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"Grenze überschritten“ - Stadion-Protest gegen DFL entzweit Doppelpass - Fan-Vertreter irritiert

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"Grenze überschritten“ - Stadion-Protest gegen DFL entzweit Doppelpass - Fan-Vertreter irritiert

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Hitzige Debatte über Fan-Proteste

Die immer weiter eskalierenden Fan-Proteste gegen den Investor-Deal der DFL sorgen erneut für kontroverse Debatten. Im STAHLWERK Doppelpass erklärt Bayer Leverkusens Macher Simon Rolfes seine Sicht der Dinge - ein Fan-Vertreter macht dagegen SPORT1-Experte Stefan Effenberg sprachlos.
Jost Peter, Vorsitzender von "Unsere Kurve", erklärt im STAHLWERK Doppelpass die DFL-Proteste der Fans in Deutschland und deren Forderungen.
Gabriel Skoro
Gabriel Skoro
von SPORT1

Es ebbt nicht ab! Auch an diesem Wochenende haben Fan-Proteste gegen den Investor-Deal der Deutschen Fußball Liga (DFL) für zahlreiche Unterbrechungen und Spielverzögerungen in der Bundesliga und 2. Bundesliga gesorgt.

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Bei den Verantwortlichen der Klubs stoßen die Aktionen dabei nur bedingt auf Verständnis.

„Dass man gegen Dinge protestiert, ist freie Meinungsäußerung, und das sollten wir uns in Deutschland auch tunlichst bewahren. Mein Problem ist aber, dass durch Spielabbrüche eine Grenze überschritten wird“, sagte Simon Rolfes im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.

Der Geschäftsführer Sport von Bayer Leverkusen fügte an: „Mir fehlt da die inhaltliche Diskussion, weil man ja auch sehen muss, wie Vereine aufgestellt sind und dass die eigenen Fans dagegen wiederum nicht protestieren. Da geht es doch überall um strategische Vermarktung.“

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Rolfes: „Da ist so ein bisschen Doppelmoral“

Für Rolfes ist klar: „Die Entwicklung war nie negativ für die Fans, sondern haben den Fußball und die Stadien attraktiver gemacht. Da ist so ein bisschen Doppelmoral, die Debatte kommt mir da zu kurz. Und es gab einen demokratischen Prozess der Abstimmung.

Der Funktionär der Werkself verwahrte sich aber auch gegen eine Verallgemeinerung, als dass nun „alle Fans“ protestierten, „da sollte man nicht pauschalieren.“

Jost Peter dagegen verteidigte die aktuelle Haltung zahlreicher Anhänger in den Stadien: „Es geht darum, dass die DFL-Entscheidung für einen Investor nicht kommuniziert wurde und mit Mitgliedern (der Fan-Szene, Anm. d. Red.) abgestimmt war. Dort, wo es dann zufällig passierte, weil da gerade eine Jahreshauptversammlung stattfand, wurde das Projekt abgelehnt.“

„Weil es eine geheime Abstimmung war, ist zu vermuten, dass die 50+1-Regel gebrochen wurde“, sagte der in den Dopa zugeschaltete Vorsitzende der Fan-Vereinigung von „Unsere Kurve e.V.“.

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Fan-Vereinigungsboss: „Wozu ein Investor?“

Peter ging in der Folge ins Detail: „Wozu soll ein Investor überhaupt da sein? Wir diskutieren gern, wie Projekte finanziert werden können. Aber hier geht es nun auch um Sportwetten und Saudi-Arabien - es gibt so viele Fragen, über die wir gern diskutieren würden.“

Für ihn ist klar: Bei Vorab-Gesprächen und „vernünftigen Vorschlägen würde es auch keine Proteste geben. Die Frage, wie es nun weitergeht, liegt eindeutig im Feld der DFL.“

Das wollte Rolfes nicht unkommentiert lassen: so stehen lassen: „Ein Investor schadet niemanden. Die Zeiten sind vorbei, dass Vereine ein bisschen ehrenamtlich geführt werfen wie in den 80ern. Der ganze Service für die Fans heutzutage und die Stadien werden ja nicht einfach so finanziert. Das ist auch ein Teil von Business Development.“

