Anzeige
Home>Fußball>Bundesliga>

Bundesliga: Hertha BSC muss im Saisonfinale beim BVB antreten - Dortmunds Chronik der Merkwürdigkeiten

Bundesliga>

Bundesliga: Hertha BSC muss im Saisonfinale beim BVB antreten - Dortmunds Chronik der Merkwürdigkeiten

Anzeige
Anzeige

Die schwarz-gelben Samariter

Die schwarz-gelben Samariter

Der abstiegsbedrohte Hertha BSC muss beim Saison-Finale am Samstag gegen den BVB ran. Die Berliner benötigen für den sicheren Klassenerhalt unbedingt einen Punkt. Dafür ist der BVB laut Statistik nicht der schlechteste Gegner.
News, Hintergründe und Fakten zum Bundesliga-Wochenende. Alle wichtigen Infos im Vorfeld der Spiele gibt es hier bei "9PLUS1".
Udo Muras
Udo Muras

Die Aufregung war groß vor zwei Wochen, als die Bayern nach vollbrachter zehnter Meisterschaft in Mainz recht lustlos auftraten und 1:3 verloren.

Besonders bei Felix Magath, dem Trainer der Hertha. Er fürchtete, Bayern würde auch dem Abstiegskampfkonkurrenten VfB Stuttgart zu Punkten verhelfen und sollte damit nicht ganz falsch liegen. Über ein 2:2 kamen die „Ibiza-Bayern“ nicht hinaus.

Doch womöglich profitiert seine Hertha nun selbst von einer Mannschaft, die gedanklich schon in Urlaub ist. Die Berliner müssen am Samstag nach Dortmund (15.30 Uhr: Borussia Dortmund - Hertha BSC im LIVETICKER) und das ist am Saisonende oft gar nicht so schlimm - das zeigt die Historie. Schon vor zwei Jahren, als der BVB Platz zwei sicher hatte, gab es zum Abschluss zu Hause ein 0:4 gegen Hoffenheim.

Das hatte für die Tabelle keine gravierenden Folgen, doch gerade im Abstiegskampf kam das mit BVB-Beteiligung umso öfter vor. Es begann in der Ära Klopp, in der die Borussen in schöner Regelmäßigkeit vorzeitig in die Champions League eingezogen oder gar Meister geworden waren. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Eine Chronik der Merkwürdigkeiten:

Saison 2010/11

31. Spieltag: Der BVB ist Tabellenführer und hat den ersten Matchball auf die Meisterschaft. Eine Bedingung ist ein Sieg bei Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Dessen neuer Trainer Lucien Favre hat noch einmal die Lebensgeister geweckt, das rettende Ufer ist wieder in Sicht. Trotzdem rechnet keiner mit einem Gladbacher Sieg. Aber so kommt es – durch ein Tor von Mo Idrissou zum 1:0-Endstand. Klopp versichert hinterher: „Wir waren null Komma null sorglos, auch nicht übermütig.“

Die Gladbacher schaffen es noch in die Relegation und bleiben drin, Borussia wird in der Woche darauf Meister – vor eigenem Publikum. Und das war ihnen natürlich viel lieber, wie jedem Meister.

33. Spieltag: Im Spiel eins nach dem Titelgewinn müssen sie zu Werder Bremen, auf Platz 13 keineswegs gesichert. Nur ein Dreier bringt Werder die Rettung und die schwarz-gelben Samariter sind so frei. Obwohl in Bestbesetzung angetreten, unterliegen sie 0:2. Der Kicker vermerkt: „Dortmund gewiss nicht meisterlich.“ Peter Fischer, schon damals Präsident der nun fast abgestiegenen Frankfurter Eintracht, brüllt vor der eigenen Fan-Kurve ins Megafon „Scheiß BVB!“. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Saison 2012/13

34. Spieltag: In fast aussichtsloser Lage kommt die TSG Hoffenheim nach Dortmund. Auf Platz 17 zwei Punkte hinter Augsburg liegend, muss sie beim Vizemeister gewinnen. Borussia will die 80.000 auf das bevor stehende Champions-League-Finale gegen Bayern einstimmen, Lewandowski trifft schon nach sechs Minuten. Sie bleibt überlegen, nach Chancen endet die Partie 10:3.

Doch ins Tor trifft nur noch einer: Hoffenheims Sejad Salihovic, zweimal mit Elfmeter, in der 77. und 82. Minute. Dem zweiten Schuss stellt sich sogar Kevin Großkreutz, da Keeper Roman Weidenfeller beim Verursachen des Elfmeters vom Platz fliegt. In der Nachspielzeit nimmt der Schiedsrichter ein BVB-Tor mit Verzögerung zurück (Abseits!).

