Bereit für die große Bühne! Mike Tullberg bestätigte auf der Pressekonferenz vor seinem letzten Spiel als Interimstrainer in Heidenheim, dass man ihn „auf jeden Fall“ wieder auf der großen Bühne sehen wird. „Als Zuschauer“, fügte er schmunzelnd hinzu: „Ob es anders kommt, werden wir sehen. Ich habe Bock auf Fußball, Bock mit Menschen zu arbeiten.“
Dortmunds nächster Schattenmann - er sitzt jetzt Kovac im Nacken
Dortmunds nächster Schattenmann
Länger als zunächst angedacht, betreut er nun schon das BVB-Team. Ab Sonntag kehrt er zurück zur U19, für die er schon seit über vier Jahren tätig ist (seit 2019 im Verein). „Die U19 sind meine Kinder und mal soll nicht vergessen, wo man herkommt“, erklärte Tullberg.
BVB-Coach Tullberg fliegen Fan-Herzen zu
Der 39-Jährige hat schon jetzt einen bleibenden Eindruck hinterlassen – und das seit seiner Antritts-Pressekonferenz. Er erwarte von seinen Spielern „Schaum vor dem Mund“ und „Messer zwischen den Zähnen“.
Mit dieser Wortwahl und vor allem mit seiner Art und Weise kommt er bei den BVB-Fans wahnsinnig gut an. Als er dann noch über „Kohle und Stahl“ sprach und mit der Mannschaft die ersten Punkte in diesem Jahr holte, war ihm die Gunst der Anhänger des Ruhrgebiet-Klubs sicher.
Doch nicht nur verbal geht Tullberg voran.
Emotionalität als Tullbergs Steckenpferd
Beim 2:0-Führungstreffer gegen Bremen sprintete er jubelnd die Linie entlang. Noch beachtlicher war seine Reaktion auf ein Tackling von Karim Adeyemi an der Seitenauslinie gegen Donezk.
Der Offensivspieler, der normalerweise nicht für eine ruppige Art bekannt ist, checkte seinen Gegenspieler Richtung gegnerische Ersatzbank. Tullberg ballte die Faust, brüllte seine Freude über die Aggressivität seines Spielers heraus und zündete so auch die Fans auf den Rängen an.
Die Aktion zeigt: Tullbergs Art erreicht die Spieler.
„Ich habe Bock auf Fußball, Bock mit Menschen zu arbeiten. Ich hoffe, das merkt man auch. So wie ich gejubelt habe nach unseren Toren im Stadion, ist es nicht anders, als wenn die U19 ein Tor schießt“, ordnete Tullberg ein und ergänzte: „Das sieht nur keiner.“
Emotionalität, Leidenschaft und Erfolgshunger sind genau das, was sich die BVB-Anhänger seit Jürgen Klopp an der Seitenlinie wünschen.
„Er hat einen Super-Job gemacht, hat eine super Energie reingebracht“, lobte BVB-Torhüter Gregor Kobel. Auch Sportdirektor Sebastian Kehl bestätigt, dass das veränderte Stimmungsbild ein „Verdienst von Mike Tullberg und seinem Trainerteam“ sei.
Tullberg mit Ambitionen: „Das weiß der Verein auch“
Doch welche Perspektive hat Tullberg in Dortmund? Bereits im Oktober meinte der Däne bei den Ruhr Nachrichten: „Ich kann bestätigen, dass ich mich bereit fühle, irgendwann mal etwas anderes zu machen. Ich werde hier nicht die nächsten vier oder fünf Jahre U19-Trainer sein. Das weiß der Verein auch.“
Auch deshalb verhandelte er Anfang des Jahres mit Brann Bergen. Die Verhandlungen schienen sogar weit fortgeschritten zu sein. Am Ende platzte der Wechsel nach Norwegen überraschend und Tullberg blieb in Dortmund.
Für den Verein, aber auch für ihn selbst dürfte das eine glückliche Fügung gewesen sein. Denn die ganz große Bühne, wie in dieser Woche, hätte er so wohl (noch) nicht kennengelernt.
Kovac übernimmt – Tullberg betreibt Eigenwerbung
Fix ist: Ab Sonntag übernimmt Niko Kovac die Mannschaft. Dass Tullberg keine Dauerlösung werden würde, war für die Bosse und auch für den U19-Trainer selbst von Anfang an klar.
Doch warum eigentlich? Nach Nuri Sahin und Edin Terzic wollten die Verantwortlichen nicht erneut jemanden aus dem eigenen Stall installieren. Auf einmal war der „Input von Außen“ ganz oben auf der Profil-Liste.
Auch dass sich die Bosse so früh darauf festgelegt hatten und Wort halten wollten, ließen keine weiteren Gedankenspiele zu.
Und dennoch: Als Interims-Lösung hat Tullberg dennoch beste Werbung in eigener Sache gemacht und bewiesen, dass auf ihn, im Falle der Fälle, Verlass sein wird – auch in Zukunft.
Der Schattentrainer des BVB
Sollten die BVB-Verantwortlichen ihren U19-Trainer noch langfristig im Verein halten wollen, müssen sie ihm wohl eine Perspektive aufzeigen.
Vielleicht weisen die Bosse ihn auch auf den Weg von Edin Terzic hin, der aus der Jugend in die erste Reihe rutschte. Oder Nuri Sahin, der erst Co-Trainer, nach einem halben Jahr allerdings Cheftrainer wurde.
Den Verantwortlichen dürfte klar sein: Sein Auftreten wird auch anderen Vereinen nicht verborgen geblieben sein. Wenn er seinen Weg nicht in Dortmund geht, wird er ihn woanders gehen.
Ein Heimspiel im Signal Iduna Park war Tullberg immerhin vergönnt – ein „geisteskrankes Gefühl“, wie Tullberg nach dem 2:1-Sieg gegen Donezk zugab.
Traurig darüber, dass seine Zeit als Cheftrainer am Samstag ein (vorläufiges) Ende findet, ist er nicht. Im Gegenteil: „Ich habe total Bock, wieder in die U19 zurückzukehren, mit den Jungs zu arbeiten und den einen oder anderen Traum mitzuerfüllen“, so der Däne.
Vielleicht erfüllt sich dieser auch für Mike Tullberg, indem er schon bald aus dem Schatten zurück ins große Scheinwerfer-Licht tritt. Bereit für die große Bühne ist er schon jetzt.