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Beißt sich Bayern auf die Zunge?

Beißt sich Bayern auf die Zunge?

Herbert Hainer wischt das Interesse an Erling Haaland weg, welches Hasan Salihamidzic im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 bekundet. Alles nur Strategie? Die Zwickmühle des FC Bayern.
Noch im August hatte Hasan Salihamidzic angedeutet, dass Haaland Interesse beim Rekordmeister weckt, nun machte Bayern-Präsident Hainer eine Ansage in Richtung des jungen Norwegers.
Lukas von Hoyer
Lukas von Hoyer
von Lukas von Hoyer

„Da muss man hinschauen, sonst wären wir ja Vollamateure.“

Hasan Salihamidzic gab bereits im August im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 die Richtung in der Causa Erling Haaland vor - und er verriet gleichzeitig, dass er durchaus die Entwicklung des Norwegers im Blick hat.

„Das ist ein Top-Spieler, auch ein super Junge, wie ich höre. 60 Tore in 60 Spielen. Da schaut man hin, aber er ist ein Dortmund-Spieler“, schwärmte der Sportvorstand des FC Bayern im Dopa. Eine derart offensive Aussage zum Shootingstar der Bundesliga hatte es aus München zuvor noch nicht gegeben.

Doch aktuell sind wieder andere Töne von der Säbener Straße zu vernehmen.

Hainer: Haaland-Frage stellt sich bei uns nicht

„Wir haben in Robert Lewandowski den amtierenden Weltfußballer, der jede Saison Tore schießt wie kein Zweiter“, sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer der Süddeutschen Zeitung. Die Frage nach einem Ausnahmestürmer aus Norwegen stelle sich demnach „bei uns nicht“.

Also was jetzt - schielen die Bayern nach Dortmund oder nicht?

Es wirkt fast ein wenig, als hätte der Präsident seinen Sportvorstand zurückgepfiffen. Das Interesse, das Salihamidzic unumwunden zur Schau gestellt hatte, wischte Hainer vom Tisch. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Klar ist, dass die Verantwortlichen im Klub eine Meinung haben werden. Die Aussagen von Hainer sind daher als strategisch zu betrachten. Doch warum sprechen die Bayern nicht mit einer Zunge?

FC Bayern bei Haaland und Lewandowski in der Zwickmühle

Ein Teil der Wahrheit ist, dass sich der deutsche Rekordmeister in einer verzwickten Lage befindet.

Mit Lewandowski hat der Klub tatsächlich den vielleicht besten Stürmer der Welt in den eigenen Reihen. Das Letzte, was man tun will, ist den Polen zu vergraulen. Und ein solcher Top-Star, bei dem Interessenten sofort Schlange stehen würden, hat in der Regel ein dünnes Fell.

Die andere Seite der Medaille ist, dass die Bayern auch über die Zeit nach Lewandowski nachdenken müssen. Der Stürmer ist 33 Jahre alt. Zwar ist er körperlich noch top in Schuss, doch ewig kann auch er nicht auf dem Rasen stehen. Und keiner weiß so recht, wie lange Lewandowski sein Niveau halten kann - und ob ihn nicht doch noch der Entdeckergeist packt und er zum Ende seiner Karriere ein Abenteuer in Madrid oder anderswo sucht.

Am 29. November wird der Ballon d'Or verliehen. Nun wurde die Shortlist für den Titel bekannt gegeben. Als zwei heiß gehandelte Kandidaten gelten Robert Lewandowski und Karim Benzema.
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Ballon d'Or: Benzema besser als Lewandowski?

Hainer will von Frust bei Lewandowski nichts wissen

„Ich muss mich nicht in einer anderen Liga beweisen“, sagte er zwar jüngst. Doch der Pole fiel auch schon durch unterschiedliche Aussagen auf. Und in diesen scheint das ein oder andere Mal ein wenig Strategie mitzuschwingen. Noch im Juli erkundigte sich Berater Pini Zahavi proaktiv bei Bayerns Bossen, ob ein Wechsel Lewandowskis schon im Sommer 2021 ein Thema werden könnte. Die klare Antwort: Nein!