Die TSG kann am letzten Spieltag 2013 mit einem 2:1-Sieg über den BVB die Klasse halten
Die TSG kann am letzten Spieltag 2013 mit einem 2:1-Sieg über den BVB die Klasse halten

1:2 lautet der Endstand, die TSG rettet sich über die Relegation, Fortuna Düsseldorf steigt ab. „Wir hätten uns den letzten Spieltag anders vorgestellt“, knurrt BVB- Sportdirektor Michael Zorc.

Saison 2015/16

33. Spieltag: Im Jahr eins nach Jürgen Klopp läuft der BVB auch unter Thomas Tuchel mit deutlichem Abstand hinter den Bayern auf Platz zwei ein, aber auch deutlich vor den Verfolgern. Die Champions League ist bereits seit dem 28. Spieltag sicher, die Spannung hochzuhalten, fällt zunehmend schwerer. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Ganz anders die Lage bei Eintracht Frankfurt, die den BVB auf Platz 16 empfängt. Wer gewinnt? Die Eintracht (1:0). Stefan Aigner trifft schon nach 14 Minuten und verteidigt die Führung, der BVB kann aus unerreichten 84 Prozent Ballbesitz keine Tore machen. Frankfurt rettet sich über die Relegation, wäre sonst abgestiegen. So erwischt es Stuttgart.

Saison 2016/17

33. Spieltag: Diesmal hat der BVB nichts zu verschenken, auf Platz drei hat er die Champions League keineswegs sicher. Ein Sieg beim 13. FC Augsburg, der zwei Punkte über dem Strich steht, ist eingeplant und der Anspruch. Es wird nur ein 1:1, Aubameyang gleicht Finnbogasons Führung (29.) fast im Gegenzug aus. Es ist der eine Punkt, den der FCA der Konkurrenz eine Woche später voraus sein wird.

Saison 2017/18

33. Spieltag: Borussia ist wieder „nur“ Dritter, aber nach einer desolaten Hinrunde unter Peter Bosz winkt ein Happy End. Das Team, nun von Peter Stöger angeleitet, muss nur noch einen Punkt gegen den FSV Mainz (14.) holen. Die Rheinhessen können noch direkt absteigen, ein Sieg wiederum würde alles klar machen in Sachen Klassenerhalt. Sie bekommen ihn.

Den Klassenerhalt feiern: Mainz gewinnt am 33. Spieltag gegen den BVB und hält die Klasse
Den Klassenerhalt feiern: Mainz gewinnt am 33. Spieltag gegen den BVB und hält die Klasse

Zum Entsetzen der 81.000 abzüglich des Gästeblocks führt Mainz nach 13 Minuten bereits mit 2:0 durch Ridle Baku (4.) und Yoshinori Muto, ehe Maximilian Philipp verkürzen kann (16.). Dem Torhagel folgt eine 75-minütige Flaute, das 1:2 bleibt auf der Anzeigetafel bis zuletzt. Wegen des außerplanmäßigen Spielverlaufs fällt die geplante Einwechslung von Kultkeeper Roman Weidenfeller, der seinen Abschied nimmt, flach.

Peter Stöger zetert: „Von unserer Seite war das einfach viel zu wenig, wenn man die Champions League klarmachen will.“ Es ist der erste Sieg überhaupt in Dortmund, gerade dann, als er am nötigsten ist. Und der zweite folgt sogleich…

Saison 2019/20:

32. Spieltag: Wieder muss Mainz im Abstiegskampf nach Dortmund. Der BVB ist gerade in die Champions League eingezogen und wieder mal Zweiter, der FSV Fünfzehnter. Dortmunds Trainer Lucien Favre steht in der Kritik, ein Heimsieg würde ihm gut tun, in der Tabelle wäre es egal.

Die Mainzer von Achim Beierlorzer haben ihre eigene Agenda, können sich mit einem Sieg praktisch schon retten – und tun es. Jonathan Burkardt (34.) und Jean-Philipp Mateta (49.) treffen vor Corona bedingt leeren Rängen, nur theoretische Restzweifel bestehen nach diesem Mittwochabend an der FSV-Rettung.

Dank der BVB-Samariter, bei denen der Haussegen schief hängt. „Unser Pressing ist Alibi“, beklagt Mats Hummels und sein Trainer weiß nur einzuwenden, dass es „gegen Mannschaften im Abstiegskampf immer schwer ist“. Gewiss, doch warum haben die es gegen Dortmund immer so leicht?

Saison 2021/22

32. Spieltag: Der jüngste Einsatz der schwarz-gelben Samariter ist noch in bester Erinnerung. Nachbar und Aufsteiger VfL Bochum kommt in einer wilden Partie nach 2:0-Führung und 2:3-Rückstand zu einem 4:3-Sieg in Dortmund und feiert den Klassenerhalt.

Die BVB-Fans verabschieden ihr Team mit einem Pfeifkonzert. Am Samstag haben die Dortmunder noch einmal die Wahl: wollen sie ihren Fans Freude bereiten oder doch mal wieder einem Gegner in Not?

Alles zur Bundesliga bei SPORT1: