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Bei Eintracht Frankfurt brennt der Baum - Oliver Glasner unter Druck

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Bei Eintracht Frankfurt brennt der Baum - Oliver Glasner unter Druck

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Deshalb brennt bei Eintracht der Baum

Deshalb brennt bei Eintracht der Baum

Vor vier Monaten feierte Eintracht Frankfurt noch den großen Triumph in der Europa League. Nun gibt es deutlich erkennbare Risse im Gebälk. Im Blickpunkt: Cheftrainer Oliver Glasner.
Erstmals unter der Leitung vom neuen Coach Niko Kovac gewinnt der VfL Wolfsburg ein Bundesliga-Spiel. Doch Mann des Spiels ein Ordner der Frankfurter.
Christopher Michel
Christopher Michel

Wenn ein Trainer seine Mannschaft nach der zweiten Saisonniederlage am sechsten Spieltag in der Pressekonferenz auseinandernimmt und die Charakterfrage stellt, dann lässt dies tief blicken.

Oliver Glasner hielt nach dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg nicht inne und teilte kräftig aus: „Unser Spiel hatte nichts mit dem zu tun, wie wir eigentlich agieren wollen. Meine Mannschaft war langsam, behäbig, sie hatte wenig Punch, null Durchsetzungsvermögen. Wir hatten desaströse Offensivstandards und hinten hat uns ein Defensivstandard wieder die Punkte gekostet.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Beziehung Krösche und Glasner: Es gibt Risse

Der Österreicher stellte klar: „Deswegen werden wir uns den Spiegel vorhalten und ganz klare Worte sprechen müssen.“ Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen bei den Hessen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

In der Beziehung zwischen Sportvorstand Markus Krösche und Glasner gibt es SPORT1-Informationen zufolge inzwischen Risse. Lagen sich nach dem Europapokal-Erfolg gegen die Glasgow Rangers am 18. Mai noch alle in den Armen, so hat sich der Wind seitdem gedreht.

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Doch was ist in diesen vier Monaten alles passiert? Die lange Transferperiode verlief nicht ganz nach dem Geschmack von Glasner. Im Gespräch mit der hessenschau sagte er zuletzt: „Die Wünsche habe ich schon deponiert. Aber es geht gar nicht um die Trainerwünsche. Wenn ich das sage, ist es ja einfach eine Einschätzung des Kaders. Und der Klub muss dann halt sagen: Wir gehen darauf ein oder wir gehen nicht darauf ein.“

Transferpolitik sorgt für Missstimmung bei der Eintracht

Die Versuche, am Deadline-Day noch einen Außenverteidiger unter Vertrag zu nehmen, waren nicht von Erfolg gekrönt. Der Frust des Trainers? Er steigt seitdem sichtlich.

Begonnen hatte alles mit dem Abgang von Filip Kostic, der ihn überraschte. Rund um das Auswärtsspiel in Berlin gab es deshalb auch eine lautstarke Auseinandersetzung mit Krösche. Die Gerüchte rund um Wechsel von Torhüter Kevin Trapp und „Mister Europa League“ Daichi Kamada taten ihr Übriges.

Bei der Eintracht brennt daher urplötzlich der Baum. Beinahe etwas unbemerkt, aber sich doch schon länger anbahnend. Ein schleichender Prozess! Die Wut von Glasner erwischte am Wochenende auch Jesper Lindström, der während eines Medienauftritts nach Abpfiff lautstark gerüffelt wurde. Natürlich ist bei der Kader-Zusammenstellung nicht alles geglückt (SPORT1 thematisierte die Probleme).

Eintracht-Offensive lahmt zu oft

Zweifelsohne ist der Druck nach dem Europa-League-Sieg und der Champions-League-Teilnahme auf die Eintracht gestiegen, die mediale Wahrnehmung seitdem gewaltig. Dennoch hatte Glasner – trotz aller Defensivprobleme – auch genügend Offensivpower zur Verfügung. Warum rückte Randal Kolo Muani wieder auf die rechte Seite, nachdem vor einer Woche noch vom Coach erklärt wurde, wie gut er in der Spitze funktioniert?

Wofür gab der Klub sechs Millionen Euro für Lucas Alario aus, wenn der Neuzugang aus Leverkusen nicht einmal in einem auf ihn zugeschnittenem Spiel von Beginn an dabei ist? Ein klarer Offensivplan, einen geschickt verteidigenden und tief stehenden Kontrahenten auszuhebeln, gibt es trotz eines Einzelkönners wie Mario Götze weiterhin nicht. Fernab des Erfolgs in der Europa League sind die Zahlen schwach.

Schwache Heim-Bilanz unter Glasner

In 40 Bundesliga-Partien mit Glasner am Seitenrand sammelte die Eintracht 50 Zähler, durchschnittlich also 1,2 Punkte. Mit hochgerechnet 41 Punkten würde Frankfurt im Mittelfeld der Tabelle landen – zu wenig für die Ansprüche der Hessen!

Sorge bereitet die extrem schwache Heimbilanz. In 21 Begegnungen vor eigenem Publikum kommt die Eintracht unter Glasner auf fünf mickrige Siege. Er übernahm die Hessen als zweitstärkstes Heimteam der Bundesliga! Die Gegner kommen auch in dieser Saison (ein Sieg, ein Remis, zwei Niederlagen) viel zu leicht zu (Teil-)Erfolgen. Acht Punkte nach sechs Spieltagen sorgen ebenfalls nicht für zufriedene Gesichter bei den Hessen. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Nachdem mit Union Berlin, dem SC Freiburg oder der TSG Hoffenheim direkte Konkurrenten im Rennen um die internationalen Ränge einen starken Start hingelegt haben, ist zu einem frühen Zeitpunkt der Saison bereits ordentlich Dampf auf dem Eintracht-Kessel.

Schmerzhaft waren vor allem die Auftritte auf der ganz großen Bühne: 1:6 gegen den FC Bayern München, 0:2 im europäischen Supercup gegen Real Madrid und 0:3 beim Champions-League-Debüt gegen Sporting Lissabon.

Eintracht vor einer wichtigen Woche

Die Probleme in der Defensive (Verletzungsanfälligkeit einzelner Spieler, 17 Gegentore in neun Pflichtspielen) gehen auch auf die Kaderplanung zurück. Der Offensive wurde jedoch – dem Kostic-Abgang zum Trotz – hinzugefügt. Mit Ausnahme einzelner Ausreißer (4:3 in Bremen, 4:0 gegen Leipzig) passiert im letzten Drittel aber viel zu wenig. Die Eintracht kreiert kaum hochprozentige Tormöglichkeiten.

Der Geduldsfaden in der Vorstandsetage jedenfalls ist endlich. Noch steht der Coach nicht zur Disposition. Doch die Woche mit den Partien in Marseille und Stuttgart wird zur Belastungsprobe für den gesamten Klub. Glasner muss schnellstmöglich Lösungen finden und sich mit den Gegebenheiten vollumfänglich arrangieren.

Kaderkorrekturen sind erst im Januar wieder möglich. Bis dahin liegt es an Glasner, die PS von Stars wie Mario Götze, Rafael Borré, Lucas Alario, Daichi Kamada oder Randal Kolo Muani konstant auf den Platz zu bringen. Ansonsten ist der Traum von einem Weiterkommen in der Königsklasse ganz schnell zerplatzt.

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