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Bayer Leverkusen: Deswegen ist Rolfes das Mastermind in Alonsos Schatten

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Bayer Leverkusen: Deswegen ist Rolfes das Mastermind in Alonsos Schatten

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Das Genie hinter Bayers Erfolg

Dass Leverkusen eine bislang fast perfekte Hinrunde bestreitet, ist eng mit dem Namen Simon Rolfes verbunden. Der 41-Jährige hat die richtigen Schlüsse aus vorangegangenen Krisen gezogen - und Bayer zu einem echten Titelaspiranten geformt.
Im Juli 2022 löste Simon Rolfes den großen Rudi Völler als Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen ab und viele zweifelten am jungen Nachfolger. Inzwischen ist klar, dass Rolfes dem Job durchaus gewachsen ist. Und sollten die Leverkusener erstmals Deutscher Meister werden, es wäre auch sein Verdienst.
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Größer hätten die Fußstapfen, in die Simon Rolfes treten musste, gar nicht sein können. Im Juli 2022 übernahm der 41-Jährige den Posten des langjährigen Geschäftsführers Rudi Völler - der wohl prägendsten Leverkusener Figur der jüngeren Vergangenheit, einer Persönlichkeit mit bundesweiter Strahlkraft. Nach reiflichen Überlegungen zog sich Völler damals in die zweite Reihe zurück und überließ seinem selbst aufgebauten Nachfolger das Zepter.

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Doch nicht wenige Beobachter glaubten, dass die gigantisch erscheinende Aufgabe mindestens eine Nummer zu groß sei. Nur anderthalb Jahre später hat Rolfes, der seine aktive Karriere 2015 bei der Werkself beendete, aber auch die letzten Kritiker zum Schweigen gebracht. Zeigt der Ex-Profi in neuer Funktion schließlich alles, was sich ein Verein von seinem starken Mann erhoffen kann: Identifikation mit dem Umfeld, eine erwiesene Fachkompetenz, Erfahrung im Business und konsequentes Arbeiten mit der nötigen Gelassenheit.

Mehr noch: Weil Rolfes die grundlegende Basis des Teams von Trainer Xabi Alonso gebastelt hat, das zurzeit voll und ganz begeistert, ist er längst ein elementarer Trumpf. In der Bundesliga thront Leverkusen mit einer herausragenden Ausbeute von 34 Zählern nach zwölf Spieltagen an der Tabellenspitze. Nur Siege gab es in der Europa League und dem DFB-Pokal. So folgte am Dienstag die kaum überraschende Nachricht: Bayer hat seinen Vertrag langfristig bis 2028 verlängert - als Zeichen der Anerkennung.

Werner Wenning kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus. „Simon Rolfes hat es in besonderer Art und Weise verstanden, seine Erfahrung und Qualitäten als Spieler mit den Anforderungen an das Management im modernen Profifußball zu verbinden. Ihn zeichnen eine hohe Fach-Expertise und ein ausgezeichnetes Auge für Talente im globalen Markt, aber auch enormer Fleiß und die unverkennbare Bayer-04-DNA aus“, sagte der Vorsitzende des Gesellschafterausschusses über den früheren Nationalspieler.

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Rolfes hat entscheidende Änderungen vorgenommen

Was bei allen Lobeshymnen nur schon fast in Vergessenheit geraten ist: Rolfes‘ Start als Völler-Erbe war ein unheimlich schwieriger. Im Oktober 2022 taumelten die Rheinländer nach ausbleibenden Resultaten zwischendurch am Tabellenende, ehe Rolfes die Reißleine zog und Trainer Gerardo Seoane entließ. Eine Entscheidung, die im Vereinsumfeld bedauert wurde, sich aber bald als Initialzündung für das sensationelle Formhoch herausstellen sollte.

