Bundesliga>

Bundesliga: Das hält Mainz-Sportdirektor Martin Schmidt von der 50+1-Regel

50+1-Regel? Das sagt Schmidt

Im Interview mit SPORT1 hat sich der Mainzer Sportdirektor Martin Schmidt zu einer möglichen Aufhebung der 50+1-Regel sowie dem Financial Fairplay geäußert.
Sportdirektor Martin Schmidt (links) und Boss Christian Heidel ziehen die Strippen beim FSV Mainz 05
Sportdirektor Martin Schmidt (links) und Boss Christian Heidel ziehen die Strippen beim FSV Mainz 05
© Imago
Im Interview mit SPORT1 hat sich der Mainzer Sportdirektor Martin Schmidt zu einer möglichen Aufhebung der 50+1-Regel sowie dem Financial Fairplay geäußert.

Die 50+1-Regel ist seit Jahren eines der größten Diskussionsthemen unter Bundesliga-Fans.

Die Regel, dass sich ein Klub nicht mehrheitlich in die Fänge eines Investors begeben darf, unterscheidet die deutsche Eliteklasse von anderen internationalen Topligen wie der Premier League. Das hebt die Bundesliga im internationalen Vergleich heraus, gleichzeitig haben die deutschen Erstligisten finanzielle Nachteile gegenüber der Konkurrenz aus England, Frankreich oder Italien.

Dennoch gibt es weiterhin viele Befürworter, die 50+1-Regel in der Bundesliga beizubehalten. Auch Martin Schmidt ist einer. Der Sportdirekter von Mainz 05 erklärte im SPORT1-Interview: „Die 50+1-Regel hält die Bundesliga stabil und geht daher einen sehr guten Weg. Wir als Mainz 05 unterstützen 50+1.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Die Corona-Pandemie hat gewaltige Löcher in die Kassen der Bundesligisten gerissen. Bayerns ehemalige Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hat aus diesem Grund in diesen Zeiten mehrfach kritisch dieser Regel gegenüber geäußert. (Interview: Schmidt ordnet die Lage von Mainz 05 ein)

Mainzer Sportdirektor zeigt auf England

Schmidt kann die Sichtweise anderer Klubs, die gegen die Regel sind, verstehen. „Es kann natürlich sein, dass ein Topverein, der in der Champions League ganz oben mitwirken will, eine andere Sichtweise hat.“

Er zeigt aber dabei mit einem mahnenden Finger auf die Insel: „In England sehen wir nun die Gefahr, was passiert, wenn sich ein Klub in wirtschaftliche Abhängigkeiten begibt oder der Investor den Geldhahn zudreht.“

Finanzwirbel um Hertha Windhorst

Aber auch in der Bundesliga gibt es mit Lars Windhorst und Hertha BSC Berlin ein Beispiel, wie ein Investor für Turbulenzen rund um einen Verein sorgen kann. Nach Informationen des Business Insiders droht eine Zwangsversteigerung jener Anteile, die der 45-Jährige an dem Bundesligisten hält, da er diese bereits 2020 an die Firma Peil Investment B.V. verpfändet haben soll, um im Gegenzug einen Kredit zu bekommen. (BERICHT: Wirbel um Windhorst-Millionen)

Windhorst selbst hat sich bereits über die Tennor Holding B.V. und per Twitter erklärt. Dabei soll es sich um einen Irrtum gehandelt haben. Eine Verpfändung und Zwangsversteigerung dieser Anteile stand demnach nie zur Diskussion. Dennoch hat diese Meldung für reichlich Unruhe rund um den Hauptstadtverein, der sportlich gegen den Abstieg kämpft, gesorgt.

Auch dazu wird sich Hertha-Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic am Sonntag im STAHLWERK Doppelpass äußern. Der 50-Jährige wird per LIVE-Schaltung an der Sendung teilnehmen.

Auch in Hinblick auf diese Erfahrung ergänzte Schmidt, dass das jetzige Modell ihnen Sicherheit geben würde, dass sich die Liga auf Jahre hinaus weiterentwickeln kann.

Schmidt: „Financial Fairplay muss verfeinert werden“

Bei einigen Vereinen wundert man sich, wie sie so viel Geld ausgeben können, obwohl sie eigentlich nicht so viel einnehmen. In solchen Fällen soll das Financial Fairplay eingreifen. „Das Instrument Financial Fairplay gibt es und die UEFA hat schon eingegriffen, wenn es größere Unstimmigkeiten gab“, erklärte der Mainzer Sportdirektor.

Er betonte zugleich, dass die UEFA in diesem Bereich weiterhin aktiv bleiben muss. Aber: „Es sind nicht alle Geldflüsse einsehbar.“ Laut Schmidt müsse sich jeder Verein im Rahmen der Wirtschaftlichkeit bewegen und alle Klubs seien diesem Kontrollgremium unterstellt.

„Wenn allerdings Teams mit Großinvestoren im Rücken um den Sieg der Champions League kämpfen, dann ist das schwierig zu kontrollieren.“ Er sieht das Financial Fairplay aber dennoch als ein wertvolles Instrument an, welches der Verband jederzeit ausarbeiten und verfeinern muss.

Schmidt erklärt Transfertstrategie

Der Sportdirektor erklärte zudem, dass die Mainzer die Spielererlöse bei Verkäufen nicht komplett reinvestieren können. „Ein Teil des Geldes fließt auch in Steine und nicht nur Beine. Als ich damals Trainer von Mainz war, hatten wir Shinji Okazaki für viel Geld abgegeben.“ Er habe sich darüber gefreut und gedacht, dass sie nun von dieser Summe einen Ersatz verpflichten können.

Doch falsch gedacht: „Christian Heidel sagte damals aber schon, dass nur rund ein Drittel reinvestiert werden kann.“ Dieses vorausschauende Denken zahlt sich aber auch aus: „Wir haben mittlerweile zwei eigene Stadien und eine sehr gesunde Vereinsstruktur, auch weil wir in diesem Bereich Geld anlegen und mit Weitsicht wirtschaften.“

Alles zur Bundesliga bei SPORT1: