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Ein Hauch von Bellingham - Nmecha zeigt beste Leistung im BVB-Trikot

Ein Hauch von Bellingham

Nach einem schweren BVB-Start trumpft Felix Nmecha beim Sieg gegen Werder Bremen auf. Seine beste Leistung im Trikot von Borussia Dortmund weckt große Hoffnungen.
Felix Nmecha konnte sich beim BVB-Sieg gegen Werder Bremen auszeichnen
Felix Nmecha konnte sich beim BVB-Sieg gegen Werder Bremen auszeichnen
© IMAGO/RHR-Foto
Patrick Berger
Nach einem schweren BVB-Start trumpft Felix Nmecha beim Sieg gegen Werder Bremen auf. Seine beste Leistung im Trikot von Borussia Dortmund weckt große Hoffnungen.

Emre Cans No-Look-Pass? Überragend! Julian Brandts feines Heber-Tor? Weltklasse! Doch neben den beiden BVB-Stars war an der Entstehung des 1:0-Siegtreffers in der Freitagabendpartie gegen Werder Bremen aber noch ein weiterer Akteur maßgeblich beteiligt: Felix Nmecha.

Für Torschütze Brandt war es ein „sehr wichtiger Lauf von Nmecha“, weil er in der 68. Minute im entscheidenden Moment den Raum aufgemacht habe.

Wenige Augenblicke vor dem Pass lief Nmecha Can entgegen und zog damit Werder-Abwehrspieler Milos Veljkovic mit sich. So entstand die Lücke im Bremer Defensivverbund, die letztlich den Weg zur Can-Vorlage und damit zum goldenen Brandt-Treffer ebnete. Damit avancierte Nmecha zum heimlichen BVB-Held des Abends.

Nmecha zeigt beste Leistung im BVB-Trikot

Der zuletzt oft zu Recht kritisierte Mittelfeldspieler zeigte gegen Bremen seine bislang beste Leistung im BVB-Trikot und ließ aufblitzen, wieso er den Dortmundern im Sommer eine stattliche Ablöse in Höhe von 30 Millionen Euro wert war.

„Felix hat ein klasse Spiel gemacht“, befand auch Trainer Edin Terzic, der ihn im zentralen Mittelfeld an der Seite von Kapitän Emre Can in die Startelf beorderte.

„Er hatte noch zwei Chancen. Hätte er einen davon gemacht, hätten wir wohl von einem überragenden Spiel gesprochen.“ Und dann sagte Terzic einen Satz, der vielen BVB-Fans gefallen dürfte: „Wir werden noch viel Freude an ihm haben!“

Wirbel bei Verpflichtung

Bislang war das nämlich noch nicht der Fall. Nmechas Start beim BVB lief alles andere als optimal.

Von einigen schwarz-gelben Anhängern wurde der 23-Jährige bereits vor seinem Wechsel aufgrund von homophoben Internet-Posts mit großer Skepsis empfangen.

Erschwerend hinzu kommt, dass Nmecha mit 30 Millionen Euro zu den teuersten Transfers der Vereinsgeschichte gehörte und in die riesengroßen Fußstapfen des in Dortmund so schmerzlich vermissten und zu Real Madrid abgewanderten Jude Bellingham treten musste.

Ein Hauch von Bellingham

Am Freitagabend wehte dank Nmecha tatsächlich ein Hauch von Bellingham durch das Dortmunder Stadion. Die 81.000 Fans waren von raffinierten Finten, tollen Körpertäuschungen und starken Dribblings begeistert.

„Er hatte sensationelle Bewegungen heute“, lobte auch Brandt, der dem Ex-Wolfsburger „einen super Antritt und ein super-feines Füßchen“ attestierte: „Es gibt aber immer mal ein, zwei Ballverluste, bei denen die Fans einen Herzkasper bekommen, aber er macht Schritte nach vorne.“

Was Brandt damit meint: Hier und da geht Nmecha noch zu risikobehaftet in Dribblings oder spielt den letzten Pass nicht konsequent genug aus. „Manchmal fehlen ein, zwei Prozente. Wenn er die noch oben draufpackt, dann kann er uns besser machen.“

Nmecha kam verletzt aus Wolfsburg

Das Fitnessdefizit aus dem Sommer hat Nmecha offenbar vollends aufgeholt. Zur Erinnerung: Der talentierte Kicker kam vor der Saison bereits mit einer muskulären Verletzung aus Wolfsburg und konnte erst spät in die Teamvorbereitung einsteigen.

Während des USA-Trainingslagers im Juli und August spielte er kaum und trainierte überwiegend individuell. Die hohe Grundfitness, die Nmecha für sein temporeiches und kreatives Spiel braucht, ist endlich zurück.

Was viele BVB-Fans wohlwollend zu Kenntnis genommen haben: Nmecha zeigte am Freitagabend auch den nötigen Biss, den es braucht, um ein Fußballspiel zu gewinnen.

Sich nochmal nachsagen lassen müssen, dass er nur regungslos zuschaut und alibimäßig verteidigt, wie beim 0:2 in der Champions League in Paris, will er offenbar nicht mehr.

Pässe, Dribblings, Zweikämpfe - hier trumpfte Nmecha auf

Gegen Bremen zeigte Nmecha eine Top-Leistung. 41 von 48 Pässen brachte der zuletzt unter dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht berücksichtigte Nationalspieler an den Mann gebracht, alle seine Dribblings schloss er erfolgreich ab, gewann zudem fünf von sieben Zweikämpfen und spielte drei entscheidende Pässe, die zu Chancen geführt haben.

Nmecha selbst sagte nach dem Match: „Ich denke, es läuft mit jedem Spiel besser. Ich bekomme mehr Rhythmus und mehr Sicherheit, seit ich mehr spiele. Ich bin auf einem guten Weg.“

Das konnte man am Freitagabend sehen …