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Bundesliga: Das fehlt Borussia Dortmund wirklich zum FC Bayern München

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Bundesliga: Das fehlt Borussia Dortmund wirklich zum FC Bayern München

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Die wahren Gründe für den BVB-Absturz

Die wahren Gründe für den BVB-Absturz

Mit neun Punkten Rückstand auf den FC Bayern verabschiedet sich Borussia Dortmund in die Winterpause. SPORT1 nennt die größten Baustellen beim BVB.
Borussia Dortmund lässt beim 2:3 in Berlin erneut wichtige Punkte liegen. Dem Frust lässt Erling Haaland mit einem unsportlichen Rempler gegen Niklas Stark freien Lauf.

Um 23.09 Uhr landete der BVB-Tross am Samstagabend in Paderborn. Erling Haaland und Co. stiegen nach der bitteren 2:3-Pleite zum Jahresabschluss bei Hertha BSC enttäuscht aus dem Sonderflieger. Marco Rose nutzte die kurze Zeit über den Wolken mit seinem Trainerteam, um die fünfte Bundesliga-Saisonpleite aufzuarbeiten.

Betrug der Rückstand auf Spitzenreiter Bayern vor 16 Tagen noch einen Zähler, sind es nun ganze neun! Mit nur vier Punkten aus den letzten drei Liga-Spielen verabschiedet sich der Pott-Klub in die Winterpause. SPORT1 nennt die wahren Gründe für den BVB-Absturz. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Abwehrprobleme

„Wir führen 1:0 und schenken dann einfach Tore her“, monierte Rose nach dem Schlusspfiff. „Beim 1:1 ist der Stürmer auf links nach einer langen Eins-gegen-Eins-Situation auf einmal frei vorm Tor, vor dem 1:2 verteidigen wir nicht druckvoll genug und beim 1:3 verlieren wir den Überblick. Das ist zu leicht.“

26 Gegentore kassierte der BVB in den bisherigen 17 Ligaspielen - macht 1,53 Tore im Schnitt pro Spiel. Zum Vergleich: Bielefeld kassierte als Vorletzter vier Tore weniger, die siebtplatzierten Freiburger mussten nur 15 Gegentore hinnehmen. Außer Acht lassen darf man beim BVB zudem nicht die elf Gegentreffer in der Champions League.

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Egal wer in dieser Saison spielte, die Abwehr wackelte in steter Regelmäßigkeit. Außer Manuel Akanji, der sich jüngst einer Knie-Operation unterziehen musste, erreichte kaum ein Verteidiger Normalform. Zuletzt kam Kritik am angeschlagenen und nicht fit wirkenden Abwehrchef Mats Hummels auf, aber auch ohne den Routinier erwies sich die Defensive als löchrig. Marin Pongracic und Aushilfskraft Axel Witsel spielten enorm schwach.

Klar ist: Um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, muss sich der BVB in diesem Bereich dringend verbessern. Verstärkungen werden mit Blick auf den Sommer schon akut gesucht. Freiburgs Nico Schlotterbeck und Stuttgarts Konstantin Mavropanos sind auf der Liste, aber auch noch einige Alternativen aus dem Ausland.

Verletztenprobleme

Die Verletztenproblematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Zick-Zack-Saison des BVB. Reihenweise fielen in den letzten Monaten wichtige Spieler aus. Die irre schwarz-gelbe Ausfallliste: Giovanni Reyna (fehlte verletzungsbedingt in 14 Spielen), Youssoufa Moukoko, Dan-Axel Zagadou (beide 9), Raphael Guerreiro (8), Nico Schulz, Emre Can (beide 7), Mahmoud Dahoud, Erling Haaland (beide 6), Steffen Tigges, Thorgan Hazard (beide 5), Manuel Akanji, Thomas Meunier, Julian Brandt, Marius Wolf (alle 3), Mats Hummels (2), Jude Bellingham und Marco Reus (beide 1).