Auch jetzt betonte Präsident Hainer noch einmal, welch große Stücke man auf den Polen hält. „Lewandowski weiß, wie sehr wir ihn wertschätzen. Er ist für mich der weltbeste Stürmer, gerade Weltfußballer geworden, spielt seit Jahren auf einem hohen Niveau. Wir sind unheimlich happy, dass wir ihn haben“, betonte der Boss bei der Einweihung der neuen Vereinsgaststätte „1900″.

Auch Gerüchte über Frust bei Lewandowski wegen der Spekulationen um Haaland bestritt Hainer entschieden: „Das kann ich überhaupt nicht sagen. Ich war mit ihm vor einer Woche zusammen, als ihm der Goldene Schuh überreicht wurde. Ich habe länger mit ihm gesprochen, und da ist es mir überhaupt nicht aufgefallen.“

Bayern muss bald Farbe bekennen

Zurück zum Thema Strategie: War es also eine klare Strategie der Bayern, dass Salihamidzic einen kleinen Vorstoß wagte und Hainer beruhigend in Richtung Lewandowski einwirkt - wie Bepanthen auf der Haut, wo sich eine offene Wunde andeutet? Möglich.

Das Problem ist, dass sich die Münchner schon bald auf eine Marschroute einigen müssen.

Immerhin scheint Haaland das Potenzial zu haben, einmal der beste Stürmer der Welt zu werden - und er spielt schon in der Bundesliga, quasi direkt vor Bayerns Nase. Es wäre wohl naiv, sich nicht alle Optionen offenhalten zu wollen.

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Längst beobachten alle europäischen Topklubs die Entwicklung des 21-Jährigen. Im Sommer wird er den nächsten Schritt gehen - daran bestehen nur wenige Zweifel.

Für eine Ausstiegsklausel, die nach SPORT1-Informationen bei 85 Millionen Euro liegt, kann er den BVB verlassen. Und es gibt mehrere Klubs, die diese Summe nur zu gern nach Dortmund überweisen würden. Bayern muss bald Farbe bekennen, denn um Haaland zu bekommen, müssten viele Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Kann der FC Bayern Haaland überhaupt finanzieren?

Die Ablösesumme könnte sich der FC Bayern definitiv leisten. Doch damit ist es nicht getan. Haalands berüchtigter Berater Mino Raiola hat ein Jahresgehalt von 24 Millionen Euro für seinen Klienten ausgerufen. Und zwar netto. Das entspräche in etwa einem Salär von 50 Millionen Euro brutto.

Mit seinen Gehaltsforderungen ist Raiola damit in Sphären unterwegs, die beim FCB indiskutabel sind.

Mit Joshua Kimmich unterschrieb jüngst ein Aushängeschild des Klubs einen neuen Vertrag für ein Jahresgehalt von über 15 Millionen Euro brutto. Topverdiener ist aktuell Lewandowski mit über 20 Millionen.

Haaland würde das Gehaltsgefüge, welches an der Säbener Straße sensibel ist, komplett sprengen.

BVB-Cheftrainer Marco Rose spricht in der Pressekonferenz über die immer wieder auftretenden Verletzungen seiner Spieler. Dabei erzählt er auch wie sich Erling Haaland wirklich verletzt hat.
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Verplappert? So verletzte sich Haaland wirklich

Es ist nicht vorstellbar, dass die Bayern Haaland ein derartiges Gehalt anbieten. Andere Klubs würden das womöglich tun, weswegen sich die Frage stellt, ob die Münchner überhaupt eine Chance haben. Doch Haaland liegt auch der Erfolg und die Mannschaft am Herzen, das merkt man in Dortmund.

Den Bayern bleibt also eine Charmeoffensive und der Hinweis auf ein intaktes Teamgefüge, familiäre Werte, die Chance auf eine ganze Menge Titel und ein ruhigeres Umfeld als beispielsweise in Madrid oder Barcelona, wo es noch schneller hoch her geht.

Mit diesen Argumenten dürften Salihamidzic und Co. zumindest ihre Chancen bei Haaland ausloten - denn wie der Sportvorstand schon klarstellte: „Sonst wären wir ja Vollamateure.“

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