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Was den Bayern Sorgen macht

Was den Bayern Sorgen macht

Der FC Bayern schlägt den BVB, die Abwehr zeigt sich aber alles andere als sicher. Die Gründe sind vielfältig.
Der FC Bayern hat das Topspiel des 14. Bundesliga-Spieltags mit 3:2 in Dortmund gewonnen. Im Fokus der Partie war vor allem Schiedsrichter Felix Zwayer.
Maximilian Schwoch
Maximilian Schwoch
von Maximilian Schwoch

Topspiel gewonnen, Tabellenführung ausgebaut.

Der FC Bayern München setzte sich in einem Spektakel-Spiel mit 3:2 beim BVB durch und vergrößerte den Abstand auf den direkten Verfolger auf vier Zähler. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

So toll dieses Spiel für den neutralen Zuschauer auch anzusehen war: Es lief längst nicht alles nach Plan für den Rekordmeister. Das Team von Julian Nagelsmann offenbarte – wieder einmal – große Schwächen im Defensivverbund. Bayerns Abwehr gleicht aktuell einer Großbaustelle.

FC Bayern: Davies lässt sich ausspielen, Upamecano patzt

Vor allem im ersten Durchgang fanden die schnell umschaltenden Dortmunder teils riesige Lücken in der Bayern-Abwehr vor. Bereits in der fünften Minute bestrafte Julian Brandt das fahrlässige Abwehrverhalten der Münchner, als ein langer Pass (nach einem Schiedsrichterball!) den startenden BVB-Angreifer in Szene setzte.

Zwischen Linksverteidiger Alphonso Davies und Innenverteidiger Lucas Hernández klaffte ein riesiges Loch, in das Brandt hineinstieß. Mit einer Körpertäuschung ließ er Davies auch noch aussteigen und versenkte den Ball unhaltbar für Manuel Neuer. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Das zweite Gegentor fiel dann nach einer unglücklichen Aktion von Dayot Upamecano. Der Franzose blockte einen Ball mit dem Bauch, doch das Spielgerät sprang zu Jude Bellingham, der Erling Haaland bediente. Der Norweger schlenzte den Ball mit seinem schwächeren rechten Fuß ins lange Eck. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Nagelsmann reagiert auf Defensiv-Probleme

Zwei Gegentreffer, die so nie fallen dürfen. Doch es waren nicht nur einzelne Fehler, die den BVB einluden. War das Münchner Pressing erst einmal überspielt, hatten die Dortmunder viel Platz.

Neben Davies, der defensiv nicht immer auf der Höhe wär, war vor allem Upamecano der große Unsicherheitsfaktor der Münchner. Im zweiten Durchgang reagierte Nagelsmann und zog Davies etwas zurück. (Note 5 für Upamecano: Die SPORT1-Einzelkritik)

Schiedsrichter Felix Zwayer äußert sich zu den beiden strittigen Szenen im Liga-Gipfel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München.
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Elferszenen mit Reus und Hummels: Zwayer erklärt sich

Trotz des Sieges waren auf Münchner Seiten längst nicht alle zufrieden. „Die Abwehr ist die große Aufgabe von Julian (Nagelsmann, Anm. d. Red.) in den nächsten Wochen, Monaten“, sagte Karl-Heinz Rummenigge bei Bild. Die Abwehr müsse etwas strukturierter und geordneter Fußball spielen, erklärte der ehemalige Vorstandsboss.

Mario Basler ging sogar noch weiter. „Mit dieser Abwehrleistung wird Bayern in der Champions League keine Chance haben“, erklärte der SPORT1-Experte im STAHLWERK Doppelpass.

Die Defensiv-Probleme ziehen sich durch die ganze Saison. 15 Gegentore in 14 Bundesliga-Spielen lesen sich zwar ganz ordentlich, vor allem in jüngerer Vergangenheit ließ Bayerns Abwehr aber viel zu viel zu. In den vergangenen neun Bundesliga-Spielen blieb Manuel Neuer nur zweimal ohne Gegentor, im Saisonverlauf erst viermal.

Nun ist Nagelsmanns Ansatz ein offensiver, der manchmal auch zu Lasten der defensiven Kompaktheit gehen kann. Und dennoch wird auch der 34-Jährige nicht vollends zufrieden mit seiner Abwehr sein.

FC Bayern: Süle ausgebremst, Hernández droht Ausfall

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Bayern erhebliche Personalsorgen plagen. Niklas Süle wurde zuletzt von einer Corona-Infektion außer Gefecht gesetzt, er kam gegen Arminia Bielefeld und Dortmund zu zwei Kurzeinsätzen.

Josip Stanisic fehlt den Münchnern noch länger. Und nun droht möglicherweise eine erneute Pause von Hernández. Der Franzose bekam einen Schuss von Marius Wolf unglücklich gegen das Bein und verletzte sich dabei.

Und auch der Ausfall von Joshua Kimmich spielt bei der Problematik mit hinein, gegen Dortmund war zudem auch Leon Goretzka nicht im Vollbesitz seiner Kräfte.

Noch keine neue Hierarchie in der Bayern-Abwehr

Nach der vergangenen Saison verließen mit Jérôme Boateng und David Alaba zwei langjährige Stützen die Bayern-Defensive, die neue Hierarchie muss sich erst noch finden. Neuzugang Upamecano soll der neue Boss in der Innenverteidigung werden. Der 23-Jährige zeigte bisher allerdings noch zu durchwachsene Leistungen, leistete sich bereits einige Patzer.

Süle agierte unter Nagelsmann wieder deutlich verbessert, bis ihn die Corona-Infektion ausbremste. Hinter der Zukunft des 26-Jährigen steht allerdings ein großes Fragezeichen, Süles Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, bisher gibt es keine Einigung auf eine Verlängerung.

Dass die Bayern rein tabellarisch betrachtet in Bundesliga und Champions League (der Gruppensieg steht bereits fest) gut dastehen, liegt vor allem an der überragenden Offensive um Robert Lewandowski, die die defensiven Schwächen (noch) kaschiert.

Nicht nur Rummenigge dürfte erkannt haben, was die vielleicht größte Aufgabe Nagelsmanns in den kommenden Wochen und Monaten sein wird: die Defensive zu stabilisieren. Sonst könnte sich Baslers Prophezeiung am Ende bewahrheiten.

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