An einer falschen Trainings- oder Belastungssteuerung soll es nicht liegen, das weisen die Verantwortlichen jedenfalls entschieden zurück. Zur Wahrheit gehört aber auch: Viele Spieler fühlen sich nach SPORT1-Informationen beim eigenen Reha- und Athletikstab nicht gut genug aufgehoben, machen ihre Fitness-Programme stattdessen lieber außerhalb Dortmunds oder in Zusammenarbeit mit externen Trainern. Das ist auch Lizenzspielerchef Sebastian Kehl, der ab Sommer Michael Zorc als Sportchef beerben wird, nicht verborgen geblieben. Nicht ausgeschlossen, dass es zur neuen Saison punktuelle Veränderungen geben wird.

„Es ist wichtig, dass wir wieder verletzungsfrei sind“, sagte Klub-Boss Hans-Joachim Watzke am Sonntag bei Bild live, „zum neuen Jahr haben wir dann endlich alle zurück.“

Sechser-Probleme

Haben die Bayern mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka das wohl beste Sechser-Duo in Europa (das sieht auch Watzke so), ist der BVB in diesem Bereich nur mittlerer Liga-Durchschnitt. Einzig der erst 18 Jahre alte Jude Bellingham zeigt wöchentlich Top-Leistungen, die anderen zentralen Mittelfeld-Stars hinken den Erwartungen hinterher. Mahmoud Dahoud startete bockstark in die neue Saison und hat mehrfach bewiesen, dass er es kann, nach seiner Verletzung baute der Nationalspieler aber ab. Emre Can und Axel Witsel, denen es offenkundig an Tempo fehlt, fallen zurzeit eher durch Fehler auf. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Bezeichnend für das Sechser-Problem: Bellingham liegt bei starken sieben Torbeteiligungen (zwei Tore/fünf Assists); Dahoud (0/1), Can (2/0) und Witsel (0/0) sorgen dagegen kaum für Torgefahr. Die Bosse haben das Problem erkannt, spätestens im Sommer soll es in diesem Bereich Veränderungen geben. Denis Zakaria von Borussia Mönchengladbach (Vertrag läuft aus) bleibt ein Wunschkandidat.

Auswärtsprobleme

Zuhause ist der BVB eine Macht (nur eine 2:3-Pleite gegen Bayern), auswärts dagegen für die Gegner oft ein gefundenes Fressen. Vier Mal verloren die Schwarzgelben in der Liga auswärts, dazu kommen die Pleiten in der Champions League in Amsterdam (0:4) und in Lissabon (1:3).

„Uns fehlt Bedingungslosigkeit“, findet Rose und fordert von seinem Team ein deutlich selbstbewussteres Auftreten: „Wir sind Borussia Dortmund. Wir wollen in Berlin gewinnen und das muss man dann auch in jeder Situation sehen.“

Haaland-Probleme

Mit 13 Treffern in elf Ligaspielen ist Haaland Dortmunds bester Torjäger, gefolgt von Julian Brandt (fünf Tore) und Kapitän Marco Reus (vier Tore). Gegen Hertha machte Haaland allerdings eines seiner schwächsten Spiele im BVB-Trikot. Sky-Experte Lothar Matthäus stellte erschrocken fest: „Das war nicht der Haaland, den wir kennen. Er hat nicht leidenschaftlich gekämpft, hat sich provozieren lassen, wollte dann selbst provozieren. Ich hoffe, dass das eine Eintagsfliege war.“

Es war wie so oft in dieser Saison: Hat Haaland mal einen schlechten Tag, springt auch für den BVB am Ende nichts Zählbares heraus. In der Winterpause muss Rose ein Rezept finden, wie man den 21 Jahre alten Norweger ersetzen und die Abhängigkeit von ihm mindern kann.

