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FC Bayern: Einzug in Olympiastadion am 28. Juni 1972 läutete Dynastie ein

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FC Bayern: Einzug in Olympiastadion am 28. Juni 1972 läutete Dynastie ein

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Bayerns Vorstoß in neue Galaxien

Bayerns Vorstoß in neue Galaxien

Heute vor 50 Jahren, am 28. Juni 1972, läutete der FC Bayern seine Dynastie ein. Ein Rückblick auf die Anfänge des heutigen Rekordmeisters aus München.
Nach 15 Jahren rollt ab Samstag im Münchner Olympiastadion wieder der Ball. Wir blicken zurück auf die legendärsten Momente im Oly,
Udo Muras
Udo Muras

Wer wissen möchte, an welchem Tag die Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga ihren Anfang nahm, der sei an den 28. Juni 1972 erinnert.

Heute vor 50 Jahren stieß der Rekordmeister, der er damals noch längst nicht war, in neue Galaxien vor - sportlich wie wirtschaftlich. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

An jenem Mittwochabend nämlich zog der Verein in das Olympiastadion ein, in dem er 33 Jahre lang spielen und viele Millionen verdienen würde - zunächst in D-Mark, am Ende in Euro.

Zwar waren die erst im dritten Jahr der Bundesliga angehörenden Bayern 1969 schon einmal Meister geworden, aber noch herrschten sie längst nicht über die Konkurrenz. Anfang der Siebziger hatte ihnen Borussia Mönchengladbach (Meister 1970 und 1971) den Rang abgelaufen. (NEWS: Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)

Ihre Möglichkeiten unterschieden sich nicht von denen des HSV, 1. FC Köln oder Schalke 04, spielten sie doch gemeinsam mit dem TSV 1860 München im 1926 erbauten Grünwalder Stadion, das damals eine Kapazität von 44.300 Zuschauern hatte und zwar einen gewissen Charme versprühte, aber mit seiner maroden Holztribüne für Großereignisse wie Länderspiele nie in Frage kam.

Olympia-Stadion ein Segen für den FC Bayern

So war auch im Liga-Alltag kein großes Geld zu verdienen. Andererseits hatten die Cracks um die kommenden Weltstars wie Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller nach der faszinierenden WM in Mexiko gewisse finanzielle Ansprüche, die der Verein nur noch mit Mühe erfüllen konnte.

Da war es ein Glücksfall für Verein (und Stadt), das München die Olympischen Sommerspiele 1972 bekam. Seit 26. April 1966 war das bekannt, als das IOC der südlichsten Metropole Deutschlands den Zuschlag erteilte. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Auf dem Oberwiesenfeld entstand ein Stadion mit einem futuristisch anmutenden Zeltdach, das den Aufbruch in eine neue Zeit weithin sichtbar dokumentierte. Der FC Bayern bekam eine neue Heimat und die war weit geräumiger und komfortabler als die alte, in der noch fast die komplette Saison 1971/72 bestritten wurde.

Bis auf das letzte Heimspiel, das wegen der zwischen den 32. und 33. Spieltag eingeschobenen EM in Belgien am 28. Juni und damit so spät wie nie stattfand. Den Bayern konnte das nur recht sein, so durften sie das neue Stadion, das ihre sechs Nationalspieler schon Ende Mai beim Länderspiel gegen die UdSSR (4:1) einweihten, zum Saisonfinale benutzen.

Nicht nur die Neugier trieb die Massen ins weite Rund, hinzu kam die Dramatik an der Spitze. Ein Finale um die deutsche Meisterschaft gab es seit Einführung der Bundesliga zwar nicht mehr. Aber faktisch ging es am letzten Spieltag 1971/72 für beide Teams um die Meister-Schale.

Bayern nimmt erstmals eine Million durch Tickets ein

Aber nur eines muss gewinnen, Tabellenführer Bayern reichte schon ein Punkt. Ein Endspiel um die Schale - Fußball-Deutschland freute sich zehn Tage nach dem Gewinn der EM auf den nächsten Höhepunkt. (NEWS: Alle News und Gerüchte vom Transfermarkt)

Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker hatte es wohl kommen sehen und beim deutschen Olympia-Chef Willi Daume und dem DFB rechtzeitig die Genehmigung eingeholt, im Olympiastadion spielen zu dürfen. Womit er nicht gerechnet hatte, war der Andrang.

