Entscheidet sich Ralf Rangnick für den FC Bayern oder bleibt er Trainer der österreichischen Nationalmannschaft? Diese Frage treibt aktuell sowohl die Verantwortlichen des Rekordmeisters als auch den österreichischen Verband um.
Verbandsboss bestätigt: Kein Kontakt zum FC Bayern!
Kein ÖFB-Kontakt zu Bayern!
Spannend dabei: ÖFB-Präsident Klaus Mitterdorfer bekundet öffentlich wachsende Zuversicht, dass der Faktor Zeit zunehmend für einen Verbleib Rangnicks spricht.
„Es ist noch offen. Ich hoffe, dass es in sehr naher Zukunft eine Entscheidung für uns geben wird“, sagte Mitterdorfer am Rande des Pokalfinales am Mittwoch dem ORF. „Wir haben auch heute mit ihm darüber gesprochen, aber die letzte Entscheidung liegt bei ihm.“
Noch kein Kontakt zwischen ÖFB und Bayern
Rangnick habe „noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Wir versuchen ihm immer noch zu vermitteln, dass wir es wertvoll finden würden, wenn er in Österreich bleibt, wenn er weiter diesen Weg gemeinsam mit uns geht. Er hat bei uns Gestaltungsmöglichkeiten, wir denken da an eine längerfristige Vereinbarung mit ihm“, sagte der Verbandspräsident.
Zugleich betonte Mitterdorfer: „Es hat noch keinen Kontakt mit Bayern München gegeben, mit dieser Frage beschäftige ich mich auch nicht. Unser großes Ziel ist es, Ralf Rangnick bei uns in Österreich als großartigen Trainer zu behalten.“ Der Präsident rechnet damit, dass es „sehr, sehr zeitnah“ eine Entscheidung geben wird.
„Je länger es dauert, desto größer ist die Chance“
Am Vortag hatte Mitterdorfer den Faktor Zeit zum Anlass genommen, verstärkt auf einen Verbleib Rangnicks zu hoffen. „Je länger es dauert, desto größer ist die Chance, dass er sich für uns entscheidet“, sagte Mitterdorfer im Rahmen einer Veranstaltung der Kleinen Zeitung am Dienstagabend in Wien. Er habe das Gefühl, dass Rangnick „der Einfluss in Österreich einiges wert ist“.
Am Rande des Pokalfinales führte er diesen Gedanken weiter aus. „Für Menschen wie Ralf Rangnick sind ihre Möglichkeiten wichtig, dass er sich einbringen kann, dass er in allen Bereichen Einflussmöglichkeiten hat“, erklärte Mitterdorfer. „Diese Möglichkeiten hat er bei uns und wird mit seinem großartigen Team noch intensiver haben, wenn er sich für uns entscheidet.“
Auch ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold gab sich am Mittwoch am Rande des Pokalfinales kämpferisch. „Wir versuchen alles, Ralf Rangnick zu überzeugen, den eingeschlagenen Weg mit uns fortzusetzen“, sagte Neuhold dem ORF.
ÖFB glaubt an Rangnick-Verbleib
Rangnick habe in den vergangenen beiden Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben und das Nationalteam mit seinem Staff auf eine neue Ebene gehoben, ergänzte Neuhold: „Und ich glaube, er weiß es auch zu schätzen wie eng hier die Zusammenarbeit ist und wir hoffen natürlich, dass diese Argumente letztlich für ihn den Ausschlag geben.“
Rangnick besitzt beim ÖFB noch einen Vertrag bis 2026, vergangene Woche bestätigte der frühere Bundesligacoach Gespräche mit den Bayern. Die Bayern-Bosse sendeten nach dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid (2:2) unterschiedliche Signale zum aktuellen Stand der Dinge.
„Ich glaube, dass er selbst noch schwankt“, sagte Mitterdorfer am Dienstagabend. Der ÖFB hat in seinen Augen viele Argumente auf seiner Seite. „Er ist sicher nicht bequem. Er beschäftigt sich mit allen Strukturen. Das ist nicht angenehm, aber es reißt alle mit“, betonte der Präsident. Er rechne „bald“ mit einer Entscheidung.
Verband sondiert Alternativen
Nach SPORT1-Informationen macht sich in der ÖFB-Zentrale Kampfeslust breit. Wie bereits berichtet, möchte man für Rangnick eine Ablöse zwischen zehn und 15 Millionen Euro kassieren.
Für den Fall eines Rangnick-Abschieds soll der ÖFB bereits den Markt sondieren, favorisiert werde ein Trainer mit RB-Vergangenheit. Das berichten die Salzburger Nachrichten und nennen etwa den früheren Leipzig- und Salzburg-Coach Jesse Marsch ebenso als möglichen Kandidaten wie Thomas Letsch oder den bei Benfica in der Kritik stehenden Roger Schmidt.
Die Hoffnung, dass die Gedankenspiele zur Makulatur werden, ist trotzdem greifbar. Auch ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel hatte vergangene Woche Zuversicht verbreitet.
„Er fühlt sich beim ÖFB sehr, sehr wohl und schätzt die Tätigkeit. Die erreichten Ziele in den letzten zwei Jahren sind für alle Beteiligten eine tolle Sache. Wenn ein Verein wie Bayern München anklopft, ist es aber verständlich, dass man über das Interesse dieses Vereins nachdenkt“, sagte Schöttel dem ORF.