Auch wenn Watzke am Sonntag beteuerte, dass die ständigen Wechselgerüchte um den Super-Star die Mannschaft nicht beeinflussen, wäre Klarheit in dieser Personalie sicher gut. Der BVB und der Spieler selbst tun gut daran, möglichst bald eine Entscheidung zu fällen und für klare Verhältnisse zu sorgen.

Kaderprobleme

Wurde der BVB in der Vergangenheit zurecht als Transfer-Meister gefeiert, griff man rückblickend aber auch mit einigen Transfers daneben. Der Kader ist nicht ausgewogen genug, in der Breite fehlt es an Qualität. Seit dem Abgang von Jadon Sancho zu Manchester United fehlt es an einem kreativen und torgefährlichen Tempodribbler, über die Flügel entwickelt der BVB nur selten Dynamik, die Außenverteidiger-Positionen sind nicht top besetzt und im Sturm fehlt ein Haaland-Ersatz.

Die Top-Talente Abdoulaye Kamara und Soumaila Coulibaly (kamen beide von PSG) konnten sich verletzungsbedingt noch nicht bei den Profis zeigen, Wolfsburg-Leihe Marin Pongracic erwies sich bislang als Flop und teure Routiniers (wie zum Beispiel Can), die einst geholt wurden, um dem Team mit ihrer Mentalität und Klasse zu helfen, enttäuschten. Nur Torhüter Gregor Kobel (kam aus Stuttgart) erwies sich als starker Transfer.

Eigentlich müsste der BVB im Winter nachbessern. So lange aber keiner der Verkaufskandidaten - zu denen zählen Roman Bürki, Witsel und Reinier - gehen, wird definitiv nichts passieren. Grundlegende Veränderungen soll und muss es dann spätestens im Sommer geben. Watzke verweist dabei aber auch auf die gewaltigen finanziellen Unterschiede zu den Bayern: „Wir haben 180 Mio. Euro Gehaltsetat weniger, da kannst du als Bayern natürlich fünf, sechs Weltklassespieler holen.“

Bürki ist aktuell nur zweite Wahl beim BVB
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Mentalitätsprobleme

Stete BVB-Beobachter hatten in dieser Saison eigentlich das Gefühl, dass die Mentalitäts-Debatte ein für alle Mal beendet sei. Enge Spiele gegen vermeintlich leichte Gegner entschieden die Dortmunder in dieser Saison nämlich oft für sich. Nach der 2:3-Pleite gegen die Bayern war die Luft aber raus.

Um nicht das in Dortmund auf dem Index stehende M-Wort zu benutzen, sprach Rose stattdessen von fehlender Haltung. „Wir reden nicht über Einstellung, sondern wir reden über Haltung. Berlin hat uns über einen leidenschaftlichen Kampf geschlagen - und sie sind nicht die erste Mannschaft. In dem Moment, in dem das Kind in den Brunnen gefallen ist und wir den Anschlusstreffer erzielen, machen wir das, was wir uns über 90 Minuten vorstellen. Vorher ist es zu sehr verwalten.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Man müsse ehrlich zueinander sein und diese Dinge klar ansprechen. „Wir müssen unsere Haltung in Bedingungslosigkeit ändern. Charaktere verändert man über Verhaltensweisen, die man ständig abruft.“

Roses Hinrunden-Fazit: „Wir müssen nicht über die Bayern reden, sie agieren auf Top-Niveau und gewinnen auch ohne wichtige Spieler ihre Spiele klar. Im Moment können wir uns leider nicht mit den Bayern vergleichen.“

Und weiter: „Wir haben jetzt erstmal Weihnachten. Es ist wichtig, dass die Jungs den Kopf mal freibekommen bei ihren Familien. Wir haben natürlich in vielen Bereichen Ansatzpunkte, um uns zu verbessern. Wir müssen unseren Kader stabil gesund bekommen, dann haben wir mehr Konkurrenzkampf, wir müssen an der Abwehr arbeiten, wir haben zu viele einfache Gegentore bekommen, im Spiel im letzten Drittel müssen wir uns verbessern. Es gibt viel zu tun.“

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