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FC Bayern: Wird Thomas Müller gar nicht mehr gebraucht?

Wird Müller gar nicht mehr gebraucht?

Die Verletzungssorgen beim FC Bayern werden immer größer, doch Thomas Müller ist weiterhin nur Edelreservist. In Augsburg erlebt das Urgestein eine unrühmliche Premiere, die sinnbildlich für seine momentane Situation steht.
Thomas Müller ist beim FC Bayern aktuell nur Edelreservist.
Thomas Müller ist beim FC Bayern aktuell nur Edelreservist.
© IMAGO/Sven Simon
Die Verletzungssorgen beim FC Bayern werden immer größer, doch Thomas Müller ist weiterhin nur Edelreservist. In Augsburg erlebt das Urgestein eine unrühmliche Premiere, die sinnbildlich für seine momentane Situation steht.

Thomas Müller hat in über 15 Jahren als Profi viel erlebt - doch in seinem 459. Bundesligaspiel sorgte das Urgestein des FC Bayern für eine Premiere. Eine, auf die er gern verzichtet hätte.

Mit einem ungeschickten Tritt gegen Ermedin Demirovic verschuldete Müller beim 3:2-Sieg in Augsburg erstmals im Fußball-Oberhaus einen Elfmeter. „Das war jetzt nicht unbedingt die cleverste Aktion meiner Karriere“, räumte der 34-Jährige hinterher selbstkritisch ein.

Müller rechnete eigentlich mit einer direkten Flanke des Augsburger Angreifers, aber Demirovic habe „etwas Untypisches“ gemacht. „Er macht einen Haken und dann kommt so ein Reflex, weil ich den Ball blocken will und das Bein rausstrecke.“

Müller: „Im Nachhinein überehrgeizig“

Der Elfmeterpfiff war unstrittig, Demirovics Anschlusstor zum 2:3 und das damit aufkommende Bangen um die wichtigen drei Punkte aus Bayern-Sicht unnötig. „Im ersten Moment war es ehrgeizig - also eher positiv“, meinte Müller noch. „Im Nachhinein war es überehrgeizig.“

Und so sehr Müller ansonsten mit einer vorbildlichen Einstellung glänzt und sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt, so sehr steht seine unglückliche Aktion im eigenen Strafraum auch sinnbildlich für seine momentan in sportlicher Hinsicht unbefriedigende Situation.

Der Offensivstar war erst wenige Minuten zuvor eingewechselt worden. Erst in der 89. Minute ersetzte Müller Jamal Musiala, seinen designierten Nachfolger auf der Position des Spielgestalters.

Kein Platz für den Raumdeuter?

Nach der frühen Verletzung von Kingsley Coman entschied sich Trainer Thomas Tuchel für den jungen Mathys Tel und gegen den Routinier Müller. Nun ist die offensive Außenbahn freilich nicht Müllers Paraderolle, aber der Offensiv-Allrounder hat vorne schon in diversen Funktionen seine Qualitäten unter Beweis gestellt. Nur: Für den langjährigen Raumdeuter scheint momentan kein Platz in der Bayern-Elf.

Seine Einsätze über 90 Minuten in dieser Saison lassen sich an einer Hand abzählen: Es waren genau zwei. Beim 0:0 im vorletzten Champions-League-Gruppenspiel gegen Kopenhagen und beim Pokal-Aus in Saarbrücken. In der Bundesliga stand er überschaubare siebenmal in der Startelf, spielte aber nie durch. Dazu kamen noch zehn Einsätze als Joker. Seine Saisonbilanz bislang: je ein Tor in Liga und Pokal sowie immerhin sieben Assists in insgesamt 23 Einsätzen.

„Ich stelle mich immer auf Spielzeit ein. Der Trainer entscheidet, wie viel es am Ende wird“, sagte Müller am Samstag. Die einst von Louis van Gaal geprägte Devise „Müller spielt immer“ gilt schon länger nicht mehr.

„Spielende Legende“ ohne Einsatzzeit

Der jetzige Bayern-Coach Thomas Tuchel hatte bereits im Vorjahr mit seiner unglücklichen Aussage, das Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City sei „kein Thomas-Müller-Spiel“, am Nimbus der langjährigen Stammkraft gekratzt.

Seither hat Tuchel mehrfach Müllers Wert betont, bezeichnete ihn im November als „Ikone für den Klub“ und „spielende Legende“. Nur: Letzteres trifft immer weniger zu.

Müller selbst weiß um seine Rolle und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Zu seiner Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus meinte er im Dezember: „Mir ist wichtig, ein Baustein zu sein und zu helfen, das Team in die richtige Richtung zu lenken.“

Müller appelliert an Zusammenhalt

Ob Müller im Februar in den wichtigen Schlüsselspielen in der Liga gegen Angstgegner Borussia Mönchengladbach, bei Spitzenreiter Bayer Leverkusen sowie gegen Verfolger RB Leipzig und im Champions-League-Achtelfinale gegen Lazio Rom auch auf dem Feld wieder eine tragende Säule wird, ist trotz der zahlreichen Ausfälle fraglich.

Müller selbst strahlt auch als Edelreservist weiterhin nach außen gute Laune aus, präsentierte sich in Augsburg lächelnd und feixend auf der Bank. Auch hinterher stellte er den Teamgedanken in den Vordergrund.

„Wir sind eine kleine Gruppe, deshalb müssen wir zusammenhalten“, sagte der Routinier nach dem Arbeitssieg mit Blick auf die vielen Hiobsbotschaften. „Ich hoffe, dass wir die Leute fit kriegen Richtung März, April, dass wir da etwas mehr Glück haben.“ Das könnte auch Müller bei seinem nächsten Einsatz auf dem Platz gebrauchen.