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Das Fußball-"Märchen" ist perfekt

Das „Märchen“ ist perfekt

Senkrechtstarter Younes Ebnoutalib trifft in seinem ersten Spiel für Eintracht Frankfurt. Der Aufstieg des 22-Jährigen gleicht damit endgültig einem „Märchen“.
Younes Ebnoutalib feiert ein Traumdebüt bei Eintracht Frankfurt. Der gebürtige Frankfurter trifft direkt bei seinem ersten Einsatz und sorgt damit für einen ganz besonderen Moment.
Senkrechtstarter Younes Ebnoutalib trifft in seinem ersten Spiel für Eintracht Frankfurt. Der Aufstieg des 22-Jährigen gleicht damit endgültig einem „Märchen“.

Am Freitagabend nahm das „Märchen“, wie es Legende Jan-Age Fjörtoft im SPORT1 Doppelpass nannte, in der 71. Minute seinen Lauf: In seinem ersten Spiel für Eintracht Frankfurt bekam Younes Ebnoutalib den Ball in den Lauf gespielt, sprintete der Heimkurve entgegen, schüttelte seine Verfolger ab und beförderte das Spielgerät schließlich über Dortmund-Keeper Gregor Kobel hinweg ins Netz.

Was folgte, war pure Ekstase: Der gebürtige Frankfurter rannte nach seinem Bundesliga-Premierentor zum zwischenzeitlichen 2:2 gegen den BVB zur Eckfahne und feierte mit seinen Mitspielern, während auch Freunde und Familie auf den Rängen jubelten.

Zweifellos ein „Märchen“ - vor allem, weil Ebnoutalib vor nicht allzu langer Zeit von solchen Momenten nur hatte träumen können.

Eintracht Frankfurt: Fjörtoft schwärmt von Ebnoutalib

„Vor einem Jahr hat er für Gießen gespielt. Jetzt schießt er Tore in der Bundesliga. Er ist ein klasse, klasse Typ und es ist eine Freude, so jemanden zu sehen“, schwärmte Fjörtoft am Sonntag im Dopa.

Nach dem 3:3 gegen Dortmund sei der frühere Frankfurt-Profi (52 Spiele, 14 Tore) zu Ebnoutalib gegangen und habe ihm gesagt: „Ich habe für den Verein gespielt, da warst du noch nicht einmal geboren, aber du weißt: Jetzt bist du ein Teil davon.“

Vor zwei Wochen hatte die Eintracht die Verpflichtung von Ebnoutalib bekannt gegeben. Rund acht Millionen Euro sollen für den Offensivspieler nach Elversberg geflossen sein, bis zu zwei Millionen könnten durch Boni hinzukommen. Für den Zweitligisten hatte Ebnoutalib in der bisherigen Saison in 17 Partien beeindruckende zwölfmal getroffen.

Ebnoutalib ehrlich: „Ein bisschen überfordert“

Seinen geglückten Sprung zu einem Champions-League-Teilnehmer konnte der 22-Jährige nach seinem erfolgreichen Einstand nur schwer verarbeiten. „Ich bin noch immer ein bisschen sprachlos, weil es ein sehr krasses Gefühl ist, dass ich direkt beim Debüt ein Tor schieße“, erklärte Ebnoutalib bei Sky. „Ich bin einfach nur dankbar, dass der Trainer mir die Chance gegeben hat, direkt von Anfang an zu spielen.“

Bei Sat.1 gab er erfrischend ehrlich zu: „Als ich alleine aufs Tor zugelaufen bin, war ich ein bisschen überfordert. Komplett neu, vor so einer Kulisse. Dann habe ich den Ball zu spät mitgenommen und dachte mir: ‚Nein!‘ Aber dann habe ich versucht, den einfach noch irgendwie zu schießen. Zum Glück ist er reingegangen.“

Toppmöller lobt Frankfurts Neuzugang

Doch nicht nur mit seinem Tor rechtfertigte Ebnoutalib die intensiven Bemühungen der Eintracht um seine Person. Der 1,91 Meter große Angreifer war bei seinem Debüt omnipräsent im Frankfurter Sturmzentrum, fiel durch harte Zweikampfführung auf, provozierte zwei Gelbe Karten und spulte die zweitmeisten Kilometer seiner Mannschaft ab.

„Younes hat ein gutes Gespür für die Positionierung im Rücken des Gegners, hat einen guten Tiefgang. Dass er den mit der Sohle noch so mitnimmt und ihn reinschießt, das ist für ihn ein ganz besonderer Tag, hier vor der Kurve das Tor zu schießen. Das ist schön für ihn und das hat er sich verdient“, lobte Eintracht-Trainer Dino Toppmöller den Neuzugang, der vor zwei Jahren noch vor dem Nichts gestanden hatte.

Vor zwei Jahren noch vor dem Nichts

Im Januar 2024 war der Vertrag des Deutsch-Marokkaners beim italienischen Drittligisten AC Perugia nach nur einem einzigen Einsatz in der Serie C vorzeitig aufgelöst worden. Es folgte ein halbes Jahr ohne Verein, ehe Ebnoutalib mit dem FC Gießen in der Regionalliga Südwest eine neue sportliche Heimat fand.

Nach sechs Toren und zwei Vorlagen in 19 Ligaeinsätzen schlug Elversberg zu, wo sich der Stürmer erst zur laufenden Saison einen Stammplatz erarbeitete und dann eindrucksvoll überzeugte.

Ebnoutalib erklärt rasanten Aufstieg

Sein rasanter Aufstieg, der nun vorerst im Wechsel zur Frankfurter Eintracht gipfelt, ist alles andere als ein Zufall, wie Ebnoutalib selbst betont. „Ich habe immer viel gearbeitet, war ein richtiges Arbeitstier. Ich habe immer versucht, Dinge anzunehmen und meinen Trainern immer zuzuhören, damit ich mich verbessern kann. Ich habe einfach nie aufgegeben, bin immer drangeblieben“, bilanzierte er nach seinem ersten Einsatz für die Adlerträger.

Auch der VfL Wolfsburg hatte intensiv um Ebnoutalib gebuhlt, doch für ihn gaben die sportliche Perspektive bei der SGE und auch die Rückkehr in seine Heimatstadt den Ausschlag. Schließlich stammt der Sohn eines früheren Olympia-Silbermedaillengewinners im Taekwondo aus der Frankfurter Nordweststadt.

In der Mainmetropole machte Ebnoutalib auch seine ersten fußballerischen Erfahrungen, spielte unter anderem in der Jugend von Rot-Weiss Frankfurt.

Ebnoutalib demonstriert seine Verbundenheit

Seine Verbundenheit zur Stadt demonstrierte er am Freitagabend mit seinem Torjubel: Mit den Händen zeigte Ebnoutalib „439“ in die Kamera.

„Das ist die Postleitzahl von meiner Heimat in Frankfurt. So grüße ich immer meine Familie und meine Freunde. Da hinten stehen sie alle und warten auf mich. Mein Bruder hat mein Trikot an“, erklärte der Torschütze emotional.

Für die Fans der Eintracht könnte Ebnoutalib aufgrund seiner Geschichte zu einer echten Identifikationsfigur werden. Zugleich hat sich Frankfurt in den vergangenen Jahren als Sprungbrett für vielversprechende Stürmer auf dem Weg zu internationalen Top-Klubs bewährt. Umso spannender wird Ebnoutalibs weiterer Weg.