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DFL-Investorendeal geplatzt: Thomas Kessen: "Fühle mich nicht als Sieger"

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DFL-Investorendeal geplatzt: Thomas Kessen: "Fühle mich nicht als Sieger"

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„Fühle mich nicht als Sieger“

Die DFL gibt am Mittwoch bekannt, dass der geplante Investorendeal erstmal vom Tisch ist. Thomas Kessen war als Sprecher der Gruppierung „Unsere Kurve“ einer der größten Gegner des Deals. Nun spricht er im SPORT1-Interview über die Entscheidung.
Der Investoren-Deal der DFL ist endgültig geplatzt. Das bestätigt DFL-Präsidiumssprecher Hans-Joachim Watzke am Mittwoch.
Moritz Thienen
Moritz Thienen

Neben dem Wirbel um das Tuchel-Aus im kommendem Sommer gab es am Mittwoch noch eine weitere Meldung, die die Fußballwelt bewegt hat: Die DFL gab bekannt, dass der geplante Investorendeal geplatzt ist.

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Thomas Kessen hat sich als Sprecher der Fangruppierung „Unsere Kurve“ mehrmals öffentlich gegen den Einstieg von Investoren positioniert. Nun spricht er im SPORT1-Interview über die Entscheidung.

Kessen: „Dies ist ein großer Sieg für die Fans“

SPORT1: Die ausgiebigen Proteste scheinen der Hauptgrund für den Stopp des Investoren-Deals zu sein. Fühlen Sie sich als Sieger?

Thomas Kessen: Ich persönlich fühle mich nicht als Sieger. Man muss aber sagen, dass die heutige Entscheidung der DFL ein großer Sieg für die Fans und Mitglieder in Deutschland ist. Denn letztlich zeigt die Entscheidung, dass der Wesenskern des deutschen Profifußballs die 50+1-Regel ist. Diese sollte umgangen werden, die Mitglieder sollten umgangen werden. Das geht in Deutschland nicht.

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SPORT1: Welche Signalwirkung hat die Entscheidung?

Kessen: Es wurde sehr deutlich gemacht, dass der deutsche Fußball bei solch weitreichenden Entscheidungen mit seinen Fans und Mitgliedern sprechen und die Entscheidung gemeinsam treffen muss. Und wenn man meint, man könnte die Mitglieder umgehen, dann hat man in den letzten Wochen gesehen, wohin das führt. Ich glaube das erneute Scheitern des Investorendeals sollte auch dem Letzten eine Lektion sein, die Fans und besonders die Mitglieder mitzunehmen.

SPORT1: Ist das Einknicken der DFL ein Zeichen der Schwäche oder ein positives Signal, dass nun in gewisser Weise doch auf die Bedürfnisse der Fans eingegangen wird?

Kessen: Wenn man auf die Bedürfnisse der Fans und Mitglieder eingegangen wäre, hätte man den Prozess von Beginn an so gestaltet, dass man die Fans beachtet und mitgenommen hätte. Insofern wurde jetzt nur noch das schlimmste Übel abgewendet. Aber es ist sicherlich nicht so, dass die DFL durch den Abbruch des Investoren-Deals plötzlich zur Fan-Nähe zurückgefunden hätte. Diesen Moment hat sie schon vor Monaten verpasst. Deswegen sehen wir die DFL eher in der Bringschuld, neues Vertrauen der Fans aufzubauen, denn dieses ist aktuell im Minusbereich.

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„Das sollte die DFL kein zweites Mal versuchen“

SPORT1: Was würden Sie sich in Zukunft von der DFL wünschen?

Kessen: Wir haben schon vor der Abstimmung im Dezember kritisiert, dass die DFL keinerlei Vision, kein Ziel hat, wohin sie den deutschen Fußball entwickeln möchte - sondern dass sie einfach nur mehr Geld will. Nach Ansicht von „Unsere Kurve“ wäre die DFL sehr gut beraten, sich nun zu überlegen, wie ein Prozess aussehen könnten, an dessen Ende eine Zukunfts-Vision steht. In diesem Prozess sind wir als „Unsere Kurve“ sehr gerne gesprächsbereit.

SPORT1: Was wäre dafür die Voraussetzung?

Kessen: Es muss sicher sein, dass aus dem aktuellen Fiasko gelernt wurde, und nicht neue Spielchen ausprobiert werden. Damit hat die DFL dem deutschen Fußball, den Mitgliedern und den Fans aktuell großen Schaden zugefügt. Hier kann es nur gemeinsam weitergehen, aber auch nur, wenn die DFL diesen Weg gemeinsam gehen will. Die Fans haben eindrucksvoll gezeigt, wie man mit der Situation umgeht, wenn man sie ausbooten will. Das sollte die DFL kein zweites Mal versuchen.

SPORT1: Glauben Sie denn, dass es wirklich das Ende der Pläne ist, oder nur ein vorläufiges Einknicken?

Kessen: Tja. Aki Watzke hat ja letztes Jahr im Mai schon gesagt, die Pläne seien tot. Sein Wording jetzt ist sehr nah dran an dem aus dem Mai. Im Mai hat man ja gesehen, was sein Wort wert ist. Kaum ein halbes Jahr später war der Plan wieder auf dem Tisch. Das heißt, zu 100 Prozent kann man sich bei der DFL nie sicher sein, ob sie ihr Wort hält. Aber es wäre schon maximal töricht, wenn man nach den letzten Wochen und Monaten ernsthaft einen dritten Anlauf versuchen würde.

Fan-Sprecher: Mehr Geld heißt nicht besserer Fußball

SPORT1: Bräuchte es nicht einen - besser abgestimmten - Deal, um im internationalen Vergleich nicht den Anschluss zu verpassen?

Kessen: Den Vergleich zum Ausland teilen wir so nicht. Letztendlich muss man sehen, dass jedes Wochenende tausende Fans aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um deutschen Stadion-Fußball zu genießen. Nur weil mehr Geld im Spiel ist, heißt das ja nicht, dass das Fußballspiel dann auch besser ist. Ja vielleicht kann man vereinzelnd mal einen Star verpflichten, aber das war es dann auch. Man muss auch festhalten, dass wenn der Deal in der jetzigen Form umgesetzt worden wäre, nur die Vereine profitiert hätten, die eh schon dominieren: Bayern, Dortmund, Leipzig, etc. Das ist nichts Gutes für den deutschen Fußball.

SPORT1: Was muss die DFL stattdessen tun?

Kessen: Eigentlich ist die DFL im nächsten Schritt darauf angewiesen, auch die TV-Gelder gerechter zu verteilen - um dadurch den Wettbewerb wieder integrer zu machen, wieder Spannung in die Liga zu bringen und es zu ermöglichen, dass nicht nur zwei, drei deutsche Vereine international wettbewerbsfähig sind, sondern mehr, oder auch wechselnde Klubs. Das wäre ja im Sinne des Wettbewerbs.

Proteste könnten trotzdem weiter gehen

SPORT1: Glauben Sie, dass die Fan-Proteste jetzt aufhören werden?

Kessen: Auch wenn jetzt der Deal vom Tisch ist, ändert sich unsererseits nichts der Grundaussage der letzten Wochen. Es ist nicht so, dass die Proteste von einem zentralen Gremium organisiert wurde, welches sich einmal die Woche getroffen hat. Die deutsche Fankultur ist sehr heterogen. Diese Proteste wurden immer wieder individuell geplant, immer wieder individuell gestaltet. Insofern wäre es von mir vermessen, zu sagen, am Wochenende passiert nichts. Aber es liegt auf der Hand: Der Grund des Protestes ist nicht mehr gegeben. Das Ziel wurde erreicht. Insofern hat ein weiterer Protest wenig Sinn.

SPORT1: Welche Reaktion erwarten Sie?

Kessen: Ich glaube, dass es durchaus in der einen oder anderen Fankurve deutlich wird, wie sehr dieser Erfolg unter deutschen Fußballfans gefeiert wird. Und wer weiß, vielleicht taucht ja irgendwo ein großer Tennisball mit einem zwinkernden Auge oder Gesichtsausdruck auf. Ich glaube, da sind noch kreative Ideen in den Köpfen der deutschen Fans. Da wird vielleicht die eine oder andere noch zur Geltung kommen am kommenden Wochenende.

SPORT1: Gibt es auch Kontakt zu Fan-Verbänden aus anderen Ländern und wie sehen die den Protest?

Kessen: Wir als „Unsere Kurve“ sind Mitglied bei „Football Supporters Europe“. Das ist quasi die internationale Dachorganisation der nationalen Fan-Verbände. Darüber ist man im stetigen Austausch und hat sich auch über die Proteste ausgetauscht - besonders zum möglichen Investor CVC. Denn die Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich haben schon leidvolle Erfahrungen mit dem Unternehmen machen müssen. Da bekommt man natürlich Informationen. Das war durchaus auch hilfreich für die Argumentation, als es jetzt in den vergangenen Tagen nur noch um CVC als möglichen Investor ging.