende Form gezeigt. 

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Das ist der deutsche EM-Kader 2021

Serge Gnabry: Unbestritten der größte Star des U21-Kaders von 2017. Mit dem FC Bayern holte er das Triple und mit 25 Jahren hat er mittlerweile 21 Länderspiele absolviert. Seine beeindruckende Bilanz: 16 Tore. Bei der Europameisterschaft dürfte Gnabry ein Schlüsselspieler Löws in der Offensive sein. 

Janik Haberer: Der zentrale Mittelfeldspieler ist wie viele seiner damaligen Kollegen zu einem gestandenen Bundesligaspieler gereift. Mittlerweile hat er 141 Pflichtspiele für den SC Freiburg absolviert. In der vergangenen Spielzeit machte dem 27-Jährigen ein Wadenbeinbruch zu schaffen, er wird in der nächsten Saison wieder angreifen wollen. 

Dominik Kohr: 2017 spielte Dominik Kohr noch beim FC Augsburg, seitdem hat es ihn über Stationen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zum FSV Mainz 05 gezogen. "Hardkohr" wird nach abgelaufener Leihe im Sommer 2022 wieder nach Frankfurt zurückkehren. Schon zuvor wird er mit 27 Jahren wohl die 200er-Marke an Bundesligaspielen durchbrechen. Er steht bei 195. 

Max Meyer: Für den offensiven Mittelfeldspieler ging es seit der U21-EM 2017 bergab. Schon vor dem Turnier hatte er vier Länderspiele für die A-Nationalmannschaft (ein Tor) gemacht, bei diesen ist es geblieben. Im Streit verließ er den FC Schalke 2018 in Richtung Crystal Palace. Mittlerweile ist er zurück in der Bundesliga (Köln) - allerdings ein Schatten vergangener Tage. 

Levin Öztunali: Mit 30 Einsätzen für die U21 steht er auf der Liste der Rekordspieler auf Rang zwei hinter Fabian Ernst (31). Mit 25 Jahren hat der gebürtige Hamburger bereits 170 Bundesligaspiele absolviert. In diesem Sommer wechselt er ablösefrei vom 1. FSV Mainz 05 zu Union Berlin. 

Mitchell Weiser: Er erzielte das Goldene Tor im EM-Finale gegen Spanien. Damals galt er als baldiger Kandidat für das DFB-Team, in der Folge wurde es aber ruhiger um den Außenverteidiger und Flügelspieler. Bei Bayer Leverkusen spielte er zuletzt kaum mehr eine Rolle. 

Die deutsche U21-Nationalmannschaft ist Europameister. Lukas Nmecha erzielt das entscheidende Tor und äußert sich anschließend zur Teamleistung.
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Nmecha töntnach EM-Triumph: "Wir waren die Besten!"

Stürmer bei der U21-EM 2017

Maximilian Philipp: Nach der erfolgreichen U21-EM wechselte der Stürmer vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund. Kostenpunkt: 20 Millionen Euro. Floppte beim BVB und steht mittlerweile bei Dynamo Moskau unter Vertrag, spielte in der vergangenen Saison aber per Leihe in Wolfsburg. Die Wölfe besitzen eine Kaufoption, die sie wegen drei Tore in Philipps letzten beiden Partien womöglich auch ziehen werden. 

Felix Platte: Bei der U21-EM erzielte der Mittelstürmer einen wichtigen Treffer im Halbfinale gegen England. Nach dem Turnier wechselte er vom FC Schalke zu Darmstadt 98. Überzeugen konnte der 25-Jährige dort selten, in diesem Sommer geht es ablösefrei weiter zum SC Paderborn. 

Davie Selke: Für die U21 traf der Torjäger in 15 Partien neunmal. Nach der EM 2017 wechselte er von RB Leipzig zu Hertha BSC. Die großen Erwartungen konnte er in der Folge aber nicht erfüllen. Stieg nun mit Werder Bremen ab, war allerdings nur ausgeliehen, kehrt zu Hertha BSC zurück und bleibt in der Bundesliga. Für einen Stammplatz wird er sich aber deutlich steigern müssen. 

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