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Das fordert Effenberg von Schalke

Das fordert Effenberg von Schalke

Nach dem Beben auf Schalke rät SPORT1-Experte Stefan Effenberg den Königsblauen zu weiteren Maßnahmen - und sagt, was der neue Trainer leisten muss.
Shkodran Mustafi, Klaas Jan Huntelaar und Sead Kolasinac sollen sich auf Schalke für die Entlassung von Christian Gross eingesetzt haben. Stefan Effenberg fällt im Doppelpass ein vernichtendes Urteil.
Stefan Effenberg
von Stefan Effenberg
28.02.2021 | 21:26 Uhr

Liebe Fußball-Freunde,

Schalke 04taumelt nach dem Rauswurf der fast kompletten Führungsetage immer unaufhaltsamer Richtung vierter Bundesligaabstieg. Aber noch viel desaströser als die sportliche Leistung ist das Bild, das der Verein und die Mannschaft abseits des Feldes abgeben.

Nachdem sich in Sead Kolasinac, Shkodran Mustafi und Klaas-Jan Huntelaar vor dem Spieltag wohl drei Führungsspieler für die Ablösung von Trainer Christian Gross stark gemacht hatten, war mir klar, dass da was passieren wird: Entweder es passiert das, was nun passiert ist oder am Montag werden die drei Spieler Huntelaar, Kolasinac und Mustafi entlassen.

Ein schlechteres Bild kann man nicht abgeben, als das, was Schalke über die gesamte Saison zeigt.

Führungsspieler verhalten sich nicht so. Das macht man nicht. Da sollte man die Eier in der Hose haben und zuerst mal das Gespräch mit dem Trainer suchen. Damit haut man das Messer in den Rücken von Christian Gross. Sowas hat im Profi-Fußball überhaupt nichts zu suchen.

Aber nicht nur diese drei Spieler stehen nun im Fokus, der gesamte Kader muss hinterfragt werden. Die restlichen Spiele bis zum wohl unvermeidlichen Abstieg sind ein Charaktertest.

Es muss die Frage gestellt werden, welche Spieler überhaupt bereit sind, mit in die zweite Liga zu gehen. Einem Mustafi oder auch einem Kolasinac muss man die Frage stellen: Gehst du mit in Liga zwei? Sollte das nicht der Fall sein, muss man direkt den nächsten Schritt gehen und auch diese Spieler freistellen.

Das ist die wichtigste Aufgabe des neuen Schalke-Trainers

Das Problem ist nur, wer soll diese Frage stellen? Eigentlich muss man jetzt einen Trainer holen, der für die nächsten eineinhalb, zwei Jahre zuständig ist.

Das muss einer sein, der jetzt schon den Kader filtert und sagt: Das sind die Spieler, mit denen möchte ich zusammenarbeiten, das sind die richtigen Charaktere. Einen kommissarisch einzusetzen und im Sommer wieder einen zu holen, wird nicht funktionieren. Der Trainer braucht doch jetzt schon die Zeit, um gewisse Dinge zu erkennen.

Die wichtigste Aufgabe des neuen Trainers - des fünften (!) in der laufenden Spielzeit - wird es sein, eine Hierarchie in der Mannschaft aufzubauen. Ob das allerdings gelingt, scheint mir mehr als fraglich. Immerhin sind vor Gross schon viele andere Trainer an dieser Aufgabe gescheitert.

Dass die Hierarchie momentan komplett fehlt, zeigte sich am besten im Spiel gegen den VfB Stuttgart beim Elfmeter. Dass da in Nabil Bentaleb einer kommt, der schon sechsmal suspendiert wurde und sich den Ball schnappt - in einer guten Schalke Phase - das zeigt mir, dass es in dieser Mannschaft keinerlei Hierarchie gibt.

Einerseits kann man es positiv sehen. Er will Verantwortung übernehmen. Andererseits hat eine gesunde Mannschaft eine Hierarchie und die klärt in so einer Situation selbstständig, wer den Elfer schießt.

Eine Blamage – und zwar die allergrößte

Apropos Scheitern wie Schalke: Was veranstalten unsere Bundesliga-Vertreter eigentlich in der Europa League?

Als einzige Mannschaft nach den Schalker Euro-Fightern hat uns Frankfurt in der Saison 2018/19 mit dem Einzug ins Halbfinale würdig vertreten. Das war sehenswert. Alle Achtung vor dieser Leistung. Aber Hoffenheim gegen Molde oder Leverkusen gegen Bern - das war eine Katastrophe für den deutschen Fußball.

Wie kann Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß nach der Niederlage sagen, dass das keine Blamage ist? Natürlich war das eine Blamage - und zwar die allergrößte.

Immerhin sieht es so aus, als wenn wir endlich mal wieder ein spannendes Titelrennen bis zum Saisonende bekommen würden.

Wie RB Leipzig am Samstag nach einem 0:2-Rückstand gegen Borussia Mönchengladbach zurückgekommen ist und sich doch noch den Sieg gesichert hat, war schon beeindruckend. Sie haben die Gladbacher in Hälfte zwei permanent gejagt.

Leipzig kann Meister werden

Ja, sie hatten einen Vorteil: Sie hatten keine englische Woche wie die Gladbacher. Das hat sich hintenraus ausgezahlt. Aber es war ein verdienter Sieg. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Damit kommt es am 27. Spieltag zum großen Showdown. Leipzig hat aktuell fünf Spiele in Folge gewonnen und kann deutscher Meister werden. Aber Bayern München ist der Topfavorit. Sie wissen, dass sie jederzeit antworten können.

Ganz anders ist die Gefühlslage beim Leipziger Gegner. Die Fohlen scheinen nach einem angekündigten Trainerwechsel erneut die Saison zu vermasseln.

Mit Rose wiederholt sich die Geschichte

Bereits vor zwei Jahren hatte man nach der Bekanntgabe der Trennung von Dieter Hecking die Qualifikation für die Champions League nicht mehr geschafft. Man gefährdet seine Ziele, wenn man so eine Entscheidung bekannt gibt. (Die Tabelle der Bundesliga)

Mit Marco Rose scheint sich die Geschichte am Bökelberg nun zu wiederholen.

Aber auch für Rose selbst birgt die Situation Gefahren. Gewinnen kann er eigentlich nur noch, wenn er den Pokalsieg holt - nichts anderes.

Bis bald, Euer

Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 52-Jährige mit Marcel Reif und Mario Basler das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.