Die DFL wolle die Liga ein Stück weit „international auf vielen Devices anbieten. Das bedeutet doch nicht, dass wir die Fans lokal nicht mitnehmen wollen. Bei uns gibt es so viele Arbeitsgruppen, wo Fans mitbestimmen - es kann diesen Spagat und Mix geben, das schließt sich nicht aus.“

Fan-Bündnis fordert erneute DFL-Abstimmung

Peter konterte: „Es wird da ein Vertrag über 20 Jahre geschlossen, und wenn wir uns die letzten 20 Jahre anschauen, was sich in Sachen Kommerzialisierung, Spieltagsaufsplitterung und Spielzeiten-Verlegung getan hat, dann ist das eine Entwicklung, die sich mit einem nur an Rendite orientierten Investor noch beschleunigen wird statt sie zu stoppen.“ Die DFL tue indes so, „als sei das gestoppt - aber das Gegenteil ist der Fall.“

Der Fan-Bündnis-Vertreter forderte deshalb eine erneute Abstimmung der DFL zu einem Investor-Deal, die dann „öffentlich stattfinden muss. Auch die Unklarheit, wie Herr Kind (Geschäftsführer von Hannover 96, Anm. d. Red.) abgestimmt hat, muss endlich auf den Tisch kommen.“ Die DFL dürfe sich nicht hinter der Aussage verstecken, es werde geheim abgestimmt.

Käme es tatsächlich zu einer erneuten Abstimmung, die dann ebenfalls in eine „strategische Partnerschaft“ (DFL) mit einem Investor mündetete, würde Peter dies als „eine demokratische Entscheidung akzeptieren.“ Er schränkte indes ein: „Wie das bei den Ultra-Bündnissen in Deutschland aufgenommen würde, weiß ich nicht.“

Im STAHLWERK Doppelpass ist Stefan Effenberg sprachlos, weil Jost Peter, Fanvertreter von "Unsere Kurve", sich nicht im Namen der Fans für das Fadenkreuz-Banner mit Martin Kind entschuldigt.
03:55
STAHLWERK Doppelpass: Effenberg sprachlos wegen eines Fanvertreters

Fan-Bündnis stellt DFL-Kommunikation infrage

Dem Vorwurf an die Protest-Fans, einen von der DFL um Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke angebotenen Dialog abgelehnt zu haben, hielt Peter entgegen, es habe sich um kein „ernsthaftes Kommunikationsangebot“ gehandelt: „Die Message war: ‚Liebe Fans, ihr habt da wohl etwas nicht ganz verstanden, das wollen wir euch erklären‘.“

Peters Erklärung dagegen zum Fadenkreuz-Plakat mit Martin Kind, das die Fans von Hannover 96 am Freitag während des Zweitliga-Spiels beim Hamburger SV hochhielten und damit fast für einen Spielabbruch sorgte, ließ dann wiederum die Dopa-Runde - vor allem SPORT1-Experten Stefan Effenberg - zwischen Unverständnis und Fassungslosigkeit zurück.

Es sei darum gegangen, „wie ich ohne Tennisbälle einen Protest ausdrücke, da haben die Hannover-Fans vielleicht einen taktischen Weg gewählt.“

Die Fanproteste während des Spiels der 2. Bundesliga zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV sorgen für Diskussionen.
06:38
Fan-Proteste: Wo führt das hin? | 2nach10

Fadenkreuz gegen Kind? „Das Ding nicht hochspulen“

„Es ging gar nicht darum, Herrn Kind in ein Fadenkreuz zu stellen, sondern: Wie bekomme ich auch so eine Spielunterbrechung hin“, so Peter weiter, der betonte, es habe „ja auch keinen Abbruch“ gegeben: „Die Transparente wurden wieder eingerollt. Ziel erreicht, fertig.“

Die Anmerkung, ob eine in ein Fadenkreuz gestellte Person nicht zwangsläufig falsch und pervers sei, konterte der Fan-Vertreter: „Da müssen wir auch mal beim Thema bleiben und das Ding nicht hochspulen. Ultra-Szenen neigen zur Provokation und suchen auch historische Anknüpfungspunkte.“

Es ziele „niemand mit einem Gewehr auf Herrn Kind. Das ist auch nicht das Stilmittel unserer Vereinigung.“