So mussten die Bayern in der Woche vor dem Spiel ein Schild an der Säbener Straße aufstellen: „Das Kartenkontingent unserer Vorverkaufsstelle für das Spiel gegen Schalke ist aufgebraucht. Weitere Nachfragen sind zwecklos.“

Ein Fehler, der nicht mehr passieren werde, versicherte der Präsident, künftig ließen sie mehr Karten drucken. Obwohl der Bayerische Rundfunk das Spiel live übertrug, war das Stadion mit offiziell 79.032 Zuschauern restlos gefüllt.

Das galt auch für die Kassen der Bayern, die erstmals in ihrer Vereinsgeschichte eine Millionen-Einnahme verbuchten: 1,1 Millionen Mark! Eine Summe, die die Konkurrenz, die mit Ausnahme von Hertha BSC kein so großes Stadion hatte, vor Neid erblassen ließ.

Beckenbauer, Müller und Co. blieben dem FCB treu

Franz Beckenbauer, der Kapitän jener Mannschaft, sagte Jahrzehnte später: „Das Olympiastadion mit seinem riesigen Fassungsvermögen und die damit verbundenen Ticketerlöse waren ein wichtiger Punkt für die weiteren Erfolge des FC Bayern.“

Plötzlich gab es doppelt so hohe Siegprämien und alle abwanderungswilligen Spieler - von „Katsche“ Schwarzenbeck bis Gerd Müller - fühlten sich unterbezahlt - und verstummten jäh. Zumal es gleich am Tag des Einzugs ins neue Heim eine Meisterprämie zu verdienen gab. Und sie verdienten sie sich! (ÜBERSICHT: Die fixen Transfers aller Bundesliga-Klubs)

Als Schiedsrichter Horstmann an jenem Mittwochabend abpfiff, prangte ein 5:1 von der elektronischen Anzeigetafel. Nur der Name von Gerd Müller stand nicht darauf - schier unfassbar, da er in jener Saison mit 40 Toren einen erst 39 Jahre später von Robert Lewandowski gebrochenen Bundesliga-Rekord aufstellte.

Auch ohne Müller-Tore gab es Grund zu feiern, die Fans waren ob der grandiosen Leistung ihrer Bayern aus dem Häuschen und der Münchner Merkur schrieb: „Und wenn jemals der Tag, so wunderschön wie heute, mit Recht besungen wurde, dann am Mittwochabend vor 80 000, die Augenzeugen waren, als der FC Bayern jenen Maßstab setzte, an dem künftig deutsche Meister gemessen werden.“

Im altehrwürdigen Münchner Olympiastadion nahm die Erfolgsgeschichte des FC Bayern seinen Lauf
Im altehrwürdigen Münchner Olympiastadion nahm die Erfolgsgeschichte des FC Bayern seinen Lauf

So leitete Bayern seine Dynastie ein

Noch ein Novum brachte dieses Spiel mit sich: Zum ersten und einzigen Mal überschritt ein Bundesligist die 100-Tore-Marke (101), dieser Rekord steht auch ein halbes Jahrhundert später noch. Uli Hoeneß war es vergönnt, das Jubiläumstor zu schießen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Vor der Pause trafen kurioserweise nur Verteidiger: Johnny Hansen (31.) und Paul Breitner (40.) sorgten für eine 2:0-Halbzeitführung. Nach Klaus Fischers Anschlusstor (56.) kam kurz Spannung auf. Nach Willi Hoffmanns 3:1 (67.) schied Gäste-Keeper Norbert Nigbur verletzt aus, Vertreter Helmut Papst ließ die historischen Saisontore Nummer 100 und 101 durch - erzielt von Uli Hoeneß (80.) und Franz Beckenbauer, per Freistoß (89.).

Dann lief die Mannschaft von Trainer Udo Lattek mit der Schale eine Ehrenrunde, der ersten eines Bundesliga-Meisters auf einer Tartanbahn. Viele sollten noch folgen. Für die Schalker war es ein trauriger Tag. Bis zum 25. Spieltag hatten sie die Tabelle angeführt, sich auch von den sich verdichtenden Indizien für ihre Beteiligung am Bundesliga-Skandal (manipulierte Spiele im Abstiegskampf 1971) nicht aus der Bahn werfen lassen.

Letztlich waren sie nicht stark genug gegen diesen FC Bayern, der heute vor 50 Jahren in neue Galaxien vorstieß. In den folgenden fünf Jahren schaffte die Mannschaft zunächst einen Meister-Hattrick, danach einen Hattrick im Europapokal der Landesmeister und es dauerte über zwei Jahre, bis sie im Olympiastadion ein Spiel verlor. Das war im September 1974 - gegen Schalke (0:2).

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