Denn: In enger Abstimmung mit dem von ihm anschließend verpflichteten Xabi Alonso, was ein entscheidender Coup war, meisterte Rolfes seinen ersten Härtetest bravourös. Frühzeitig erkannte er vorhandene Baustellen und krempelte das Team schonungslos auf links. Auch vor unangenehmen Themen machte Rolfes keinen Halt und löste die so häufig beschriebene Leverkusener Wohlfühloase auf.

Nach der Krisen-Hinrunde verdeutlichte der eigentlich nicht als Lautsprecher bekannte Rolfes knallhart: „Vom Grundsatz her sollten die älteren Spieler bei der Professionalität Vorbild für die jüngeren sein. Das ist bei uns sicher nicht immer so gewesen.“ Manche Spieler haben nicht „diese Professionalität und Bindung“ an den Tag gelegt. Neue Führungskräfte sollten her, so lautete die wichtigste Erkenntnis. Damit war Bayer ein ordentliches Stück vom gewohnten Ansatz abgerückt, ein gehobener Ausbildungsklub zu sein.

Im Sommer tummelten sich deswegen einige prominente Namen auf der Liste der Abgänge: Mitchel Bakker (Atalanta Bergamo), Kerem Demirbay (Galatasaray), Sardar Azmoun (AS Rom) und Moussa Diaby, der für satte 55 Millionen Euro nach England zu Aston Villa ging. Dabei war vor allem der Deal des französischen Flügelflitzers ein richtungsweisender. Durch das neu gewonnene Transferbudget konnte Rolfes nach allen Vorstellungen seines Trainers einkaufen - und holte Granit Xhaka, Alejandro Grimaldo, Jonas Hofmann sowie Victor Boniface mit diesem Geld an Bord.

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Vier absolute Wunschspieler, vier absolute Volltreffer und eine zweifellos perfekte Bilanz in der zurückliegenden Transferperiode, die durch die Verpflichtung einiger Talente wie Nathan Tella oder Arthur abgerundet wurde. Dabei überzeugte Rolfes seine Neuzugänge neben den monetären Anreizen auch mit einem klaren Konzept. „Wenn es den Plan nicht gegeben hätte, hätte man mich hier nicht gesehen“, sagte Xhaka. Optimale Voraussetzungen für Trainer Alonso.

Rolfes: „Haben in den letzten Jahren schon einiges erreicht“

Was Rolfes darüber hinaus zu einem Überflieger macht? Ist das Zusammenstellen einer ansehnlichen, gut harmonierenden Mannschaft nur die halbe Miete, hat er sich frühzeitig um die Perspektiven des Kaders gekümmert. Alle Leistungsträger der Werkself besitzen langfristige Verträge. Wer beispielsweise das bis 2027 gebundene Top-Talent Florian Wirtz haben will, muss tief in die Tasche greifen.

Ausruhen wolle sich der Sportgeschäftsführer trotz der jüngsten Erfolge aber selbstverständlich nicht, eher noch weiter an vorhandenen Stellschrauben drehen. „Ich habe hier viel gelernt und bin froh darüber, dass ich dazu beitragen kann, den Klub zusammen mit vielen professionellen und engagierten Mitstreitern weiterzuentwickeln. Wir haben in den letzten Jahren schon einiges erreicht und nicht nur auf dem Rasen enorm an Qualität hinzugewonnen“, betonte Rolfes.

Wohl in dem Wissen, dass sich die grandiose Entwicklung auch auf den Tribünen widerspiegelt. Seit dieser Saison herrscht bei Bayer ein echter Zuschauer-Boom. Bei bislang allen Bundesliga-Spielen war der komplette Heimbereich ausverkauft. Zudem stieg die Mitgliederzahl in den letzten Monaten um fast 10.000 auf rund 40.000 an. Und so ziem­lich jeder, der es mit Bayer hält, wird die Mel­dung von Rolfes‘ Ver­trags­ver­län­ge­rung als frohe Kunde erlebt haben.

Sollte Leverkusen tatsächlich am Ende der Saison einen der langersehnten Titel gewinnen, so wäre dies auch ein sehr großer Verdienst von Rolfes.