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Deutsche Fußball-Legende: "Mein Gott, ich fühle mich ferngesteuert“

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„Ich fühle mich ferngesteuert“

Günter Netzer feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag. Mit unkonventionellem Stil prägte er die Bundesliga, gewann Titel und führte ein faszinierendes Leben fernab des Rasens.
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Er war der erste Popstar des deutschen Fußballs, besaß eine Diskothek, galt als Genie auf dem Platz und formte den HSV zum Weltverein. Jetzt wird Günter Netzer 80. Rückblick auf eine beeindruckende Karriere.
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Günter Netzer feiert am Samstag seinen 80. Geburtstag. Mit unkonventionellem Stil prägte er die Bundesliga, gewann Titel und führte ein faszinierendes Leben fernab des Rasens.

Kaum einer wie Günter Netzer hat die deutsche Fußballlandschaft so geprägt. Am Samstag feierte der ehemalige Nationalspieler, Manager und TV-Experte seinen 80. Geburtstag. Dabei blickt er auf ein Leben zurück, das so viele Facetten hat, dass es fast scheint, als habe er mehrere Leben gleichzeitig geführt. Fußballprofi, Manager, Geschäftsmann, TV-Ikone – und das stets mit unverwechselbarem Stil.

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Netzer, der einstige Mittelfeldregisseur von Borussia Mönchengladbach, war nicht nur einer der besten Spieler seiner Zeit, sondern auch einer der eigenwilligsten. Seine langen Pässe, seine kreative Spielweise und sein untrügliches Gespür für den Moment machten ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit auf dem Platz. Er war bekannt dafür, „aus der Tiefe des Raumes“ zu kommen.

Günter Netzer wurde am 14. September 1944 in Mönchengladbach geboren
Günter Netzer wurde am 14. September 1944 in Mönchengladbach geboren

Netzer: „Alles im Leben ist Bestimmung“

Legendär ist seine Szene im DFB-Pokalfinale 1973 gegen den 1. FC Köln: Bei einem Stand von 1:1 in der Verlängerung wechselte er sich selbst ein – ein ungewöhnlicher Akt des Selbstbewusstseins. Nur wenige Minuten später erzielte er das Siegtor zum 2:1, das die Gladbacher zum Pokalsieger machte. „Alles im Leben ist Bestimmung“, erinnerte sich Netzer in einem kicker-Interview 2019 an diese magischen Minuten.

Seine Zeit bei Borussia Mönchengladbach (1963-1973) war wohl die kreativste Phase seiner Karriere. In der Nationalmannschaft war das anders.

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„Die Spieler aus den verschiedenen Vereinen waren nicht so auf mich eingestellt wie die Gladbacher“, erklärte der 80-Jährige dem kicker. Es war der Einfluss von Franz Beckenbauer und Wolfgang Overath, der ihn letztlich davon überzeugte, sich intensiver im Nationalteam zu engagieren. Sie sagten zu ihm: „Nur durch die Nationalmannschaft wird man weltberühmt.“ Trotz oder gerade wegen dieser Ambivalenz wurde Netzer 1972 Europameister und 1974 Weltmeister mit Deutschland.

Nach seinen Erfolgen bei Mönchengladbach zog es Netzer ins Ausland. Bei Real Madrid spielte er von 1973 bis 1976 und gewann dort zweimal die spanische Meisterschaft sowie den spanischen Pokal.

Netzer fühlte sich „ferngesteuert“

Doch auch abseits des Platzes bewies er Talent – vor allem im Unternehmertum. In Mönchengladbach hatte er bereits während seiner aktiven Karriere die Diskothek „Lovers Lane“ eröffnet und machte sich damit auch im Nachtleben einen Namen. Später gründete er in Zürich eine erfolgreiche Werbeagentur und handelte mit Fernsehrechten, was ihn zu einem der einflussreichsten Geschäftsleute im Sport machte.

„Ich habe verschiedene Karrieren erfolgreich beendet, weiß aber nicht, wie all das entstand. Teilweise habe ich gesagt: Mein Gott, ich fühle mich ferngesteuert“, fasste Netzer zusammen.

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„Am Samstag stehen elf Geschäftsleute auf dem Platz, von denen jeder seine eigenen Interessen vertritt“, hatte er einst gesagt und damit auf den Punkt gebracht, was viele damals noch nicht wahrhaben wollten: Fußball war nicht nur ein Sport, sondern auch ein Geschäft. Diese Sichtweise stieß damals auf heftige Kritik. Doch Netzer blieb sich treu.

„Ich war nicht so besessen vom absoluten Erfolg, sonst hätte ich sicher die Klasse von Pelé erreicht“, reflektiert Netzer heute: „Aber das gehört nicht zu meinem Charakter.“ Es ist beeindruckend, wie er selbst auf seine Karriere zurückblickt. Er habe „zu keinem Zeitpunkt irgendwas bedauert“. Er sei „ein Glückskind, das das so erleben konnte und dessen Karriere so verlief, wie ich sie mir besser nicht hätte vorstellen können.“

Als Manager des Hamburger SV von 1978 bis 1986 feierte er erneut große Erfolge. Unter seiner Leitung gewann der HSV drei deutsche Meisterschaften und den Europapokal der Landesmeister, den heutigen Champions League-Titel. Nach seiner Karriere als Spieler und Manager zog es Netzer in die Medienwelt. Als ARD-Fußballexperte wurde er zusammen mit Gerhard Delling zur Legende. Die beiden gewannen nicht nur den renommierten Grimme-Preis für ihre humorvollen und pointierten Diskussionen, sondern prägten auch eine ganze Generation von TV-Zuschauern.

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Rückzug aus dem Rampenlicht

In den letzten Jahren hat sich Netzer zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Mit seiner Frau Elvira und Tochter Alana führt er ein ruhiges Leben in Zürich und auf Sylt.

Mit 80 Jahren ist Günter Netzer mehr als nur eine Fußballlegende – er ist ein Mensch, der den Fußball geprägt, gelebt und geliebt hat und der es verstanden hat, all das mit Stil und Klasse zu verbinden. Und auch wenn das Knie schmerzt und der Rücken nicht mehr so will wie früher, beklagt er sich nicht: „Zu meinem 80. Geburtstag muss ich nicht getröstet, sondern beglückwünscht werden, und zwar erstens, dass ich überhaupt diese Anzahl an Jahren erreichen durfte, sowie – zweitens – in dieser Verfassung.“