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FC Bayern - Bayer Leverkusen: Kuriose Hoeneß-Anekdote und Bayern-Aus - Lúcio blickt zurück

Bayerns Ex-Star über Hoeneß' Drohung

Vor dem Gastspiel von Bayer Leverkusen beim FC Bayern spricht der Brasilianer Lúcio über das Duell, seine Zeit bei beiden Klubs - und Uli Hoeneß. José Mourinho bekommt ein Extra-Lob von ihm.
Der FC Bayern trifft im Topspiel der Bundesliga auf Bayer 04 Leverkusen. Damit treffen die beiden Toptalente Jamal Musiala und Florian Wirtz aufeinander. Wer der beiden Youngster hat mehr drauf?
Vor dem Gastspiel von Bayer Leverkusen beim FC Bayern spricht der Brasilianer Lúcio über das Duell, seine Zeit bei beiden Klubs - und Uli Hoeneß. José Mourinho bekommt ein Extra-Lob von ihm.

Am Samstag empfängt der FC Bayern in der Allianz Arena Bayer Leverkusen zum Topspiel des 25. Spieltags (Bundesliga: FC Bayern - Bayer Leverkusen, 15.30 Uhr im LIVETICKER).

Die Werkself reist als Tabellendritter zum Spitzenreiter. Der Brasilianer Lúcio kennt beide Vereine gut. Von 2001 bis 2004 spielte er bei den Leverkusenern und von 2004 bis 2009 bei den Münchnern in der Innenverteidigung.

Im SPORT1-Interview spricht der 43-Jährige über seine ehemaligen Klubs, Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß, Trainer-Urgestein Felix Magath - und Exzentriker José Mourinho.

SPORT1: Lúcio, wie sehr schauen Sie noch auf Ihre beiden deutschen Ex-Klubs Bayern München und Bayer Leverkusen?

Lúcio: Ich verfolge beide Vereine nach wie vor. Ich bin sehr stolz, für Bayer Leverkusen und Bayern München gespielt zu haben.

SPORT1: Wo war es denn schöner für Sie - und warum?

Lúcio: Da kann und will ich mich gar nicht festlegen. Es waren sehr wichtige Stationen in meiner Karriere und ich bin sehr dankbar für all die Erfahrungen, die ich bei beiden Vereinen gemacht habe. Bayer Leverkusen war der Beginn meines Traums, in Europa durchzustarten. Und Bayern München war entscheidend dafür, Titel zu gewinnen und größere Bekanntheit im Weltfußball zu erlangen.

Trainingsschlägerei zwischen Lúcio und Mitspieler

SPORT1: Können Sie eine lustige Geschichte aus Ihrer Zeit in Leverkusen und in München erzählen, über die Sie noch nie gesprochen haben? (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Lúcio: Es gibt viele Geschichten! Ein paar Monaten nach meiner Ankunft in Leverkusen kam es zum Beispiel mal zu einer Trainingsschlägerei zwischen mir und einem Mitspieler. Klaus Toppmöller, der Trainer, wollte uns natürlich eine Strafe aufbrummen und fragte mich, was ich denn zu zahlen bereit sei. „10 Euro“, antwortete ich und lachte. Dann haben wir im Winter mal einen Mitspieler im Training gefangen, ihm seine Jacke ausgezogen und im Schnee eingebuddelt.

SPORT1: Was bleibt noch im Gedächtnis beim Blick zurück?

Lúcio: Wenn ich an meine Bayern-Zeit zurückdenke, kommt mir natürlich das Training unter Felix Magath in den Sinn. Da waren Übungen dabei, die sonst nur für das Militär bestimmt sind (lacht). Bei Bayern war ich nach einem schlechten Spiel auch mal so verärgert, dass ich anschließend nicht trainieren wollte. Uli Hoeneß hat davon Wind bekommen und zu mir gesagt, dass ich auf der Stelle trainieren solle, denn sonst würde er mir eine Geldstrafe von 20.000 Euro aufbrummen. Ich rannte sofort zum Spind, zog mir meine Trainingskleidung an und trainierte.

SPORT1: Welche Mitspieler haben Sie in Leverkusen und München am meisten beeindruckt?

Lúcio: In Leverkusen Ulf Kirsten! Der wollte immer gewinnen und konnte laufen wie ein Pferd. Bei Bayern ganz klar Oliver Kahn, weil er sehr diszipliniert war und der Mannschaft Ernsthaftigkeit und Verantwortung vermittelt hat - ein toller Kapitän.

Lúcio: „Ich hege im Nachhinein keinen Groll“

SPORT1: Ihr Ende bei den Bayern war nicht schön. Sie haben damals im kicker gesagt, dass man respektlos mit Ihnen umgegangen sei. Wie enttäuscht waren Sie von den Bossen? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Lúcio: Ich war sehr glücklich bei Bayern und bin bis heute total froh und stolz, dass ich so viele Jahre so erfolgreich dort spielen durfte. Ich hege im Nachhinein auch überhaupt keinen Groll. Es war damals ja auch nicht so, dass die Chefetage mich loswerden wollte. Im Gegenteil: Die Bosse hatten nicht vor, mich zu verkaufen. Die Entscheidung traf Louis van Gaal. Aber alles okay. Es gibt kein Problem mit Bayern, ich mag den Verein nach wie vor sehr.

