Anzeige

BVB in „dreckiger Phase“

BVB in „dreckiger Phase“

Borussia Dortmund feiert einen knappen Sieg gegen Stuttgart. Die Leistung lässt allerdings zu wünschen übrig - und es gibt in einer entscheidenden Phase noch mehr Probleme.
Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verkneift sich auf der Mitgliederversammlung eine Spitze gegen den FC Bayern, sendet aber dennoch einen Gruß nach München.
Lukas von Hoyer
Lukas von Hoyer
von Lukas von Hoyer

Es war ein Arbeitssieg, oder auch ein „Scheiß-Spiel“, wie es SPORT1-Experte Stefan Effenberg im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 nannte.

Mit 2:1 gewann Borussia Dortmund gegen den kriselnden VfB Stuttgart und musste nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Gäste bis zur 85. Spielminute zittern, bis Marco Reus den BVB erlöste.

„Das Spiel gestern war ordentlich von beiden Seiten. Wir hatten ein glücklicheres Ende, aber der Sieg ist verdient“, analysierte Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag die Partie im Gespräch mit SPORT1.

So wirklich zufrieden dürfte in Dortmund aber auch er nicht mit der Leistung der Schwarzgelben gewesen sein. Aus diesem Grund gibt es zwei Deutungen des knappen Sieges.

Die von Effenberg: „Dortmund hätte dieses Spiel vor ein paar Wochen nicht gewonnen. Sie haben die Ruhe nach dem 1:1 gehabt. Das sind Scheiß-Spiele, aber das ist egal am Ende.“

Und die des Ex-Dortmunders Neven Subotic, der im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 sagte: „Es passt noch nicht. Zum Glück haben sie das noch gerettet, aber wie lange geht das noch gut?“

Subotic: Der BVB ist in einer „dreckigen“ Phase

Subotic stand von 2008 bis 2018 fast zehn Jahre beim BVB unter Vertrag. Mit den Borussen gewann er zweimal die Deutsche Meisterschaft. Das Prunkstück war damals die Defensive - und genau diese macht derzeit Sorgen.

„Sie kassieren Tore, daher sind sie nicht stabil. Es gibt immer wieder Situationen, wo man sich an den Kopf greift“, sagte Subotic: „Die Mannschaft muss sich noch finden und die Spieler etablieren. Da sind solch dreckige Phasen ein Teil des Prozesses. Sie sind aber auf dem Weg nach vorne. Bei uns hat die Stabilität auch Zeit gekostet. Es bedarf Zeit, sie sind noch im grünen Bereich.“

Möglich erscheint das auf jeden Fall, denn nach der überraschenden Pleite des FC Bayern in Augsburg (1:2) beträgt der Rückstand auf den Spitzenreiter aus Münchner nur einen Punkt. „Der FC Bayern ist noch weit vom Titel entfernt“, machte Effenberg klar.

Watzke und Zorc verzichten auf Ansage an die Bayern

Am 4. Dezember kommt es dann zum großen Showdown, wenn der BVB die Bayern empfangen wird. Historisch gesehen wäre da eine Kampfansage der Dortmunder als Spieltags-Sieger durchaus typisch. Eine solche blieb aber aus.

„Es geht nicht immer nur im Hinblick auf Bayern“, sagte Zorc bei SPORT1: „Das nächste Spiel ist in Wolfsburg, da muss man nur mal auf die Tabelle schauen, um zu sehen, dass das kein Kindergeburtstag wird. Danach kommt das Spiel gegen die Bayern. Ich würde gerne Schritt für Schritt gehen wollen und nicht jetzt, wie Aki (Watzke, d.Red.) es auch gemacht hat, keine großen Reden schwingen und Ankündigungen machen.“

Watzke, früher nicht zimperlich wenn es galt, Spitzen in Richtung FC Bayern zu setzen, hatte zuvor auf der Mitgliederversammlung des BVB ungewöhnlich wenig scharfe Töne gefunden. „Es ist nicht die Zeit, um große Kampfansagen zu machen“, sagte der Geschäftsführer des Traditionsklubs in der Westfalenhalle: „Wir müssen erst einmal schauen, dass wir die Pandemie im Griff behalten. Das ist eine riesige Herausforderung für unseren Verein.“

Endspiel in Lissabon - mit Personalsorgen

Am kommenden Mittwoch steht für den BVB nun ein richtungsweisendes Spiel an. Bei Sporting Lissabon braucht Dortmund mindestens ein Remis, um das Achtelfinale der Champions League zu erreichen. Da trifft es sich nicht gut, dass die Mannschaft von Marco Rose immer noch mit argen Personalsorgen zu kämpfen hat.

Erling Haaland fehlt weiterhin verletzt, und mit Mats Hummels wird auch der Abwehrchef nicht spielen dürfen, da er sich gegen Ajax Amsterdam eine (umstrittene) Rote Karte eingehandelt hat. Der Einspruch, den der BVB daraufhin eingelegt hatte, blieb erfolglos.

„Wir haben es gemacht, weil wir uns ungerecht behandelt gefühlt haben. Aber wenn man die Mühlen der UEFA kennt, dann wusste man, dass das keine großen Erfolgschancen hat. Unser Antrag wurde zur Kenntnis genommen, aber man bleibt bei der Entscheidung“, kommentierte Zorc.

Thorgan Hazard wurde zudem am Montag positiv auf Covid-19 getestet und fällt daher vorerst auch aus.

Der personelle Engpass zieht sich nun schon eine ganze Weile hin - und gerade ohne Haaland scheint es schwer möglich, dass die Dortmunder tatsächlich ein Wörtchen um den Titel mitreden könnten. Doch Subotic glaubt daran, dass der BVB mit jedem Spiel ein Schritt nach vorne kommt - mit einem Happy End in Aussicht.

„Hoffentlich ist das eine Phase, die zum Ende der Hinrunde zu Stabilität führt. Vielleicht können sie dann noch was Großes holen. Ich hoffe natürlich, dass sie Meister werden“, sagte der 32-Jährige, der seit dem Sommer vereinslos ist, im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.

Alles zur Bundesliga bei SPORT1: