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FC Bayern: "Für welchen Preis sollte man das tun"?

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FC Bayern: "Für welchen Preis sollte man das tun"?

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Wer tut sich den FC Bayern noch an?

Der Trainerstuhl des FC Bayern wird immer mehr zum Schleudersitz. Damit stellt sich beim Rekordmeister auch verstärkt die Frage nach der eigenen Philosophie.
Mit dem Trainer-Aus von Thomas Tuchel beim FC Bayern im Sommer sucht der FCB einen neuen Trainer. Im STAHLWERK Doppelpass diskutieren die Experten die möglichen Nachfolger.
Maximilian Lotz
Maximilian Lotz

Nicht einmal ein Jahr nach seiner Vorstellung sitzt Thomas Tuchel beim FC Bayern schon wieder auf gepackten Koffern - besser gesagt auf einer Alubox. Dieses Sinnbild kreierte der scheidende Coach mit der Wahl seiner ungewöhnlichen Sitzgelegenheit beim 2:1-Sieg gegen RB Leipzig am Samstag selbst.

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Doch zugleich weckte Tuchel noch andere Assoziationen - ob gewollt oder ungewollt: Zum Beispiel drängte sich der Vergleich zu Marcelo Bielsa auf. „El Loco“, berühmt berüchtigt für seine kauzige Art - und bekannt für seine Vorliebe für ausgefallene Sitzgelegenheiten. Der blaue Eimer, auf dem er bei Leeds United einst an der Seitenlinie saß, wurde zum Kultgegenstand.

Thomas Tuchel saß während des Spiels gegen RB Leipzig immer wieder auf einem Aluminiumkoffer and er Seitenlinie. Nach dem Spiel fragte ihn ein Reporter provokant, ob er schon auf "gepackten Koffern" sitze. Der Coach konterte süffisant mit dieser Antwort.
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"Auf gepackten Koffern?" Thomas Tuchel kontert provokante Reporter-Frage

Dass Tuchels Alukoffer auch bald im Fanshop des FC Bayern auftauchen wird, darf allerdings bezweifelt werden. Denn eine Ära wie sie Bielsa beispielsweise in Leeds von 2018 bis 2022 geprägt hat, war Tuchel bei den Bayern nicht vergönnt.

Tuchels kurze Bayern-Episode passt ins Gesamtbild

Seine im Sommer nach nur etwas mehr als einem Jahr endende Amtszeit wird vielmehr als eine Episode in die Chronik des Rekordmeisters eingehen. Dennoch passt Tuchels relativ kurzes Kapitel an der Säbener Straße ganz gut in die jüngere Geschichte der Bayern-Trainer.

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Nachdem 2016 die drei intensiven Jahre von Erfolgscoach Pep Guardiola geendet hatten, feierte kein Trainer sein zweijähriges Dienstjubiläum. Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti musste nach nur 14 Monaten wieder gehen, Jupp Heynckes half als Interimstrainer bis Saisonende 2018 aus.

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Für Niko Kovac war dann im Herbst 2019 nach nur 490 Tagen schon wieder Schluss. Hansi Flick sorgte dann zwar 2020 mit dem Sextuple für den maximalen Erfolg, doch er verabschiedete sich im Jahr darauf zum DFB.

„Kein Ort für Entwicklungen“

Zuletzt sollte mit Julian Nagelsmann eine neue Ära von längerer Dauer eingeläutet werden, untermauert mit einem Fünfjahresvertrag. Im Vorjahr erfolgte dann durch die damaligen Bosse Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic eine gewisse Panikreaktion und der Wechsel zu Tuchel.

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Mit dem Resultat, dass der FC Bayern in diesem Sommer vor einem Neuanfang steht. Mal wieder. Der Trainerstuhl bei den Münchnern ist zu einem Schleudersitz geworden.

„Es ist ein Tagesgeschäft, das hier ist kein Ort für Entwicklungen. Es muss jeden Samstag und jeden Mittwoch funktionieren. Am besten nicht mal mit einem biederen 2:1, sondern ein 3:0 soll es schon sein. Daher ist es bei uns immer ein ganz heißer Reifen“, sagte Thomas Müller bei Sky.

„Unattraktivste Position ever“

Diese extremen Anforderungen kann ein Trainer nur schwer über einen längeren Zeitraum dauerhaft erfüllen.

„Die Realität ist eine andere“, sagte Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1, „daher dieser Verschleiß bei den Bayern, bei denen ich diese Position mittlerweile als die unattraktivste Position ever sehe.“ Zudem warf sie die Frage auf: „Für welchen Preis würde man das tun?“

Thomas Tuchel muss den FC Bayern im Sommer verlassen. Im STAHLWERK Doppelpass diskutieren die Experten, was sich im Verein seit der Entscheidung verändert hat.
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STAHLWERK Doppelpass: Tuchels Auftreten bemerkenswert? "Verletzt in seiner Ehre"

Die Olympiasiegerin von 2016 riet daher potenziellen Bayern-Trainern: „Ich würde nur noch einen Jahresvertrag beim FC Bayern unterschreiben in der Position.“

Aber wer käme denn als Nachfolger von Tuchel überhaupt ernsthaft infrage? Und vielleicht noch wichtiger, was auch im Doppelpass mit Skepsis gesehen wurde: Wer tut sich den Job bei Bayern überhaupt an?

Alonso hat viele Optionen

Xabi Alonso soll ein Wunschkandidat sein und liefert mit seiner erfolgreichen Arbeit bei Bayer Leverkusen Woche für Woche mehr Beweise, dass der frühere Mittelfeldstratege des FC Bayern wohl auch noch größeren Aufgaben gewachsen ist.

Xabi Alonso soll Wunschkandidat des FC Bayern sein
Xabi Alonso soll Wunschkandidat des FC Bayern sein

Das macht Alonso gleichzeitig für andere internationale Topklubs interessant. Auch sein Ex-Klub FC Liverpool sucht nach Jürgen Klopps angekündigtem Rücktritt ab Sommer ja noch einen neuen Coach.

„Leverkusen ist seine erste Adresse. Ich denke nicht, dass er da schon fertig ist“, sagte Ex-Bundesliga-Stürmer Erik Meijer im Doppelpass. „Er hat sehr viele junge Spieler so viel besser gemacht. Was sie geschafft haben bei Bayer, ist das Allergrößte, nämlich ein Konkurrent für die großen Bayern zu sein. Ich denke auch, dass Xabi Alonso in Leverkusen bleibt.“

Und Effenberg fragte: „Warum sollte er sich so etwas im Sommer antun bei Bayern München, wo ein Umbruch ist?“

Dass der designierte Bayern-Sportvorstand Max Eberl Alonso in seiner Zeit bei Gladbach 2021 zu den Fohlen locken wollte, könnte noch ein Faktor werden.

Max Eberl soll im März beim FC Bayern anfangen. SPORT1 Chefreporter Stefan Kumberger erklärt, welchen Einfluss Eberl bei den Bayern haben soll.
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STAHLWERK Doppelpass: So viel Macht soll Max Eberl beim FC Bayern bekommen

Flick-Rückkehr wäre ein Risiko

Aktuell ohne Job und damit verfügbar wäre Flick, doch eine Rückkehr gilt als unwahrscheinlich. Vor allem sein Verhältnis zu Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist nach wie vor belastet. So verhinderte nach SPORT1-Informationen sein Eingreifen aktuell die Rückkehr des einstigen Erfolgstrainers als Tuchel-Nachfolger.

Eine Rückkehr birgt zudem immer die Gefahr, an den vorherigen Erfolgen gemessen zu werden.

„Dieses Jahr mit sechs Titeln war wunderbar und das muss man Flick hoch anrechnen. Aber es war eine Ausnahmesituation und da muss man einen Schlussstrich darunter machen“, sagte dpa-Journalist Klaus Bergmann im Doppelpass.

Hoeneß ein ernsthafterer Kandidat als viele glauben

Eine Option mit Stallgeruch wäre auch Sebastian Hoeneß. Nach SPORT1-Informationen ist der Trainer des VfB Stuttgart ein ernsthafterer Kandidat als viele glauben.

Der Neffe von Uli Hoeneß war von 2017 bis 2020 als Coach im Nachwuchsbereich der Bayern tätig und führte die zweite Mannschaft 2020 zum Meistertitel in der 3. Liga. In Stuttgart formte er aus einem Abstiegskandidaten einen Champions-League-Anwärter.

„Sebastian Hoeneß wird mit Sicherheit irgendwann mal Bayern-Trainer, aber sicher nicht im Sommer“, glaubt SPORT1-Experte Effenberg mit Blick auf die fehlende internationale Erfahrung des 41-Jährigen.

Der Ex-Nationalspieler rät Hoeneß daher zu einem Verbleib bei den Schwaben: „Er baut in Stuttgart etwas Großartiges auf, warum soll er gehen? Aber er hat natürlich eine gewisse Bayern-DNA nach seiner Zeit bei der zweiten Bayern-Mannschaft. Aber für die eigene Entwicklung ist es wichtig, noch in Stuttgart zu bleiben.“

Internationale Lösung Zidane oder Mourinho?

Bliebe noch die Möglichkeit eines internationalen Toptrainers, die im STAHLWERK Doppelpass ebenfalls heiß diskutiert wurde.

SZ-Journalist Philipp Selldorf bezeichnete etwa José Mourinho als eine „sehr interessante und auch gute Lösung“. Mourinho sei jemand mit viel Ausstrahlung, Erfahrung und Autorität, der „auch einen hohen Unterhaltungswert bieten“ würde.

Effenberg kann sich das nicht vorstellen: „Die Bayern sehnen sich nach einem Trainer, der in den Pressekonferenzen keine Fässer aufmacht“. Es müsse jemand sein, der das „hochprofessionell abserviert wie ein Ottmar Hitzfeld“.

Auf die Nachfrage von SPORT1-Moderator Florian König, wer dieser Hitzfeld 2024 sein soll, meinte Meijer, dass dies dann nur Zidane sein könne und Effenberg ließ ein zustimmendes „wahrscheinlich“ folgen.

Bayern und die Frage nach der eigenen Philosophie

Der Unterhaltungsaspekt kam in den vergangenen Wochen an der Säbener Straße definitiv nicht zu kurz. Generell müssen sich die Bayern angesichts des hohen Trainerverschleißes zuletzt auch die Frage nach ihrer eigenen Philosophie stellen.

„Wir müssen uns alle hinterfragen: Die Mannschaft, der Trainer, wir in der Führung - und das tun wir“, betonte Präsident Herbert Hainer nach dem Spiel gegen Leipzig. Dass man die letzten drei Trainer innerhalb nicht allzu langer Zeit ausgetauscht habe, sei nicht der Wunsch und spreche auch nicht für den FC Bayern, ergänzte Hainer.

„Wir wollen langfristig mit dem Trainer zusammenarbeiten“, betonte der Bayern-Präsident. Man werde sehr genau überlegen und analysieren - „und hoffentlich den Richtigen holen“.