SPORT1: Wovon und von wem waren Sie am meisten enttäuscht?

Lúcio: Klar war ich enttäuscht, als ich gehen musste. Aber noch mal: Es gibt gar kein Problem. Solche Dinge gehören zum Fußball dazu.

SPORT1: Sie haben schon das Training von Magath angesprochen. Wie war er als Typ?

Lúcio: Er war ein sehr harter Trainer, aber auch immer gut drauf und ein Gewinner-Typ, der uns einfach besser machen wollte. Ja, sein Training war anstrengend, vor allem nach einer Niederlage, doch es brachte auch gute Resultate.

SPORT1: Gab es einen Moment auf dem Oktoberfest, an den Sie sich besonders gerne zurückerinnern? (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Lúcio: Für uns Brasilianer war es ein großer Spaß, einen Schlauch zum Bier trinken zu benutzen. Es gab viele lustige Momente beim Oktoberfest.

Lúcio gewinnt Triple mit Inter Mailand

SPORT1: Von München ging es 2009 nach Mailand. Wie blicken Sie auf Ihre Zeit bei Inter zurück?

Lúcio: Es war eine wunderbare Zeit - mit jeder Menge Spaß, vielen, tollen Menschen und vielen Titeln. Ich habe dort sehr viele Freunde gefunden. Und mit dem Triple 2010 haben wir Geschichte geschrieben.

SPORT1: Sie haben mit Inter Mailand gegen die Bayern die Champions League gewonnen. Das war sehr brisant, oder?

Lúcio: Ja, aber nicht wegen der Tatsache, gegen die Bayern gewonnen zu haben. Wie gesagt: Der Verein bedeutet mir bis heute sehr viel. Ich war einfach froh, die Champions League gewonnen zu haben.

Mourinho war „sympathisch, ehrlich, geradeaus“

SPORT1: Wie wichtig war für Sie José Mourinho als Coach?

Lúcio: Er war enorm wichtig! Ein Motivator, der das Beste aus jedem Spieler herausgeholt hat. Er war sehr fordernd, aber auch total sympathisch, ehrlich, geradeaus. Dank ihm haben meine Kollegen und ich eine spektakuläre Saison hingelegt. José war der beste Trainer, den ich in meiner gesamten Karriere hatte.

SPORT1: Und wer war Ihr bester Trainer in Deutschland?

Lúcio: Toppmöller! Die Saison 2001/‘02 war eine ganz besondere, allein der Einzug ins Champions-League-Finale… es ist schade, dass wir damals leer ausgegangen sind.

SPORT1: Blicken wir vor dem Topspiel am Samstag noch auf die Aktualität. Warum schaffen es die Leverkusener nicht, die zweite Kraft im deutschen Fußball zu werden?

Lúcio: Sie müssten aus meiner Sicht ein bisschen konstanter, aber auch ambitionierter sein - und zudem etwas mehr Bereitschaft in puncto Transfers an den Tag legen. Sie haben nicht auf allen Positionen die Qualität, um wirklich ganz oben mitzuspielen.

SPORT1: Eine gute Mannschaft haben sie trotzdem jedes Jahr, allein mit Blick auf die Offensive.

Lúcio: Das stimmt, aber ich glaube, dass ihnen noch ein paar erfahrenere Spieler guttun würden. Um auf nationalem, aber vor allem auf internationalem Niveau hervorzustechen, brauchst du Konstanz, Qualität und eben auch Erfahrung.

SPORT1: Wie sehen Sie den FC Bayern aktuell?

Lúcio: Bayern München ist auf jeden Fall stärker als Bayer Leverkusen. Sie haben den besseren Kader und die bessere Spielanlage. Ich traue ihnen viel zu.

Vielversprechende Zukunft für Wirtz

SPORT1: Was halten Sie von Leverkusens Offensiv-Juwel Florian Wirtz?

Lúcio: Er ist ein großartiger Spieler, dem eine vielversprechende Zukunft bevorsteht. Wichtig wird für ihn sein, auf diesem Level zu bleiben. Dann stehen ihm alle Türen offen.

SPORT1: Rudi Völler hört im Sommer bei Leverkusen auf. Wie sehr wird er dem Klub fehlen? Er ist ein großer Name im deutschen Fußball.

Lúcio: Ein großer Name und ein absoluter Top-Profi! Mit Rudi verliert Leverkusen einen wichtigen Eckpfeiler.

SPORT1: Diese Frage darf natürlich nicht fehlen: Wer ist für Sie aktuell der beste Verteidiger in Europa?

Lúcio: Ich mag keine Vergleiche, weil es viele gute Verteidiger gibt. Wenn ich mich auf einen festlegen müsste, dann Virgil van Dijk.

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