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Werder Bremen: Ex-Profi Abdullah Dogan saß in der Ukraine fest

Ex-Werder-Profi „mittendrin im Horror“

Eigentlich wollte Abdullah Dogan einen Vertrag in der Ukraine unterschreiben. Doch plötzlich ist er im Krieg in Angst und Schrecken. Bei SPORT1 spricht der Ex-Werder-Profi darüber.
Abdullah Dogan war als Fußballer in der Ukraine aktiv
Abdullah Dogan war als Fußballer in der Ukraine aktiv
© SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago/instagram.com/abdullah.dogan_10
Eigentlich wollte Abdullah Dogan einen Vertrag in der Ukraine unterschreiben. Doch plötzlich ist er im Krieg in Angst und Schrecken. Bei SPORT1 spricht der Ex-Werder-Profi darüber.

Abdullah Dogan wollte eigentlich nur Fußball spielen und plötzlich war er mittendrin im Krieg.

Sein Plan war es, beim ukrainischen Erstligisten Metalist Kharkiv 1925 einen neuen Vertrag unterschreiben, doch daraus wurde nichts.

Seit vergangenem Donnerstag, als der Krieg ausbrach und der russische Präsident Wladimir Putin die ersten Raketen auf die Ukraine abfeuern ließ, hatte Dogan in Charkiw festgesessen.

Es waren Tage der Angst und Ungewissheit für den Fußballer, der seine Karriere in der Jugend von Werder Bremen begonnen hatte. 2016 wurde er bei den Grün-Weißen Profi. Am Mittwochabend landete der 25-Jährige in Hamburg und brachte sich so in Sicherheit.

Dogan: „Es wird immer schlimmer“

„Mir geht es etwas besser, aber ich bin mit meinen Gedanken noch in der Ukraine bei den Kindern und älteren Menschen, die es so schwer haben“, sagte Dogan im Gespräch mit SPORT1. „Es wird immer schlimmer und ich habe Probleme, das aus meinem Kopf raus zu bekommen. Ich bete zu Gott, dass sie alle es auch schaffen werden.“

Er wollte einen Neustart machen: „Doch an dem Tag, als ich meinen Profivertrag unterschreiben sollte, musste ich mitbekommen, dass Krieg herrscht. Seitdem war ich mittendrin in dem Horror.“ (Putin Krieg gegen die Ukraine und seine Auswirkungen auf den Sport: Alle News im Liveticker)

Fünf Tage wusste er nicht, wie es weitergeht, nachts fand der gebürtige Bremer im U-Bahn-Schacht oder im Keller eines Wohnhauses Zuflucht. “Die Zustände auf dem Bahnsteig waren katastrophal. Wir waren 500 bis 700 Menschen, alle waren verzweifelt und saßen voller Angst nur rum“, beschrieb Dogan die Umstände.

“Die ukrainischen Soldaten hatten versucht, uns zu retten und schafften es auch. Die Russen wollten uns über den Tunnel kriegen. Als wir draußen waren, hörten wir auch schon Schüsse. Es war schrecklich.“

Einst unter Kohfeldt gespielt

Die vergangenen Tage nannte er „extrem schwer“. Vor allem emotional sei es eine Ausnahmesituation gewesen.

„Es brach mir fast das Herz, als ich die Kinder im U-Bahn-Bereich sah. Ich habe mit ihnen gespielt und habe versucht, sie mit guter Laune abzulenken, damit sie gar nicht die Bomben-Geräusche hören“, erinnert sich Dogan, der in der 2. Mannschaft von Werder Bremen einst unter Trainern wie Viktor Skripnik, Alexander Nouri und Florian Kohfeldt spielte und mit Maximilian Eggestein und Niklas Schmidt kickte.

Zuletzt spielte er bei Oberligist TB Uphusen vor den Toren von Bremen.

Verzweifelt versuchten seine Familie und er, die deutsche Botschaft um Hilfe zu bitten. Doch die Vertretung in Kiew ist geschlossen, die Situation unübersichtlich. Weil er bei der Notfall-Nummer des Auswärtigen Amtes keinen Erfolg hatte, wandte er sich an die türkische Botschaft in Ankara.

„Ich musste Hilfe holen, habe es auch beim deutschen Amt versucht, sie waren auch sehr nett zu mir. Die türkischen Behörden haben dann im Fernsehen mitbekommen, dass wir im Keller saßen.“ Seit Dienstag ist der Spuk für Dogan vorbei. „Ich bin nicht erleichtert, aber schon froh, wieder meine Verlobte und meine Familie sehen zu können.“