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Droht Bayern das nächste Theater?

Droht Bayern das nächste Theater?

Kingsley Coman will mit Pini Zahavi sein Gehalt verdoppeln. Die Bosse des FC Bayern geben sich entspannt. Ein zweiter "Fall Alaba" soll jedoch vermieden werden.
Im exklusiven SPORT1-Interview sprechen Uli Hoeneß und Oliver Kahn auch über eine mögliche Verlängerung mit Kingsley Coman.
Maximilian Schwoch
von Maximilian Schwoch
am 4. Juni

Das nächste Transfertheater beim FC Bayern München kündigt sich an.

Erst vor wenigen Tagen wurde die Akte David Alaba mit dem verkündeten Wechsel zu Real Madrid endgültig geschlossen, nun gibt es um den nächsten Spieler Wirbel. Kingsley Coman scheint offenbar eine ähnliche Taktik wie Alaba fahren zu wollen.

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Der Vertrag des Franzosen läuft noch zwei Jahre, der 24-Jährige, der 2015 von Juventus Turin kam, würde gerne in München bleiben. Auch der Rekordmeister will mit dem Siegtorschützen des Champions-League-Finales von 2020 verlängern. Doch die Gespräche sind ins Stocken geraten.

Coman will rund 20 Millionen Euro Gehalt

Grund dafür sind offenbar die immensen Gehaltsforderungen Comans. Wie SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg in der neuen Folge des SPORT1-Podcasts "Meine Bayern-Woche" berichtet, soll das derzeitige Gehalt des Flügelspielers bei schätzungsweise 12 Millionen Euro brutto liegen. Die Münchner sollen ihm eine Million Euro mehr bieten.

Coman möchte sein Gehalt allerdings verdoppeln und fordert einen Betrag von um die 20 Millionen Euro brutto pro Jahr. Zur Erinnerung: Auch Alaba hatte solch eine Summe gefordert und damit die Bayern-Bosse verärgert, sodass die Verhandlungen letztendlich platzten und er sich ablösefrei den Königlichen anschloss.

Der Mann hinter Forderungen ist der gleiche: Pini Zahavi. Der 77 Jahre alte Israeli, im Zuge der Alaba-Verhandlungen von Uli Hoeneß im September 2020 im CHECK24 Doppelpass als "geldgieriger Piranha" bezeichnet, ist seit einigen Wochen bei Coman mit im Boot.

Offiziell soll der ehemalige Sportjournalist zwar nur Angebote von englischen Topklubs einholen, während Coman weiter von seinem Vater beraten wird. Allerdings weiß Zahavi genau, welche Summen die internationalen Topstars verdienen. Auch im Gehaltsgefüge der Bayern kennt er sich bestens aus, er ist ebenfalls Berater von Bayerns Topverdiener Robert Lewandowski, hat den aktuellen Vertrag des Weltfußballers verhandelt.

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Bayern-Bosse positionieren sich deutlich

In ähnliche Gehaltssphären will nun offenbar auch Coman aufsteigen. Doch das dürfte nicht passieren. Im SPORT1-Interview positionierten sich Hoeneß und Oliver Kahn, der schon ab der kommenden Saison Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden des Meisters ablösen wird, klar und deutlich.

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"Wir waren einfach nicht bereit, den geforderten Preis für ihn zu bezahlen", erklärte in Bezug auf Alaba und fügte an: "Das wird auch in Zukunft so sein: Wenn Preise aufgerufen werden, die nicht darstellbar sind, dann wird's keine Vertragsverlängerung beim FC Bayern geben."

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Kahn ergänzte mit Hinblick auf die teils hochverschuldeten europäischen Topklubs: "Die haben immer diese Gehälter weiterbezahlt. Jetzt stehen sie vor erheblichen Problemen. Das möchte ich mit Bayern München nicht erleben. Wir haben hier im Klub mit Blick auf wirtschaftliche Aspekte unsere klaren Vorstellungen. Deshalb bin ich, auch was Verhandlungen mit Zahavi betrifft, äußerst entspannt."

Auch der scheidende Bayern-Boss Rummenigge hatte sich im kicker besorgt über den "Turbokapitalismus" gezeigt und auch an die aktuelle Corona-Lage erinnert: "Ich glaube, sehr wenige Menschen haben in dieser existenziellen Krise Verständnis, wenn ein Fußballprofi schon 15 Millionen im Jahr verdient und dann mit 19,5 Millionen nicht zufrieden ist."

Eine indirekte Kritik an Alaba, aber auch eine Ansage an Coman. Nicht, dass aus "kleineren Brötchen" wieder "ausgewachsene Baguettes" werden, wie es Rummenigge offenbar bei Bayerns Verhandlungen mit Upamecano-Berater Volker Struth erlebte.

Verlängert Coman nicht, wird er verkauft

Die Baustelle Coman ist dank des Vertrages bis 2023 bei den Bayern noch keine akute, allerdings auch keine, die groß aufgeschoben werden sollte. Es gibt zwei Optionen: Entweder Coman verlängert zu den ihm angebotenen Konditionen, die eine eher moderate Gehaltserhöhung vorsehen dürften, oder er wird verkauft.

Einen ablösefreien Abgang wie im Fall Alaba soll es nicht noch einmal geben. Spätestens im Sommer 2022 muss eine endgültige Entscheidung gefallen sein. Dies ist der letzte Zeitpunkt, an denen die Bayern noch eine adäquate Ablösesumme für den französischen Nationalspieler generieren könnten.

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Auch ein Verkauf in diesem Sommer scheint unter gegebenen Umständen nicht völlig ausgeschlossen zu sein. Allerdings müsste sich dann ein Klub finden, der den Ablöseforderungen des Klubs von der Säbener Straße nachkäme. Gleichzeitig müssten auch die Bayern einen Ersatz finden.

Fest steht aber auch: Je länger sich die Verhandlungen mit Coman hinziehen, desto mehr Unruhe könnte das für den Rekordmeister mit sich bringen. Droht Bayern gar ein größeres Theater als mit Alaba?

Aktuell weilt Coman im Kreis der Nationalmannschaft. Dort dürfte er auch mitbekommen, was Stars wie Karim Benzema, Antoine Griezmann oder Kylian Mbappé bei ihren jeweiligen Vereinen verdienen – wenn er das nicht sowieso schon weiß.

Sollte Coman bei der WM mit dem Weltmeister überzeugen, dürfte ihn das in seinen Forderungen nur noch bestärken. Aber auch der Rekordmeister sollte aus den geplatzten Verhandlungen mit Zahavi und Alaba seine Schlüsse gezogen haben. Auch deshalb geben sich Kahn & Co. nach außen entspannt - und gleichzeitig klar.