Beängstigend, beschämend, bizarr - an blumigen Begriffen mangelt es nicht, um das Geschehen von Rabat am späten Sonntagabend zu beschreiben. Sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino („indiskutabel“) fand treffende Worte.
Die Folgen des Desasters beim Afrika-Cup dürften schmerzhaft sein
Ein kolossales Desaster
Die chaotischen Vorgänge rund um das Finale des Afrika-Cups zwischen dem Senegal und Gastgeber Marokko waren der Veranstaltung ohne Zweifel unwürdig. Und sind zugleich maximal kontraproduktiv für die Weiterentwicklung und Professionalisierung des traditionsreichen Turniers, das im globalen Wettkampfkalender um seinen Status kämpft.
Allein über die Nachspielzeit der Partie ließe sich ein Roman schreiben. Dass das Drehbuch den Senegalesen mit gleich zwei strittigen Entscheidungen zu ihren Ungunsten nicht gefiel, ist nachvollziehbar. Dass ihre Gemüter durch die angebliche logistische Benachteiligung im Vorfeld zusätzlich erhitzt waren, spielte wohl auch eine Rolle.
Afrika-Cup: Imageschaden mit Folgen
Und doch war der mehr als nur angedeutete Boykott das politisch komplett falsche Mittel und befeuerte die weitreichende Eskalation. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass daran wirklich alle Parteien ihren gehörigen Anteil hatten. Senegal-Trainer Pape Thiaw sah seinen Fehler im Nachhinein immerhin ein: „Wir entschuldigen uns beim Fußball.“
Was hochtrabend klingt, hat durchaus seine Berechtigung: Selbst ohne Neigung zum Pauschalurteil muss man festhalten, dass die Angelegenheit für den Sport in Afrika ein kolossales Image-Desaster darstellt.
Und natürlich fallen die Geschehnisse neben dem Senegal, der nun disziplinarische Konsequenzen fürchten muss, auch auf Marokko zurück. Für den so ambitionierten Gastgeber könnte am Sonntagabend mehr zu Bruch gegangen sein als ein Titeltraum.
WM-Finale in Marokko? Erscheint nun unrealistisch
Die Nordafrikaner richten 2030 zusammen mit Portugal und Spanien die Weltmeisterschaft aus.
Noch macht man sich sogar Hoffnungen, das Endspiel des größten Sportereignisses der Welt austragen zu dürfen. Im Umland von Casablanca entsteht auch deshalb ein gigantisches Stadion mit der Kapazität von 115.000 Zuschauern.
Nicht nur wegen der Schelte von Infantino, der den Kontinentalverband CAF aufforderte, „entsprechende Maßnahmen“ zu ergreifen, darf man nun bezweifeln, dass dieser Traum Wirklichkeit wird.